Newcomerin Baby Queen ist die Stimme einer ganzen Generation
Baby Queen gehört zu den wenigen „Abräumern“ des Jahres 2020. Während bereits etablierte KünstlerInnen aufgrund der Pandemie den Release ihrer Alben oder EP‘s vor sich herschieben und mit akutem Live-Auftritt-Entzug kämpfen müssen, startet die Wahl-Londonerin im Mai dieses Jahres ihr erfolgreiches Debüt. Mit „Internet Religion“, ihrer energievollen ersten offiziellen Single, werden erste Musikmagazine auf die Nachwuchsmusikerin aufmerksam und schnell wird klar: In der Multiinstrumentalistin steckt nicht nur eine talentierte Power-Frau, sondern auch ein echtes Vorbild. „Ich mache Leute stumm, die soziale Medien auf eine Weise nutzen, die nur ästhetische Selbstdarstellung ist, denn das ist für mich die wirklich schädliche Seite davon“, erzählt Bella Latham, wie die Künstlerin mit gebürtigem Namen heißt.
Baby Queen – Internet Religion
Bella selbst wächst als Kind und Teenager mit einer Körperdysmorphen Störung auf und weiß, was es bedeutet, sich und seinen Körper nicht zu akzeptieren. Bei so einer Störung beschäftigen sich die betroffenen Menschen übermäßig mit eingebildeten Mängeln und befürchten eine entstellte äußere Erscheinung, die anderen Menschen überhaupt nicht auffällt. Die Wahl-Londonerin ist davon überzeugt, dass der Auslöser für ihre Erkrankung zu einem gewissen Teil auch das Klischeebild von einem „pretty girl“, dem sie überall in den Medien begegnete, war. Mit ihrer Musik will Baby Queen nun verhindern, dass sozialen Netzwerke ein Trigger und damit Auslöser für solche Selbstzweifel und Selbsthass sind: „Wir steuern auf eine Welt zu, in der wir alle unsere Bilder manipulieren, unsere Nasen schmaler machen, unsere Wangenknochen herausstellen, die Zähne etwas weißer und die Form der Schenkel noch ein bisschen attraktiver aussehen lassen. Ich bin damit einfach durch. Ich finde es sogar richtig uncool. Wenn Leute nicht damit aufhören können, dann sollten die Kids wenigstens wissen, dass nichts davon echt ist – und mit diesem Song [„Pretty Girl Lie“] sage ich ihnen genau das.“
Baby Queen – Buzzkill
Musikalische Unterstützung, um ihre Botschaft hinaus in die Welt zu tragen, sucht sich Baby Queen in der glitzernden Welt der Popmusik. Dass sie sich in diesem Genre zuhause fühlt, entdeckt die Musikerin, während sie das Musikvideo zu Taylor Swifts „Love Story“ zum ersten Mal als junges Mädchen im Fernsehen sieht, erinnert sich Bella: „Ich glaube, es war die Tatsache, dass da dieses junge Mädchen war, in dem ich viel von mir selbst sah, und sie benutzte die Musik als Vehikel, um ihren Platz in der Welt zu finden. (…) Taylor hat mich wirklich großgezogen, und ich habe sie in so vielerlei Hinsicht völlig vergöttert. Hätte ich sie nicht entdeckt, wäre ich mit Sicherheit nicht hier, das steht fest.“Ihre Faszination für Taylor Swift hat die 23-Jährige bis heute nicht verloren, mittlerweile stehen aber auch Namen wie Little Simz, Kate Tempest und Matty Healy von The 1975 auf Baby Queens Inspirationsliste. Mit ihrer am 6. November veröffentlichten EP „Medicine“ hagelte es für die Newcomerin aber stattdessen Billie Eilish-, Charlie XCX- und Lilly Allen-Vergleiche, über die die Multiinstrumentalistin vermutlich trotzdem mehr als stolz ist. Sicher ist definitiv, dass wir von Baby Queen und ihren gehaltvollen Pop-Nummern in Zukunft noch eine Menge hören werden.
Baby Queen – Medicine
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.