Neues Mixtape „Sony“: Gelingt Ufo361 die Opium-Transformation?
Wenn man jüngere Rap-Fans fragt, was aktuell angesagt ist, wird die Antwort relativ einstimmig sein: Opium! Und bevor ihr euch jetzt sorgt: Nein, es geht hier mal ausnahmsweise nicht um harte Drogen, sondern um das so benannte Label von Playboi Carti. Mit seinen Signings Ken Carson und Destroy Lonely hat der Rapper aus Atlanta in den letzten Jahren eine eigene Ästhetik und einen Sound geprägt, der weltweit Anklang findet. Mit seinem neuen Mixtape „Sony“ will sich nun auch Ufo361 der Opium-Bewegung anschließen – und spaltet damit seine Fans.
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Ufo361 will über den Atlantik
Dass Ufo361 mit dem internationalen Markt liebäugelt und dort viel lieber stattfinden möchte, als in der deutschen Szene, ist nichts Neues. Schon 2018 schnappt er sich Migos-Mitglied Quavo sowie Rich The Kid für sein Album „VVS“, auf folgenden Projekten waren dann Gunna, Offset, Future und sogar 070 Shake vertreten. Moves, die sonst nur wenige Deutschrapper erfolgreich über die Bühne bringen – und die ihm in Deutschland zwar viel Anerkennung einbrachten, international aber nur bedingt für Aufmerksamkeit sorgten.
Rage statt YSL
Nun steht eine neue Ära bei Ufo361 an: Am Freitag hat er sein Mixtape „Sony“ veröffentlicht, das augenscheinlich der Plattenfirma gewidmet ist, unter der sein eigenes Label Stay High operiert. „Sony“ erscheint knapp ein Jahr nach „Love My Life“, Ufos letztem Langspieler, der in Sachen Sound und Features noch an einem Trap-Entwurf nach YSL-Vorbild orientiert war. Dass der Rapper aus Berlin seither neue Einflüsse für sich entdeckt hat, zeichnete sich schon vor „Sony“ ab. Für die Singles „Match_3“ und „Traum_V2“ verwendet Ufo softe Plugg-n-B-Instrumentals, „Yamamoto“ und „Issey Miyake“ sind dagegen brachiale Moshpit-Öffner mit ohrenbetäubenden Rage-Synthies. In eine ähnliche Richtung verwiesen auch folgende Singles und vor allem die Feature-Gäste: Auf „Drone Damaggge“ lässt sich Ufo361 von Opium-Signing Destroy Lonely unterstützen, auf „Vivienne Westwood“ vom britischen Rager Lancey Foux.
„Take Ufo off this song“
Auf den gemeinsamen Songs wirft Ufo mit den passenden Stichworten um sich: Begehrte Designermarken wie Chrome Hearts und Alyx, antagonistische Charaktere wie Anakin Skywalker, der Joker und Marilyn Manson. Nun ist „Sony“ erschienen und bestätigt, was eigentlich schon klar war: Ufo361 bemüht sich, in den Opium-Kult aufgenommen zu werden. Aber gelingt dieses Vorhaben?
Zum Release setzt Ufo auf die neue Single „Rick Owens“ mit Feature Ken Carsson, der ebenfalls bei Playboi Cartis Opium unter Vertrag steht. Entsprechende Fan-Pages reposten den Song, allerdings mit gemischten Reaktionen der Community: „Take Ufo off this song, I don’t care if it’s his own song“, schreibt einer, „Is anyone gonna make a Ken only version“ ein anderer. Andere entgegnen: „Ufo grows on u“ und „Whole mixtape pretty good“.
take ufo off this song, i dont care if it’s his own song
— sam (@radleylol) January 4, 2024
Klar, die Rap-Fans von Übersee sind erstmal gegenüber allem skeptisch, was nicht auf Englisch stattfindet. Aber auch unter Ufos eigenem, inzwischen wieder gelöschten Post zum Release von „Sony“ ist sich sein Publikum nicht einig. Viele kritisieren die satanistische Ästhetik mit „666“-Bomberjacke oder wünschen sich „den alten Ufo“ zurück.
Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für Ufo
Viele Anhänger:innen seines bisherigen Trap-Sounds gehen die Transformation in Richtung „Whole Lotta Red“-Vibe nicht mit, so viel ist klar. Aber bekommt man denn mit „Sony“ ein gutes Tape, wenn man diese Entwicklung akzeptiert? Jein. Ufo361 gelingt es in vielen Belangen, seinen US-Vorbildern nachzueifern – im guten, wie im schlechten. „Sony“ ist mit 20 Songs ein ziemlich überladenes Projekt, was auch für die letzten Alben von Yeat, Destroy Lonely oder Trippie Redd gilt. Trotz dieser Tracklist kommt „Sony“ nur auf eine Spielzeit von 37 Minuten, weil viele Tracks mehr skizzige Idee als ausproduzierter Song sind.
Dadurch bleibt das Mixtape aber auch kurzweilig und langweilt selten. Ufo hangelt sich von einer Hit-Single zur nächsten und füllt den Raum dazwischen mit Solo-Songs und Interludes. Dabei macht er vieles richtig: In Sachen Produktion, Flows, Stimmlagen und Referenzen trifft er genau ins schwarze Herz des Opium-Fandoms. So richtig innovativ wird er dabei aber nicht. Die Vibes, die man auf „Sony“ präsentiert bekommt, kriegt man so oder so ähnlich auch bei jedem seiner Featuregäste. Ufo361 macht international betrachtet also nichts neues – im Rahmen der deutschen Szene und seiner eigenen Diskographie, die seit Jahren bei quasi identischen Trap-Songs stagniert, ist „Sony“ aber durchaus eine willkommene Abwechslung.
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