Neue EP mit drei Songs: Temmis tragen die Liebe zu Grabe
In den letzten Monaten war es still um Temmis geworden. Nach der Veröffentlichung ihrer von den NNDW-Fans gefeierten „Klinge“-EP im November 2022, kehrte die Gruppe im letzten Jahr nur für die beiden Singleveröffentlichungen „Arterien“ und „Alles brennt“ auf die Bildfläche zurück. Danach verabschiedeten sich Roman, Tizi, Alex und Emil wieder in die Release-Pause, um an neuem Material zu arbeiten. Das Ergebnis ist die neue Mini-EP „LOVE Extended“.
Das Tor zu experimentellen Soundwelten
„LOVE“ erschien bereits am vergangenen Releasefriday – „Nie passiert“ und „Dunkle Wolken“ ergänzen die Single dann in dieser Woche zu einer Art Mini-EP über – es liegt auf der Hand – die Liebe. Gewohnt bedrückt und sentimental zeigen sich Temmis in den knapp 8 Minuten Laufzeit der EP und betrauern den Tod der Liebe. „Glaubst du wirklich noch, dass das Liebe ist?”, singt Roman als er in „LOVE“ zwischen Rauschmomenten und Gefühlschaos schweren Herzens der nüchternen Wahrheit ins Auge blickt. Abseits von den Lyrics brennt sich besonders die Melodie der munter vor sich hin blubbernden Synthies auf „LOVE“ in die Schädeldecke ein und öffnen das Tor zu experimentellen Soundwelten.
Temmis entfernen sich erneut ein Stück von den brachialen und rohen Post-Punk-Klängen ihrer Anfänge und heben ihren Sound auf ein neues Level. Es wirkt fast so, als hätte die Gruppe unter dem NNDW-Schutzmantel ihre Sound-DNA gefunden, wäre dem nun allerdings entwachsen und auf der Suche nach neuen Einflüssen. Ihrer Leidenschaft für die Musik der 80er-Jahre schwören die vier Tübinger aber trotzdem nicht komplett ab: In den Lyrics von „LOVE“ haben sie sogar ein kleines Easter-Egg für alle The Smiths-Fans versteckt und zitieren den Chorus von „Heaven Knows I’m Miserable Now“: „In my life, why do I give valuable time / To people who don’t care / If I live or die?“
Anfang oder Ende?
Nach dem Soundgewitter, in dem „LOVE“ sein großes Finale findet, zeichnen „Nie Passiert“ und „Dunkle Wolken“ den musikalischen Ausweg der EP. Vernebelt und enttäuscht schleppt sich Romans gedankenverlorener Auto-Tune-Gesang auf „Nie Passiert“ von einem zum anderen Takt und schwebt neben plätschernden Klavierklängen nur ganz knapp über dem Boden. Am Enden ihrer Kräfte angekommen sind Temmis dann in „Dunkle Wolken“. „Es sind die Drogen und der Schlaf / es ist der Stress, den ganzen Tag / Es ist der Körper der versagt / Ihr könnt mich alle mal“, singt Roman begleitet von atmosphärischen Synthies und himmlischen Chören, die klingen, wie ein Licht am Ende des Tunnels. Damit klingt „Dunkle Wolken“ gleichermaßen nach Ende undNeubeginn – ist das vielleicht ein Zeichen?
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