Roosevelt im Interview: „Es steckt kein Masterplan dahinter“
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Als Marius Lauber alias Roosevelt vor knapp vier Jahren seinen ersten Track ins Netz stellte, hatte er nach eigenen Aussagen „gar keine großen Ziele damit.“ Vielmehr sei der Upload eher ein befreiender Akt gewesen. Obwohl das selbst zusammengeschnittene Video zum Discohouse-Track „Sea“ nur etwas mehr als 100 Klicks hatte, wurde das renommierte britische Label „Greco-Roman“ auf Roosevelt aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Nun veröffentlicht der mittlerweile 25-jährige Produzent und Multiinstrumentalist sein selbstbetiteltes Debütalbum.
Mit „Night Moves“ hat Roosevelt bereits vor einem Jahr einen Einblick in sein Album gegeben und damit die Hoffnungen auf einen baldigen Release steigen lassen. Doch wie schon nach seiner „Elliot“ EP im Jahr 2013 wurde es auch nach „Night Moves“ wieder etwas ruhiger um den Wahl-Kölner. Zwar folgten in regelmäßigen Abständen Live-Auftritte auf der ganzen Welt, doch von neuer Musik war nicht wirklich viel zu hören. Vier Jahre von einer ersten Single bis zur Veröffentlichung des Debütalbums scheinen eine lange Zeit, doch Marius Lauber sieht vor Allem seine Live-Auftritte als Grund für die langsamere Entwicklung an. „Ich glaube das hat etwas länger gedauert, weil ich die komplette Zeit, die andere Bands oder Produzenten im Proberaum und Studio verbringen, auf Bühnen verbracht habe. Bei mir hat der gesamte Vorgang irgendwie öffentlich stattgefunden. Ich habe zum Beispiel auch immer Songs live ausprobiert und einen großen Teil des Albums auf Bühnen geschrieben, weil ich durch das direkte Feedback immer gemerkt habe, welche Teile funktionieren und welche nicht.“

Ich wollte das schon immer als Band präsentierenDurch seinen Umzug nach Köln sei Roosevelt dann auch sehr schnell in den Kontakt mit elektronischer Musik gekommen – erste Erfahrungen beim Auflegen und ein Platz als jüngster Resident-DJ bei Kölns etablierter Technoparty „Total Confusion“ folgten. Auch, wenn die elektronische Musik ihre Spuren bei Roosevelt hinterlassen hat, sieht sich Lauber nicht als Techno-Künstler oder gar als DJ. Er bewege sich eher zwischen den zwei Welten der elektronischen Musik und des Indie, die ihn beide sehr geprägt hätten. „Mit Roosevelt hat es von Anfang an nur so Sinn gemacht, weil ich mich nie so elektronisch eingeordnet habe, als dass ich am Laptop stehen, Filter-Abfahrten machen oder Ableton bedienen will. Ich wollte das schon immer als Band präsentieren und ich will auch, dass Roosevelt auf der Bühne als Band wahrgenommen wird.“ Auch fühle es sich bei der Produktion seiner Songs so an, als würde er eine Band produzieren, so Lauber. „Im Grunde genommen ist das Fundament immer Schlagzeug, Gitarre, Bass.“

Ich mag das einfach, wenn zwei verschiedene Stimmungen aufeinander treffenAuf dem Debütalbum von Roosevelt treffen eingängige Pop-Hooks und durchdachte Arrangements auf elektronische Tanzmusik mit Elementen aus Italo-Disco oder House. Dabei fällt besonders eine Kluft zwischen dynamischen, teils euphorischen Songs und melancholischen Texten auf. Darüber sagt Roosevelt: „Ich mag das einfach, wenn zwei verschiedene Stimmungen aufeinander treffen. Ich mochte noch nie Musik, die zu sehr euphorisch ist, dann noch einen hedonistischen Text hat und zu sehr in eine Richtung geht. Auf dem Album habe ich versucht, eine paradoxe Stimmung zu erschaffen. Also Musik, die einem erstmal sagt: dazu muss ich jetzt tanzen, aber dann durch einen Text oder eine Harmonie reingrätscht.“ Roosevelt live: 13.10.16 – Zürich, Papiersaal 14.10.16 – München, Strom 15.10.16 – Leipzig, Werk 2 17.10.16 – Köln, Stadtgarten 18.10.16 – Hamburg, Uebel & Gefährlich 29.10.16 – Düsseldorf, New Fall Festival
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