Eine Jugend in Berlin: Mascha Kaléko als Buch und Album
In dieser Folge geht es mal nicht um eine aktuelle Neuerscheinung. Zumindest nicht in Buchform. Wir sprechen nämlich heute über „Das lyrische Stenogrammheft“ von Mascha Kaléko. Und dieses Buch ist eigentlich schon ein Klassiker. Aber: Es ist gerade ein Album erschienen, das unter anderem Texte aus diesem tollen Buch in Liedform aufbereitet hat: Dota Kehrs „In der fernsten der Fernen“. Und deshalb gibt’s hier eine kleine Zeitreise ins Berlin zwischen den Weltkriegen – und zu einer Dichterin, die man auch lieben kann, wenn man es sonst nicht so Gedichtbänden hat.
Mascha Kaléko war in den späten 20ern schon sehr aktiv in dem, was später die künstlerische Avantgarde Berlins werden sollte. Sie war Teil der Clique im Romanischen Café, lernte dort Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz kennen, zwei Namen, die ihr sicher auch aus dem Deutsch-Unterricht kennt. Und sie veröffentlichte bereits ihre Gedichte – zum Beispiel in der Kulturzeitschrift «Der Querschnitt». Was Kalékos Gedichte damals schon aus- und auch erfolgreich machte: Sie hatte eine sehr leicht zugängliche Sprache, eine zarte Melancholie und eine Art schnippischen Witz. Und sie erzählte aus ihrem Leben – und von einem Berliner Alltag, in dem sich viele wiederfanden. «Das lyrische Stenogrammheft» erschien 1933 – und dass es nicht im gleichen Jahr verbrannt wurde, lag nur daran, dass die Nazis noch nicht auf dem Schirm hatten, dass sie Jüdin war. Bevor Mascha nach New York emigrierte, wurde ihr Arbeit von den Nazis noch als «schädliche Literatur» eingestuft – seit jeher ein Qualitätsmerkmal für wichtige Literatur.
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