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Verifiziert vertont den Sommer in Wien mit Lo-Fi-House

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Jeder will ihn, aber nur den Allerwenigsten ist er tatsächlich vergönnt: Ein blauer Haken in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter. Wer ein solches Häkchen in seinem Profil hat, ist „verifiziert“, wurde also offiziell von MitarbeiterInnen der jeweiligen Plattform durchleuchtet und abgenickt, was meistens großen Marken, InfluencerInnen oder sonstigen Persönlichkeiten vorbehalten bleibt. Die Newcomerin Verifiziert aka Veri ist nicht verifiziert, auf keiner der angesprochenen Plattformen. Ganz im Gegenteil: Sie ist eben einfach nur eine junge Erwachsene aus Wien, die ein ganz normales Leben führt. Aber Veri macht auch Musik und teilt dies der Öffentlichkeit erstmals im vergangenen Oktober mit. Damals veröffentlicht sie mit „Golf 4“ ihren ersten eigenen Song und damit eine Hymne auf das beliebte Volkswagen-Modell, natürlich mit Produktion sowie Feature-Part aus dem eigenen Freundeskreis. Der verstrahlte Beat, die trashigen Visuals und die Performance schreien gerade zu „DIY“, bringen dabei aber auch einiges an Vibe und Gewitztheit mit: „Polizei fährt bei mir vorbei/ Hab keine Angst, denn ich fahre einwandfrei“.

Verifiziert feat. D1iec1 – Golf 4

Verifiziert fällt mit ihrem rappigen Sing-Sang wohl am Ehesten in die Sparte Hip Hop oder RnB, trotzdem spielt auch elektronische Musik eine große Rolle für die Newcomerin. In ihrer Freizeit treibt sie sich mit Freunden auf Techno-Open Airs herum und in ihrer eigenen Musik findet sich vor allem rauschiger Lo-Fi-House wieder. In Songs wie „Long Time No See“ oder „Rubinrot“ gehen zügige Four-To-The-Floor-Beats nahtlos in langsamere Hip-Hop-Rhythmen über, getragen von verträumtem Klavier. Beide Songs sind erst vor wenigen Wochen erschienen und zeigen eine spürbare Entwicklung im Vergleich zum Erstling „Golf 4“, sei es nun in Sachen Gesang oder Technik und Mix. Außerdem fallen beide Stücke eher melancholisch aus, aber Verifiziert kann auch anders, wie sie kurz darauf mit „Butterflies“ zeigt. Die titelgebende Verliebtheit und Schwärmerei wird von sommerlichem Reggaeton getragen, während weit weg in der Ferne ein Sample durch den tanzbaren Beat hallt.

Aus der Handvoll Songs, die Verifiziert bisher veröffentlicht hat, sticht mit Sicherheit einer ganz besonders heraus: „Rote Gauloises“ ist erst vor Kurzem erschienen und hat als erster Song ein richtiges Musikvideo bekommen. Zu sehen ist natürlich Veri im Kreis ihrer Freunde, bei Sonnenschein, Weißwein und privatem DJ-Set von Sepfl, der für alle bisherigen Beats verantwortlich war. Die ausgelassene Stimmung ist förmlich durch den Bildschirm zu spüren und auch musikalisch liefert Verifiziert auf einem gänzlich neuen Niveau ab: Der klimpernde House-Beat erinnert vage an eine knisternde Lo-Fi-Version von Pashanims Sommerhit „Airwaves“, in der Herangehensweise gleicht Veri aber viel eher Querdenkern wie Haiyti oder Yung Hurn in deren Frühstadium. Dazu passt auch der clevere Dada-Text, der simpler kaum sein könnte und doch immer wieder überraschende Muster und Betonungen parat hält: „Er fragt: ‚Hey, Girl, hast du eine Tschick für mich?’/ Ich sag: ‚Ja, klar, da, eine Tschick für dich'“. Diese simple Interaktion um eine geborgte Kippe plätschert ganz beiläufig über den pumpenden Beat, so dass man konventionelle Muster wie Hook und Strophe schnell vergisst und sich einfach nur der verträumten Atmosphäre hingibt.

Verifiziert – Butterflies

Wir kommen noch einmal zurück zum Anfang: Verifiziert kann auf keiner Plattform einen blauen Haken vorweisen, genau so wenig hat sie einen Label-Deal in der Tasche, aber genau das macht den Charme der Newcomerin aus: Mit House-Beats und verstrahlten Cloud Rap-Anleihen nimmt sie uns mit in das Leben einer jungen Erwachsenen in Wien – nicht mehr und nicht weniger. Wer sich jetzt in ihre Songs oder auch nur in ihr Instagram-Profil klickt, verfolgt eine junge Musikerin am Anfang einer langen Reise, mit dieser gewissen, rohen Energie, die DIY-Schlafzimmer-Produktionen eben anhaftet. Noch kann man die Songs von Verifiziert an einer Hand abzählen, aber das Potential ist mit Sicherheit da – und der Sommer in Wien noch lang.

Verifiziert – Rote Gauloises

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