Zwischen den Plattenbauten von Linz formt Lent eine eigene Sprache
Der Newcomer Lent kommt aus Linz und passt mit seinen kurzgeschorenen Haaren und dem Nike-Trainingsanzug gut zwischen die urbanen Plattenbauten der Stadt. Seine Einflüsse kommen allerdings von überall her: Im Song „Keep Going“ finden Chicago-Drill-Rapper Lil Durk, sowie der Wu-Tang-Clan und A$AP Ferg Erwähnung. Ein wichtiger Bestandteil ist sicherlich auch der Rap aus den grauen Banlieues des nahen Frankreichs, den man immer wieder bei Lent heraushört. Kein Wunder, von Anfang an tüftelt an Lents Sound sein Bruder Damian Beats, der für den französischen Rapper Dabs bereits einen Platin-Hit produziert hat. Dementsprechend macht sich Lent die energiereiche Vortragsweise und die autogetunten Melodie-Bögen zu eigen, schon in seinem ersten Song „Kapitän“, besonders aber in „General“.
Lent – General
Aber Lent kann die geladene Flow-Offensive auch zugunsten anderer Stärken zurückfahren. „Asafa“ glänzt mit einem düsteren Sound zwischen Hypnose und Distortion, mit gelallten Melodien von Lent: „Bei Beef rennt deine Gang wie Asafa“. Der titelgebende Asafa Powell war ehemals Rekordhalter im 100-Meter-Sprint und liefert für den Song sogar ein Intro – inklusive Props für Lent, der auch von Bonez MC und Raf Camora gefeiert wird. Melodisch-vertrippt wird es auch in Lents bisher größtem Hit: In „Kiss“ erinnern die psychedelischen Melodien und Adlibs an Ufo361, im Video dazu präsentiert sich Lent vor den Plattenbauten von Linz und in einer protzigen Villa – vielleicht geht es dort ja irgendwann für ihn hin.
Lent – Kiss
Mit „Ok“ kam gestern ein neuer Song zu der Handvoll Singles, die Lent bisher veröffentlicht hat. „Ok“ hat sicherlich immernoch Straßen-Attitüde, trotzdem wird es auch erstaunlich abstrakt und elektronisch, der Soundtrack für nächtliche Straßen, auf denen Lent auch im Video mit seinen Homies entlang gleitet. Auf vielen Songs bewegt sich Lent im schwammigen Genre des Mumble Rap, lallt und murmelt seines Lines, aber auf „Ok“ wirkt das mehr denn je wie eine gänzlich eigene Sprache, die mit Klang statt mit Inhalt kommuniziert. So oder so, die melodischen Flows passen wie angegossen auf die langsame Produktion von Damian Beats, die mit Synthesizern und federnden House-Elementen daherkommt.
Lent – Ok
Eins ist klar: Mit Props von Raf Camora und Beats von einem Platin-Produzenten in der Tasche sowie einzigartigen Flow-Mustern im Repertoire geht es für Lent noch hoch hinaus. Egal ob er in der edlen Villa aus „Kiss“ landet oder wie auf „Ok“ angekündigt im Ghetto bleibt: Der Erfolg ist für den Newcomer Lent so gut wie sicher.
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