Mark Forster macht ein etwas anderes Album – und keiner spricht darüber?
„Neuer Deutschrap Banger diesen Freitag“, witzelt Mark Forster, als er auf Instagram seinen Song „Farben Leuchten Schwarz“ gemeinsam mit Clueso ankündigt. Als die Single dann da ist, erinnert nur die Auto-Wahl im Video (Tiffany-türkiser Porsche Carrera) an Deutschrap, der Song klingt stattdessen nach zeitgeistigen Call-And-Response-Breakbeats. Kurz zuvor macht Mark Forster aber tatsächlich gemeinsame Sache mit zwei Deutschrapper:innen: KeKe und La Place, die beide als Gäste auf dem stillen „Cola in den Pétrus“ mitwirken.
„Wo ist der Mark von früher?“
Unter den jeweiligen Postings zu den beiden Songs zerfetzt sich die Forster-Army gegenseitig. Na klar, da finden sich die üblichen Herz-Augen und Flammen-Emojis, aber auch viel Kritik: „Ey, bin ich die einzige die der Meinung ist dass die Musik von Mark einfach nicht zu ihm passt? Ich fand ihn echt Mal gut, aber anscheinend muss er mit dem Trend gehen. Vielleicht bin ich auch zu alt für diese Musikrichtung, aber es ist einfach nicht mehr mein Ding. Gefällt mir gar nicht“, schreibt eine Nutzerin. Eine Fanpage kommentiert: „Wo ist der Mark von früher?“.
Der „Mark von früher“ klang tatsächlich anders. Seine großen Erfolge feierte der 40-jährige vor allem mit seinen ersten drei Alben „Karton“, „Bauch und Kopf“ und „Tape“. Das Rezept für seine Hits hieß damals: Softer Radio-Pop, auf Gitarren-Basis und mit großen „Ooooh-Oooooh“-Hooks. Die lässt Mark Forster für sein neues, sechstes Album „Supervision“ zum größten Teil links liegen. Stattdessen: Neue Sounds für eine neue Zielgruppe.
Ein Hauch von Rave im Wohlfühl-Pop
Das fällt vor allem in den elektronischen Momenten des Albums auf. Die Vorab-Single „Lego“ kommt mit flimmernden Synthies, wie man sie in einem Bicep-DJ-Set erwarten würde, „Wenn du mich vergisst“ klingt nach dem halbgarsten Beat, den Paul Kalkbrenner je gemacht hat. „Alles Toxisch“ könnte dann fast schon ein Jeremias-Song sein, mit funky Percussions und rhythmischer Bassline. Solche Momente clashen ziemlich hart mit Songs wie „Perfekt“: Eine Nummer, wie sie auf jedem Mark Forster-Album jemals zu finden sein könnte und die mit der Hook („Na, na, jeder wie er mag“) wirklich den Vogel abschießt. Kurz darauf wird dann auf „Als Wär Das Leben Zu Ertragen“ gemeinsam mit Peter Balboa und den Sportfreunden Stiller versucht, den inneren Kurt Cobain zu finden – vergeblich.
Identitätskrise im Kreuzfeuer
Zwischen all diesen Sounds wirkt es irgendwie, als wüsste Mark Forster nicht so recht, wo er hinwill. „Supervision“ hat keinen roten Faden, verrennt sich zwischen neuen Experimenten und wiederaufgewärmten Ideen von früher. Der bildstarke Titel mit dem Cover, auf dem einem Makro-Mark von einem Mini-Männchen die Brillengläser geputzt werden, wird nicht weiter erklärt oder eingelöst. Die musikalischen Trends, die er stellenweise jagt, sind an seiner Kernzielgruppe spurlos vorbeigezogen, denn die will ja sowieso nur den alten Mark. Während er zuvor gerne als Sündenbock für das böse böse Feindbild Radio-Pop hergenommen wurde, nehmen ihn jetzt auch seine eigenen Fans ins Kreuzfeuer. Das ist irgendwie schade – und ein bisschen fragt man sich, wie dieser Mann es jemals allen recht machen soll.
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