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Obsession, Liebe, Rache – Stürmische Leidenschaft bei „Wuthering Heights“

Posted in: Features

Der Tag der Liebe aka der Valentinstag steht vor der Tür und wie könnte man sich darauf besser einstimmen, als mit einer der wichtigsten Liebesgeschichten der Literatur? Emily Brontës Klassiker „Wuthering Heights“ (dt. „Sturmhöhe“) hat ein filmisches Update bekommen. Der einzige Roman der Schriftstellerin gilt bis heute als Klassiker der britischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. 

Regisseurin Emerald Fennel, die manche vielleicht noch von der Psychothriller-Komödie „Saltburn“ aus 2023 kennen, liefert uns nun ihre Version von „Wuthering Heights“, die insgesamt bereits achte Verfilmung des Klassikers. Die düstere, obsessive Liebesgeschichte verkörpern in der 2026-Version Margot Robbie („Barbie“) und Jacob Elordi („Pricilla“) in den Hauptrollen Cathy und Heathcliff. Für manche „Wuthering Heights“-Fans nicht die optimale Besetzung aus verschiedenen Gründen. Zum einen sind die Charaktere von Brontë im Original im Teenageralter – Cathys Geschichte endet bereits im Alter von 18 Jahren. Also ein Alter, das weder Jacob Elordi noch Margot Robbie verkörpern können. Zum anderen ist Elordis Rolle Heathcliff ursprünglich PoC, was Emily Brontë mehrmals im Roman beschreibt und letztlich auch die Geschichte essentiell prägt. Denn „Wuthering Heights“ ist mehr als die besessene Lovestory, sie ist auch ein gesellschaftskritischer Kommentar zu den sozialen Hierarchien, Rassismus und Ungerechtigkeiten des 19. Jahrhunderts. 

Im Cast können findige Fans aber noch ein weiteres bekanntes Fennel-Gesicht erkennen. So spielt nämlich nicht nur Jacob Elordi erneut auf der großen Leinwand, sondern auch Alison Oliver. Gemeinsam spielten die beiden in „Saltburn“ schon die reichen Catton-Geschwister.

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Stürmische Winde und eine rachsüchtige Liebesgeschichte

Auch wenn „Wuthering Heights“ zwar klar auf dem Buch von Emily Brontë basiert, hält sich Emerald Fennel mit den Anführungszeichen im Titel den Raum offen, ihre eigene Version der Story zu erzählen. Die große Dramatik des Romans findet aber dennoch ihren Platz. Die stürmischen Winde, die sozialen Hierarchien der Zeit und die obsessive Liebesgeschichte von Catherine („Cathy“) Earnshaw (Margot Robbie) und Heathcliff (Jacob Elordi) sind zentraler Bestandteil.

Cathy wächst bei ihrem Vater auf dem Anwesen Wuthering Heights auf, der eines Tages Heathcliff als Ziehsohn bei sich aufnimmt. Von da an verbringen Cathy und Heathcliff ihre Zeit gemeinsam und die Bindung der beiden wird über die Jahre immer stärker. Sie werden älter und merken, dass sie sich lieben. Aber wegen der verschiedenen sozialen Stellungen – Heathcliff ist von niederem Rang – können die beiden diese Liebe nicht ausleben. Als Cathy einen Heiratsantrag bekommt, verschwindet Heathcliff. Jahre später kehrt er zurück nach Wuthering Heights, als reicher Mann, der nun auch der Besitzer des Anwesens ist, in dem die beiden aufgewachsen sind. Cathy lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann nicht unweit von „Wuthering Heights“ und so beginnen Cathy und Heathcliff eine heimliche Affäre. Die Geschichte verknotet sich immer mehr und die beiden steigern sich gegenseitig in ein rachsüchtiges Spiel. Letztlich findet die Liebe der beiden ein dramatisches Ende.

Es braucht auch fehlerhafte Charaktere!

Sowohl Cathy als auch Heathcliff sind fehlerhafte Charaktere und Menschen, die anderen oft schreckliche Dinge antun – einen Heiratsantrag annehmen, obwohl man eine andere Person liebt beispielsweise. Und im Endeffekt fängt das auch die Liebe oder vielmehr die Obsession der Stiefgeschwister ein. Das permanente Spiel mit der Lust und Leidenschaft der anderen Person endet dabei immer wieder mit Schmerz und Verletzung.

Schon am Anfang des Films macht Fennel makabere Überschneidungen auf. In der Anfangsszene bleibt die Leinwand lange dunkel und man hört Geräusche, bei denen viele vermutlich an Sex denken. Tatsächlich wird man dann aber mit der Hinrichtung eines Menschen konfrontiert. Die Linie zwischen Gewalt und Leidenschaft wird auch später immer wieder gezeichnet, beispielsweise als Cathy und Heathcliff Angestellte von Wuthering Heights beim Sex im Stall beobachten und diese dafür Pferde-Geschirr und Ketten verwenden. Nur passend also, dass Charli xcx im Soundtrack zum Film den Song „Chains of Love“ beisteuert.

Charli xcx verdichtet die „Wuthering Heights“-Intensität

Mit Songs wie „House“ von Charli xcx und John Cale wird die düstere Stimmung auf Wuthering Heights mit verzerrten Klangfeldern transportiert. Der Track „Chains of Love“ vermittelt dabei den Zwiespalt in dem sich Cathy und Heathcliff befinden: „Every time I try (every time I try) talkin’ myself backwards/ Away from my desires (away from my desi-), something inside me stops me, oh“. Charli fängt die Liebe und den Hass der beiden musikalisch ein, genau wie die Realisation, dass sie sich ihren Gefühlen nicht entziehen können. Die Intensität der stürmischen Liebe von Cathy und Heathcliff bringt Charli wohl mit den Worten „You’re what keeps me breathin’, keeps my heart beatin‘“ am besten auf den Punkt.

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Die zahlreichen Szenen von Cathy und Heathcliff in der weiten Natur, durchgeschüttelt von den Winden, die in Wuthering Heights wüten, verdeutlichen die stürmische Leidenschaft der beiden Charaktere. Und auch die einzigartigen, knalligen, glitzernden Kostüme, wenn auch nicht historisch akkurat, wirken auf den grünen Wiesen beeindruckend und erinnern stellenweise auch an Tim Burtons „Alice im Wunderland“-Filme.

Insgesamt übersetzt Emerald Fennel „Wuthering Heights“ in eine düstere, aber trotzdem verliebte Fantasie, die mit Fetischismus, Wahnsinn und der Macht von Liebe spielt. Bis diese Spannung im Finale implodiert und Cathy und Heathcliff für immer trennt. Auch wenn Fennel sich in ihrer Version einige Freiheiten nimmt, die auch über Kostümenstscheidungen hinausgehen, ist „Wuthering Heights“ ein Film, der den bahnbrechenden Roman neu und anders denkt. Die Regisseurin erzählt uns „Wuthering Heights“ eben so, wie sie es selbst beim Lesen empfunden hat, wie sie bereits beim Brontë Women’s Writing Festival in Haworth 2025 erklärt hat. Und am Ende ist es genau das: eine Version, die wie andere auch fehlerhaft ist, uns aber zumindest mit beeindruckenden Szenenbildner ins Staunen versetzt und einen modernen Soundtrack dazuliefert.


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