Keine Hochzeitsfotos von Taylor, dafür Interviews vom splash!
Hallo zusammen!
Wie fühlt ihr euch damit, dass Taylor Swift und Travis Kelce endlich vermählt sind? Das ist ja die Frage, die man sich nach diesem Wochenende stellen muss. Obwohl unsere Redaktion auf dem splash! und dem Montreux Jazz Festival rumgesprungen ist, und es von da viel zu berichten gibt, überstrahlt die Promi-Hochzeit natürlich alles. Dabei weiß man nach wie vor gar nicht so viel: Taylor und Travis haben sich schließlich eine der bekanntesten Event-Location mitten in New York ausgesucht und so gut wie nichts heraussickern lassen. Vermutlich mussten alle Gäste mit ihrem Blut einen Wisch unterschreiben, der besagt, dass man mindestens einen Arm rausgerissen bekommt, wenn man Informationen mit der Presse teilt oder ein nicht freigegebenes Foto auf Instagram teilt.
Entschuldigt den Zynismus, aber irgendwie kann einem das alles auch die Laune verhageln. Es ist ja schön, dass die beides es geschafft haben, ihre Traumhochzeit ohne Paparazzi über die Bühne zu bringen. Taylor hat einen Level of Fame, der sicher meist eher anstrengend ist, und es ist ihr gutes Recht, einen so intimen Moment nicht mit allen zu teilen. Aber die Show im Madison Square Garden mit geschlossenen Türen vor den Augen aller durchzuziehen, ist irgendwie auch ein lautes „Fuck You!“ an den Pöbel – ob gewollt oder nicht. Das hat schon ziemliche „Let them eat cake“-Vibes, wenn ihr wisst, was wir meinen. Und was soll es bitte, dass die beiden ausgerechnet am „Independence Day“-Wochenende im großen Jubiläumsjahr der 250-Jahre-USA-Feier heiraten? Haben die beiden diesen Patriotismus nötig? Ist das gar Kalkül, weil seit der Travis-Beziehung auch viele konservative Country-Fans und gar MAGA-Anhänger sie plötzlich wieder gut finden? Wir wissen noch nicht ganz, wie wir zu all dem stehen sollen und wünschen natürlich das Beste. Trotzdem: Die Frage, ob Taylor wirklich „eine von uns ist“, wie wir alle eine „Eras Tour“ lang glauben wollten, wird nun noch einmal heiß diskutiert. Konzentrieren wir uns also einen Newsletter lang lieber auf die Dinge, die wir normal sterblichen Musikfans noch erleben dürfen: Gute Festivals, tolle Begegnungen mit Musiker:innen, die noch mit Journalist:innen und Fans reden und natürlich mindestes einen bunten Hochzeitstrauß mit geilen neuen Songs. Und verzeiht bitte, dass wir auf einen Live-Ticker zur Hochzeit verzichtet haben: Wir warfen uns lieber in den Festivalsommer, anstatt X und TikTok nach Info-Bröckchen abzusuchen, oder darüber zu schreiben, wie LKWs vor dem Madison Square Garden entladen werden.
Esther Graf performt „sicherheit“ und „darüber schlafen“ in unserer Day & Night Session
Esther Graf macht deutschsprachigen Pop, der Gefühle, die wir alle kennen in catchy Songs verpackt. Die österreichische Sängerin und Songwriterin kommt aus Kärnten, lebt mittlerweile in Berlin und hat sich in den letzten Jahren mit Songs die zwischen Indie, Rap-Anleihen und direktem Storytelling einen festen Platz in der Pop-Welt gesichert. Auf ihrem neuen Album „wofür es sich zu leben lohnt“ dreht sich alles um Freundschaft, Liebe, Unsicherheiten, Heimat und natürlich um die Frage, was davon am Ende wirklich bleibt. In ihrer Day & Night Session performt Esther Graf die Songs „sicherheit“ und „darüber schlafen“. In „sicherheit“ teilt Esther Selbstzweifeln und gewährt einen ziemlich ehrlicher Einblick auf ihre Gedankenwelt. In „darüber schlafen“ erzählt sie dagegen von einem Moment, in dem eine Beziehung eigentlich schon vorbei ist, aber es noch niemand wirklich wahrhaben will.
Unsere Lieblingssongs in dieser Woche
Der Songwriter MC Windhund hat seine „Kreative Phasen“ in einen traurig-schönen Rap-Indie-NNDW-Bastard gechannelt, während die 21jährige Wienerin Bella mit „mama“ eine schöne Liebeserklärung an ihre Mutter veröffentlicht hat. BUNT & JBS haben mit „nie allein“ natürlich ein wenig die Arschkarte gezogen – toller Song, Hymne auf die DFB-Elf, aber durch das frühe Ausscheiden hat „nie allein“ natürlich eine bittere Note. Aber die Nummer ist stark genug, um das abzuschütteln. Wir schauen noch einmal auf spannende Sängerinnen aus Wien: KÄSSYs Electro-Pop-Track „T-Shirt“ und das zugehörige Retro-Video haben definitiv unser Herz gewonnen. Last but not least feiern wir AB Syndroms „Kann nicht einfach alles so bleiben“, das sie in einer starken Live-Version veröffentlicht haben.
Album der Woche: Sienna Spiro – Visitor

Mit „Visitor“ legt Sienna Spiro ein Debütalbum vor, das sich bewusst aus der Schnelllebigkeit ihres TikTok-Durchbruchs herauszulösen scheint. Statt auf virale Pop-Formeln setzt die 20-jährige Londonerin auf großen Soul, orchestrale Arrangements und eine Ästhetik, die irgendwo zwischen Old Hollywood, 70s-Eleganz und moderner Melancholie liegt. In den fünfzehn Songs geht es um Liebe, Verlust, Selbstfürsorge und die Angst davor, im Leben anderer Menschen nur vorübergehend zu sein. Dass die Melodien zu größten Teilen von Live-Musiker:innen eingespielt wurden, hört man „Visitor“ deutlich an: Das Album wirkt warm, klassisch und groß gedacht, ohne an Verletzlichkeit zu verlieren.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.