Neues Album „Existence is Bliss“: DEADLETTER zeigen sich düster, experimentierfreudig und kraftvoll
Die in Yorkshire gegründete Band Deadletter fügt sich mit Hits wie „Binge” schon vor ihrem Debütalbum „Hysterical Strength” 2024 mühelos in die neue britische Post-Punk-Welle. Nur zwei Jahre später kommt nun Album Nummer zwei. Während es in „Mother” noch „forget it all and dance” hieß, wollen Deadletter sich nun mitten in den Sturm begeben und den Gezeiten trotzen. „Ignorance is bliss”? Nein! „Existence is Bliss” lautet der Titel des neuen Albums. Weit über das Potenzial im Existieren hinaus steht jedoch das Ertragen der aktuellen Weltlage und das aktive Teilhaben im Mittelpunkt. Ein relevanter Take in einer Zeit, in der man sich oft mehr nach Realitätsflucht als Konfrontation sehnt.
Deadletter: Zwischen düsterem Storytelling und experimentierfreudiger Klangwelt
Sowohl Sound als auch Lyrics machen deutlich: Deadletter verfolgen eine klare Vision für diesen Release. Dabei beweist sich Zac Lawrence einmal mehr als talentierter Songwriter. Düster-poetisches Storytelling prägt „Existence is Bliss” und erzählt auf zwölf Titeln von inneren Kämpfen, Verdrängung und diffusen Ängsten. Musikalisch wird es zudem immer experimentierfreudiger. „Purity I” würde sich mit seinem fast schon clubartigen Beat und szenischen Gitarren auch gut im Sci-Fi-Klassiker „Matrix“ machen und kritisiert Ignoranz im Anblick von skrupellosen Mächtigen: „of the odious overlord, that needs us numb”. „It Comes Creeping” lockt mit einem andersartigen, creepy Intro, das in eine fremde Welt zu entführen scheint. Der treibenden Beat sitzt drohend im Nacken und löst sich schlussendlich in einen harmonischen Höhepunkt mit Countermelodie auf. Ein Song, der zurecht auch ein eigenes Musikvideo bekommen hat. Auf „To the Brim“ thematisieren Deadletter Verdrängung und Verleumdung. Mit „What the World Missed” findet sich sogar eine träumerische Ballade zur Halbzeit des Albums und Tracks wie „Cheers!” brechen die gedrückte Stimmung dann immer wieder ein bisschen auf, wenn auch mit ironischem, bittersüßem Unterton.
Insgesamt klingen Deadletter so deutlich voller, hymnischer und industrieller als in „Hysterical Strength”, bleiben ihrem Post-Punk-Sound jedoch grundsätzlich treu. Die Stimme von Leadsänger Zac Lawrence erklingt in gewohnter theatralischer Dramatik. Röhrende und kantige Gitarrenriffs, teilweise fast schon tanzbare Drums und Deadletters altbekanntes Signature-Saxophon schieben nach vorne. Auch deutliche Art-Punk- und Alternative-Rock-Einflüsse ziehen sich durch den Release. Spaß macht zudem, dass die Tracks im Aufbau nicht immer denselben Schemata folgen, gezielt leiser werden, nur um sich dann wieder überraschend aufzubauschen und erneut Energie freizusetzen. Deadletter spielen dabei immer wieder mit Disharmonie, lösen die Spannungen jedoch gerade rechtzeitig in wohltuende Melodien auf. Live lässt sich dieser Sound schon im März auch in Deutschland erleben. Insgesamt sieben Tour-Stopps wird es unter anderem in Bielefeld, Berlin, Hamburg und München geben.
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