Neues Album von Tape Head & NONI: „nicht ins leben verliebt, aber es lieben gelernt.“
In ihrem neuen Album beschreiben Tape Head und NONI in insgesamt 13 Tracks eben jenen Prozess, der sich auch im Titel des Werks wiederfindet: „nicht ins leben verliebt, aber es lieben gelernt“. Doch was zunächst auch ein kitschiger Tumblr-Spruch sein könnte, entpuppt sich schon auf dem ersten Song als schonungslose Abrechnung mit gelegentlichen Hoffnungsschimmern. Die beiden liefern somit auch dieses Mal eine Ehrlichkeit, die nicht nur von den Lyrics, sondern auch durch rohe, kraftvolle Vocals getragen wird. Soundtechnisch bewegt sich das Album irgendwo zwischen elektronischem Indie-Pop, Hip-Hop und Trap mit gelegentlichen Punk-Rock-Elementen.
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Während der erste Track „mein freund“ mit schleppend orchestralem Sound, Depression, Suizid-Gedanken und Freundschaft thematisiert, geht „sic transit gloria mundi“ wiederum direkt nach vorn. Wütende, übersteuerte Vocals, basslastige 808s, hektische Drums und ein verzerrter Beat treffen auf fatalistische Lyrics. Auch das Feature von Rap-Newcomer Yosho fügt sich organisch in den Track. Der lateinische Titel des Songs bedeutet übrigens so viel wie „So vergeht der Ruhm der Welt“ oder, wie Tape Head und Yosho es formulieren, „So vergeht die Herrlichkeit der Welt“ und beschreibt ein altes christliches Mantra, das einen neu ernannten Papst beim Betreten der Peterskirche darauf hinweisen sollte, dass selbst der Papst menschlich und vergänglich ist.
Der vierte Track, „wir passieren“, sticht dagegen mit einer laid-back E-Gitarre und bittersüßen Indie-Melodie hervor. Doch was kurz nach einem Stimmungswechsel klingt, ist nur mit einem Feelgood-Beat getarnt und erzählt von lähmender Gleichgültigkeit und Außenseitertum. Dass das Musikvideo in einem dörflichen Wohngebiet gefilmt wurde und Tape Head und Noni vor einem blauen Himmel, Windmühlen und auf Tischtennisplatten tanzen, fängt dabei authentisch, dieses grelle Sommerferien-Gefühl ein, das verdächtig nach Stillstand schmeckt.
Tape Head wird Hoffnungsvoller
Mit „sei wen du gebraucht hättest”, kommt dann das erste große Gefühl von Erleichterung. Auch wenn der Schmerz noch nachklingt, ist die Botschaft deutlich. Tape Head blickt in die Vergangenheit und scheint diesen Song tröstend einer jüngeren Version von sich selbst zu widmen. Dabei fühlt sich auch der von Synthesizern getragene Sound gelöst und irgendwie heilend an und untermalt die letzte Line des Tracks perfekt: „Ich werd wen ich gebraucht hätte”. Ein weiteres Feature auf dem Album macht jedoch auch klar, dass die Nostalgie nur so weit reicht. Tape Head und der Erfurter Rapper Dissy wollen schließlich „Nie mehr zurück“.
Den vorletzten Song „nicht ins leben verliebt, aber es lieben gelernt“ möchte man nach dieser emotionalen Achterbahn dann am liebsten direkt selbst mitgrölen, denn „das ist nicht das Ende, das ist nur Dramaturgie“ ist doch mal ein Lebensmotto, das man auf ein T-Shirt drucken könnte. Wer von Tape Head und Noni nicht genug bekommen kann, sollte sich außerdem ihre Performance von „Petrichor“ und „Ich blute (aus)“ in unserer Day & Night Session anschauen.
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