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Mehr als „BRAT“: Charli xcx ist „The Moment“!

Posted in: Features
Tagged: Charli XCX

Nur wenige Musiker:innen können von sich behaupten, einen ganzen Sommer für sich gekapert zu haben. Doch Charli xcx gehört eindeutig dazu. Die Sängerin aus Großbritannien erschuf 2024 mit ihrem Album „BRAT“ mehr als eine einfach Platte – sie läutete mit dem „Brat“-Summer eine ganz neue Ära ein, die noch lange nachwirken soll. Und nun möglicherweise mit dem Mockumentary-Film „The Moment“ ein etwas verkorktes Ende bekommt.

Das globale Phänomen „BRAT“

Welchen Lauf „BRAT“ eingeschlagen hat, konnte Charli xcx beim Albumrelease im Juni 2024 vermutlich selbst nicht vorhersagen. Die insgesamt 15 Songs, darunter „360“, „Club classics“ und der TikTok-Hit „Apple“, begeisterten Fans auf der ganzen Welt. Plötzlich war die Cover-zierende Farbe neongrün, „BRAT“-Shirts und Tänze zu Charlis Songs überall. Den massiven Erfolg zementierte die Musikerin dann einmal mehr mit ihrer ersten ausverkauften Arena-Tour mit ikonischen Stopps wie dem Madison Square Garden in New York. Also kurz gesagt: „BRAT“ etablierte sich zu einem globalen Popkultur-Phänomen. Wie relevant eben dieses sein kann, zeigte sogar der Wahlkampf in den USA. Denn als dort im selben Jahr die Präsidentschaftswahlen anstanden, hat sich die Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris mit den Worten „kamala IS brat“ sogar höchstselbst zu ihrer „BRAT“-Ära bekannt.

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Der explosive Erfolg von „BRAT“ lässt sich nicht zuletzt auch darauf zurückführen, dass es eben mehr als nur Musik ist. „BRAT“ ist Ästhetik und ein Lifestyle. Vorbei ist die Zeit des Clean-Girl-Looks in Pastellfarben und dem übersportlichen 5am-Club. Brat-Girls tragen verschmierte Smokey Eyes, gehen Techno feiern und sind die letzten auf der Party, auch wenn diese vielleicht schon lange vorbei ist. Genau zu diesem Lifestyle liefert Charli xcx mit „BRAT“ den passenden Soundtrack – zumindest für den Sommer 2024, den „Brat summer“.

Trotz der Schnelllebigkeit unserer Zeit hat „BRAT“ es geschafft, eine große Menge an Menschen zur selben Zeit zu vereinen. Die Musik von Charli hat Fans und Nicht-Fans auf der ganzen Welt erreicht und man konnte ihr nur schwer entkommen. Der kommerzielle Erfolg von „BRAT“ ist daher unbestreitbar, wie Streamingzahlen, ausverkaufte Touren und ein sehnlichst erwarteter „BRAT“-Film beweisen. Genau den liefert uns Charli nun mit „The Moment“.

„The Moment“

Charli xcx ist seit Jahren Musikerin und bei weitem kein weltberühmter Popstar über Nacht geworden. Seit ihrem Debütalbum „True Romance“ aus 2013 arbeitet die Musikerin konsequent an ihrer künstlerischen Vision. Mit „BRAT“ ist Charli vor zwei Jahren genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zum ersten Mal erlebt sie dieses Maß an Erfolg, an dem sie Fans nun in „The Moment“ teilhaben lässt. Der Mockumentary-Film begleitet Charli, als fiktionalisierte Version von sich selbst, während ihrer „BRAT“-Promophase und den Vorbereitungen zu ihrer Arena-Tour. In den Planungen zu den Shows, bekommen wir einen Einblick in das Leben eines relevanten Popstars, dabei sind auch reale Fernsehauftritte und Charaktere wie Julia Fox in die Story eingewebt. Meetings mit ihrem Label, Werbe-Deals und der ständige Druck, unter dem sie steht, ziehen sich dabei durch den ganzen Film. Zentraler Bestandteil der „The Moment“-Geschichte ist außerdem der Konzertfilm, der bei einer ihrer Shows gefilmt werden soll.

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Im Film tritt Charli den größten Teil als verantwortungsloser Popstar auf. Aber nicht im dem Sinne, dass sie unzuverlässig wäre oder nicht professionell arbeiten würde, sondern dass sie sich aus der Verantwortung bei kreativen Entscheidungen nimmt, die ihre Kunst maßgeblich transportieren sollen. In „The Moment“ erarbeitet Charli gemeinsam mit Celeste, ihrer guten Freundin und Kreativdirektorin, das Konzept für die Arena-Tour. Von Strobolichtern, Videoeinspielern und den Bühnenoutfits sind die beiden sich in ihrer Vision von „BRAT“ einig und stecken mitten in den Proben für die anstehende Tour. Dies wird allerdings durchbrochen, denn das Label will, dass der Film zur Tour von Amazon Music lizensiert wird. Daher wird der prätentiöse Filmemacher Johannes Godwin engagiert, dessen Arbeit Charli als objektivierend gegenüber Frauen empfindet.

Zum Missfallen von Charli und Celeste mischt sich Johannes immer mehr ein, bis er schließlich die kreative Kontrolle übernimmt und versucht, das ursprüngliche Konzept der Tour zu etwas Familienfreundlicherem zu entschärfen, um neue Fans zu erschließen. Dies führt zu Konflikten mit Celeste, die versucht, die ursprüngliche Vision, an der sie und Charli gearbeitet hatten, aufrechtzuerhalten. Charli, die mit der Situation überfordert ist und zum ersten Mal in ihrer Karriere so gefragt ist, schafft es nicht für sich und ihre Kunst einzustehen und verreist mitten in den Proben nach Ibiza und entzieht sich damit ihrer Verantwortung. Obwohl „BRAT“ von Anfang an kommerziell vermarktet wurde, wird die stetige Kommerzialisierung Charli zum Verhängnis. So schaffen sich „BRAT“ und die geldsüchtige Musikbranche am Ende selbst ab.

Charli xcx: Extremen Erfolg loslassen können?

„The Moment“ gibt Zuschauer:innen Einblick in den Zwiespalt, in dem sich Musiker:innen befinden. Nach jahrelanger Arbeit endlich den Erfolg zu haben, auf den Artists so lange warten hat sowohl positive als auch negative Seiten. Und besonders „BRAT“ und der „Brat summer“ zeigen Fans, wie schwer es ist, den Hype und Erfolg loszulassen und für sich existieren zu lassen. In „The Moment“ fällt dies gleich doppelt schwer. So hat nicht nur Charli emotionale Schwierigkeiten, diesen Lebensabschnitt abzuschließen. Alle Akteure um sie herum, Manager, Label Executives bis zum Filmemacher wollen die Kunst bis zum Schluss für Kommerz ausnutzen – egal welche Abstriche dann an dem ursprünglichen Werk gemacht werden müssen.

Der Film gibt Außenstehenden außerdem einen Eindruck davon, wie es ist, als Frau in der Musikbranche zu arbeiten – und dann auch noch Erfolg zu haben. Charli und ihre Kreativdirektorin Celeste werden immer wieder von männlichen Charakteren übergangen und in Entscheidungen überstimmt oder erst gar nicht gehört. Über den Film staut sich so viel Frust auf, weil den beiden oft die Kraft fehlt ständig dagegen zu halten und sie am Ende deswegen übergangen werden.

Das 365-Party-Girl liefert uns mit „The Moment“ also weit mehr, als eine seichte Mockumentary zum Popstar-Dasein im 21. Jahrhundert. „The Moment“ kommentiert den Umgang mit Frauen in einer Branche, die sich nur dann und nur so lange für sie interessiert, wenn sie kommerziell erfolgreich sind. Der ständige Anspruch an weibliche Artists immer innovativ zu sein, nur um sie dann in einer Schublade festhalten zu wollen und die Kunst für den großen Markt anzupassen. Es ist schwer sich in neue Lebensabschnitte zu wagen und für Charli dürfte genau das eine der größten Hürden im Bezug auf „BRAT“ sein. Trotzdem, manchmal wissen Artists selbst am besten, wann es Zeit ist loszulassen. Und auch wenn die Jahreszeiten vergehen und wir vom „Brat summer“ in die verschiedensten „Summers“ übergehen, Charli ist und war „The Moment“!

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