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#musicmetoo will Gewalt und Machtmissbrauch in der deutschen Musikbranche sichtbar machen

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Triggerwarnung: Der nachfolgende Artikel behandelt Themen der sexualisierten Gewalt, die auf die Lesenden erschütternd oder verstörend wirken können. Bitte sei dir dieser Sache bewusst und nimm von diesem Artikel gegebenenfalls Abstand, um Reaktionen der Panik, der Angst oder Retraumatisierungen zu verhindern. Nähere Informationen dazu sowie Hilfsangebote werden auf der Seite des Weißen Rings (https://weisser-ring.de) bereitgestellt.

Was schon seit mehreren Jahren, aber besonders in den letzten Monaten immer wieder in Form von News-Meldungen aufkam, wurde nun spätestens durch die Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann allgegenwärtig: Die Präsenz von Machtstrukturen in der Musikbranche und der Missbrauch dieser. Mit #musicmetoo Germany hat sich nun eine Plattform gegründet, die sich dafür einsetzten will, anonym Erfahrungen mit verschiedenen Formen von Diskriminierung und Belästigung in der Musikbranche zu teilen und über das Thema aufzuklären. 

Wer ist #musicmetoo?

Komplett neu ist die Bewegung #musicmetoo nicht, denn sie geht zu Teilen aus der Initiative #deutschrapmetoo hervor. Die gibt es bereits seit 2021 mit dem Ziel, Betroffene von sexualisierter Gewalt innerhalb der Deutschrap-Szene zu vernetzten und sie psychologisch und juristisch zu beraten. Um sich jedoch auch anderen Betroffenen gegenüber zu öffnen, sollen die Personen hinter #deutschrapmetoo bereits seit mehreren Wochen über eine Art Erweiterung des Betroffenenkreises nachgedacht haben, berichtet Mirca Lotz, Mit-Initiatorin von #musicmetoo im Interview mit Deutschlandfunk Kultur. Gemeinsam mit der bereits bestehenden Agentur Safe The Dance, dem Music S Women* e.V., dem Netzwerk Music Women* Thüringens sowie der Community Queer Cheer Berlin und weiteren Aktivist:innen, die sich für Diversität und Awareness in der Musikbranche einsetzen, hat man sich nun zusammengefunden und die Seite #musicmetoo ins Leben gerufen. 

Das fordert die Initiative

Auf Instagram teilte die Seite @musicmetoo kürzlich in mehreren Slides die Forderungen und Ziele ihrer Bewegung. An oberster Stelle stehe hier die Sichtbarkeit von Gewalt und Machtmissbrauch in der deutschen Musikbranche sowie das aktive Vorgehen gegen Übergriffe. „Die Plattform bietet Betroffenen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen anonym und öffentlich zu teilen. Es sind keine einzelnen Fälle und keine einzelnen Täter. Die Ausmaße von sexualisierter Gewalt sind riesig.“, heißt es auf Instagram. Laut #musicmetoo haben Betroffenen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen sowohl als Nachricht auf Instagram, als auch über das anonyme Kontaktformular auf der Website an die Initiator:innen zu senden. 

Sexualisierte Gewalt und Sexismus sollen dabei jedoch nicht die einzigen Fälle sein, mit denen sich #musicmetoo auseinandersetzen wird. „Daher will die Plattform den Begriff #metoo auf alle Formen von Diskriminierung und Grenzüberschreitungen ausweiten und auch die Verschränkungen der verschiedenen Probleme in den Blick nehmen.“, heißt es in der Caption eines Instagram-Posts. „Die Plattform #musicmetoo Germany wird zukünftig Bildungsangebote und umfassende Informationen zu Gewalt und Machtmissbrauch, Anlaufstellen und Handlungsmöglichkeiten bieten, die ihr nutzen könnt.“

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