In „hope is a dangerous thing for a woman like me to have – but i have it“ lässt Lana Del Rey tief in das eigene Seelenheil blicken
Auf dem Papier scheint das Release von „Norman Fucking Rockwell“ im Licht einer extremen Antihaltung/Ignoranz gegenüber der Musikindustrie zu stehen. Die Tendenzen waren natürlich auch schon früher zu erkennen, doch in Streaming-Zeiten scheinen sich die Künstlerfronten und -Grenzen verhärtet zu haben. Mit dem 9:36 Minuten langen „Venice Bitch“ hat Lana Del Rey dem Algorithmus-versessenen Musikgeschäft die verachtende Faust entgegengestreckt, mit dem 13-Wort starken neusten Titel kurbelt sie genüsslich den Mittelfinger aus ebendieser Faust und mit ihren einzigartig gehaltvollen Texten wird der ganzen Botschaft noch ein selbstsicheres, verhöhnendes Zwinkern mitgegeben. Denn eigentlich ist der Song „hope is a dangerous thing for a woman like me to have – but i have it“ viel zu monumental und genial geschrieben, als dass er einen solch lächerlich langen Titel verdienen würde.
Lana Del Rey – hope is a dangerous thing for a woman like me to have – but i have it
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Monumental ist der Song deshalb, weil Lana Del Rey durch ihre außerordentlichen Fähigkeiten am geschriebenen Wort die tiefen seelischen Narben und Sackgassen zur Schau stellt, ohne auch nur einmal explizit zu werden. Sie thematisiert die Depression, die sich durch ihren Erfolg statt der erwarteten Freude und Glückseligkeit breitgemacht hat. Außerdem reflektiert sie über ihren frühen Alkoholismus – insbesondere darüber, was die Sucht mit dem Verhältnis zu ihrer Familie gemacht hat und brütet über den scheinbar immer währenden Kampf um ihre Psyche, der sich in ihrem Kopf abspielt. Der gesamte Text steckt voller popkultureller und literarischer Querverweise. Besonders die amerikanische Poetin, Schriftstellerin und Feministin Sylvia Plath, die sich in ihrer Kunst intensivst mit Frauenrechte auseinandergesetzt und in letzter Konsequenz für sie eingesetzt hat. Auch sie litt zeit ihres Lebens an schweren Depressionen, die sich bei ihr durch bipolare Extreme geäußert haben. Lana Del Reys unglaubliche Songwriting-Fähigkeiten zeigen sich außerdem in den Refrains des Songs, in denen sie jedes mal einzelne, kleine Worte verändert, damit die Bedeutung des ganzen Satzes und damit den gesamten Kontext verändert und völlig andere finstere Bilder und Aussagen schafft. „Norman Fucking Rockwell“ erscheint am 29. März und gilt jetzt schon als eines der vielversprechendsten Alben des jungen Jahres 2019.
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