In „Da wo du herkommst“ kombinieren Sam die Leichtigkeit neo-afrikanischer Klänge mit polarisierendem Inhalt
Die politische Lage in Deutschland ist so angespannt und ungemütlich wie lange nicht mehr. Als Musiker steht man also vor der Wahl: Beziehe ich Stellung und zeige Haltung oder beriesle ich meine Fans mit belanglosen Party-Inhalten bei denen es im Endeffekt auch bloß um Betäubung und Ablenkung geht. Diese beiden Herangehensweisen scheinen unvereinbar zu sein, zumindest bis jetzt. Denn in „Da wo du herkommst“ trifft ein ausgelassener Marimba-Beat von Chelo auf den aussagekräftigen Text von Samson. Es geht um „afrodeutsche“ Identität (aus Mangel an einem besseren Wort) und den damit verbundenen, ewigen Kampf um Zugehörigkeit. Mit einem deutschen und einem afrikanischen Elternteil bekommt man von den Menschen im unmittelbaren Umfeld zwangsläufig zu spüren, dass sie einen unverschämter Weise als fremd und nicht zugehörig bewerten. Diese zehrende Ausgangssituation wird von Sam in einer Romanze mit einer offensichtlich weißen Dame aus „gutem Hause“ verpackt. Der vorurteilsbehaftete Kulturschock ihrer Familie ist vorprogrammiert.
SAM – Da wo du herkommst
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*„(Da wo du herkommst) Bin ich zu weiß für den Afroshop Aber zu schwarz für den Country Club Da wo du herkommst Bin ich perfekt für den Fussballplatz Aber zu schlecht für die Nachbarschaft“* Samson greift ein kontroverses Zitat von AfD-Parteisprecher Alexander Gauland über den Jerome Boateng auf, in dem er sich gewohnt rassistisch über den deutschen Nationalspieler äußert. Im Song kann diese Referenz auch als allgemeine Bredouille von Deutschen mit Migrationshintergrund verstanden werden, Stichwort Özil.
#VALUE!
Das Video unterstreicht sowohl den lockeren, musikalischen Aspekt von „Da wo du herkommst“, als auch die harte inhaltliche Prämisse. Das Duo hängt mit der Gang in edler Montur vor einem Country Club, Samson diniert sichtlich angespannt mit oben erwähnter Familie und lässt sich zwischenzeitlich die Haare im Afroshop machen. Die durchgehend ausdrucksstarken Bilder werden außerdem von Cameo-Auftritten von u.A. Nura, Ahzumjot und Kex Kuhl gestützt, die allesamt mit ähnlichen Identitätsproblemen in ihrem Alltag zu kämpfen haben. Alles in allem ist SAM der unglaubliche Balance-Act zwischen Partyhit, Haltung und Sozialkritik gelungen.
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