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Mimi Barks schließt sich der Trap-Metal-Bewegung an

Mehr und mehr KünstlerInnen gehen mit Songs an den Start, für die die klassischen, etablierten Musikkategorien nicht mehr ausreichen und basteln sich in Folge Hybride aus schon bestehenden Genres zusammen. Immer wieder tauchen neue Subgenres auf und dominieren vor allem durch viel Innovation den Musikmarkt. Aktuell bewegt sich Trap Metal immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit und mausert sich zu einer Bewegung. Schon in den frühen 90ern hatten sich Metal, Rock und Rap zusammen gefunden und es gibt eine ganze Reihe an Bands, die mit dieser Stilkombination Erfolg hatten und auch aktuell noch von auf vielen Festivals gefragt sind. Nun scheint sich der Doom Metal in Teilen auch immer mehr in die schleppenden Trap-Beats zu schleichen und kleine Shoutparts mischen sich unter den düsteren Rap. Eine Vertreterin dieser Kombination ist Mimi Barks. Die gebürtige Berlinerin fusioniert den zurückgelehnten düsteren Trap mit noch viel dunkleren Facetten des Metals und shoutet in den Refrains mit einer beeindruckenden Ruhe zu den dumpfen Bässen. Denn wenn man die schweren Gitarren-Riffs und Drums des Doom Metals ausklammert, dann bleibt die markante, kehlige Stimmqualität, die sich gut zu der elektronischen Begleitung macht und deren Atmosphären sich gegenseitig zu ergänzen scheinen. Mimi nimmt es in ihrer Musik gleich mit zwei männlich dominierten Musikwelten auf und sticht gerade durch ihre weibliche Stimme positiv hervor.

Mimi Barks – Poison

https://www.youtube.com/watch?v=5u38lVvwLUE

Insbesondere das Berliner Nachtleben, in dem Mimi sich beheimatet fühlt, fließt in ihre musikalische Arbeit ein. So zeigt beispielsweise ihr jüngstes Video „Poison“ Ausschnitte einer klassischen Nacht in der Clubszene der Hauptstadt. Zwischen Späti und U-Bahn rappt Mimi Barks über die eigenen Abgründe ihrer Emotionen und ihres Charakters. Generell verwebt die Musikerin viele ihrer Songs mit starken Visuals, die eher der Bildsprache des Metals zugewandt sind. Da sind zum einen die Schrifttypen, die sich durch etliche Schnörkel und Schlingen zu Worten formen. Und dann die stark bearbeitete Farbgestaltung der Videos, die zum Beispiel vor kaputten Wänden oder Stacheldrahtzäunen entstehen. Aktuell lebt Mimi Barks in Großbritannien und hat sich dort ein Netzwerk aufgebaut. Doch auch einen deutschsprachigen Song hat die Musikerin schon veröffentlicht: In „Klingen und Stitches“ dominiert sie von der ersten Sekunde an den Song und liefert eine ihrer stärksten und gleichzeitig härtesten Arbeiten ab. Dabei entspricht sie nicht dem klassischen Metal-Bild einer wütenden, schreienden Person, sondern gerade ihre leisen, kratzigen Raps verleihen ihr viel mehr Kraft und bilden einen starken Gegenpol. Obwohl sie in diesem Song mit zahlreichen geshouteten Passagen arbeitet, strahlt Mimi Barks eine überlegene Ruhe aus, die von ihrer kratzigen Stimme ausgeht.

Mimi Barks – Klingen & Stitches

https://www.youtube.com/watch?v=HChG_vGjPgY

Ein weiterer Song ist „Sonic“, den sie als zweite Single im Sommer des letzten Jahres veröffentlichte und bislang ist es auch der erfolgreichste. Nicht selten wird sie in ihrer Attitüde und Körpersprache mit Billie Eilish verglichen und stilistisch fallen Namen wie Scarlxrd, XXXTentacion und Ghostemane, die ebenfalls das Crossover aus Rap und Metal genauer erkunden. In „Sonic“ wird der Rap-Part des Songs deutlich stärker betont, als es bei „Klingen & Stitches“ der Fall war und Mimi Barks sticht dabei besonders durch ihre harten, schnellen Lines hervor. Das Shouten beschränkt sich auf einzelne Worte und einige Zwischenrufe im Refrain. Doch Mimi sticht nicht nur hervor, weil sie laut ist, sondern auch, weil sie ihrer harten Stimme gekonnt Kontraste entgegen setzt, wie am Ende von „Sonic“, wo sie nur noch luftig spricht. An Kraft und Schärfe verlieren ihre Lines dadurch aber keineswegs.

Mimi Barks – Sonic

https://www.youtube.com/watch?v=ZsHwGIo0SdU&list=TLPQMjgwMTIwMjCCF1sY5x9CTQ&index=3

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