Album der Woche: SIENNA SPIRO – Visitor
Dass Sienna Spiro vor allem über TikTok Bekanntheit erlangte, wirkt irgendwie ganz konträr zu ihrer Ästhetik. Die Musikerin aus London ist zwar erst 20 Jahre alt, strahlt in ihrer Kunst-Person jedoch eher den Vibe einer Soul-Größe irgendwo zwischen den 60er- und 70er-Jahren aus. Das liegt natürlich vor allem an ihrer beeindruckenden Stimme und dem symphonischen Sound, aber bestimmt auch ein bisschen an dem sehr guten Branding und Styling, das teilweise an Lana Del Reys „National Anthem“-Ära erinnert, nur das es in Siennas Fall noch ein bisschen mehr Richtung Polka Dots, toupierte Haare mit Seitenpony und „Once upon a Time in Hollywood geht“.
Sienna Spiro: Von TikTok in die Billboard Hot 100
Ihren ersten Song hat Sienna vor 2024 released und stürmte mithilfe von TikTok nicht lange danach auch das erste Mal die Charts. Ihr großer Durchbruch wird jedoch vor allem auf die 2025 erschienene Single „Die On This Hill“ zurückgeführt. Auch die drei Vorab-Singles zu ihrem Debütalbum „Visitor“ resonierten mit einem weltweiten Publikum und schafften es ausnahmslos in die Billboard Hot 100.
Auf „Visitor“ bleibt Sienna Spiro dem Stil treu, den sie sich im letzten Jahr aufgebaut hat: classy in Musik und Lyrics, mit Backgroundsänger:innen und Orchester. Streicher, warme Drums und langsame, klassische Melodien sorgen dabei für eine Atmosphäre, die man zuletzt auch bei anderen aktuellen Soul-Stars wie Raye oder Olivia Dean beobachten kann und bei der man direkt Lust hat, sich den Plattenspieler anzuschmeißen, in die 70er-Jahre-„Conversation Pit“ zu setzen und einen Martini zu trinken.
„Visitor“: Grenzen setzten und Vergänglichkeit
Ein Teil der Magie hinter „Visitor“ lässt sich neben Siennas riesigem Talent und Können auch auf die Produktion zurückführen. Executive Producer Omer Fedi ist ein echter Profi und hat unter anderem schon mit Sam Smith und SZA zusammengearbeitet. Die Songs sind zu den größten Teilen von Live-Musiker:innen eingespielt – ein heutzutage fast schon stilistisches Mittel.
Auch thematisch bewegt sich Sienna Spiro mit „Visitor“ in sehr zeitlosen Gefilden: Es geht um Self-Care, Liebe und vor allem Verlust. Das erklärt auch den durchgehend melancholischen Unterton, der sich durch so ziemlich jeden der fünfzehn Tracks zieht. In „This Is My House“ beschreibt sie ihre Gefühlswelt als ein Zuhause das es zu schützten gilt und das sie mit viel Tränen und Leid aufgebaut und zu einer sicheren Festung gemacht hat: „baby this is my house / I bled into the foundation / You can talk to the neighbours, they’ll tell you that it took me ages / Step into the swimming pool / I built it with the tears you put into my eyes, every time you tried to leave me“. Auch auf „Great Expectation“ widmet sie sich ihrer Beziehung zur Liebe, tief liegenden Ängsten und der Frage, wie viel Illusion hinter der Verbindung und den großen Gefühlen liegt.
Sienna Spiro in Deutschland
Der Titeltrack „The Visitor“ ist eine herzzerreißende Ballade über das Gefühl oder die Erkenntnis, nur temporär im Leben einer geliebten Person zu sein: „I am temporary, you are holding me for the night, for some pleasure, of that’s all we are ill always be a visitor in your arms“. Der zwölfte Song „Material Lover“ hat es übrigens nicht nur auf Siennas Album, sondern auch auf den Soundtrack für den Kinofilm „Der Teufel trägt Prada 2“ geschafft. Sienna selbst beschreibt das gesamte Album vor allem als eine Auseinandersetzung mit ihrer Angst vor Vergänglichkeit und dem Weg Akzeptanz zu erreichen.
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