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„Shady & Schön“: Die fabelhafte Welt des Apollo Sissi

Posted in: Features
Tagged: Apollo Sissi

Apollo Sissi ist Rap-Newcomer aus Wien und macht vieles anders als seine Zeitgenossen. Das fängt schon bei seinem Künstlernamen an. Statt auf die Postleitzahl seines Heimatbezirks zu pochen, fusioniert er Apollo, den römischen Gott des Lichts und der Musik, mit Sissi, dem Spitznamen der berühmten österreichischen Kaiserin. Beide Charaktere passen wie angegossen zum extravaganten Stil, den der Rapper in seinen Songs auslebt. 

Willkommen in der fabelhaften Welt des Apollo Sissi. Hier glänzt alles in prunkvollem Gold und wenn man etwas berührt, kleben danach ein paar Glitzerpartikel auf der Haut. Viele was hier nach Edelmetall aussieht, ist ein paar Millimeter unter der Oberfläche wahrscheinlich nur schlichtes Holz, aber das spielt überhaupt keine Rolle. Von Sekunde Eins an führt uns Apollo Sissi mit strahlender Begeisterung durch seine 16 Songs. Dabei schafft er es, sich selbst und seinen angeblichen Lifestyle mit der Überzeugung eines Marktschreiers zu verkaufen, während er das überhebliche Desinteresse der vorbei eilenden Passanten ausstrahlt.

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Ein Ego-Höhenflieger vor dem Herrn

Ließ der Rap-Newcomer auf voran gegangenen Veröffentlichungen wie „Kokain“, „Engelserscheinung“ oder „Augen Rot“ noch emotionale Zerrissenheiten durchscheinen, fokussiert sich „Shady & Schön“ voll und ganz auf das Good Life. „Alles Sound für den Sommer“, schreibt Sissi noch wenige Tage vor dem Albumrelease auf Instagram und genau so klingt sein Debüt auch. Statt stereotypischen Trap-Produktionen gibt es vergoldete Soul-Samples und überraschend viel Liebe für die Old School. Apollo Sissi ist ein süffisanter Lebemann und Ego-Höhenflieger, trotzdem versteht er sich besten auf Reime, Flows und Taktgefühl. Und Platz für die Day One-Homies Lak und Wenzel Beck ist dann inmitten von „Dollarsigns & Candyrain“ auch noch.

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Lak unterstützt Sissi auch auf dem Song „Wonderland“ – ein echtes Highlight der Platte. Das schleppende Instrumental klingt zu Beginn noch nach unaufgeregter Lounge-Musik, hebt zur Hook dann aber mit gleißenden Synthesizern völlig ab. Auch Sissi bricht hier aus seine Laid-Back-Persona aus, streift den seidenen Morgenmantel ab und legt volle Inbrunst in seine Stimme.

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Gesamtkunstwerk statt Playlist-Material

„Shady & Schön“ ist kein Album, das mit jedem Song versucht eine neue Stimmung und damit auch potenzielle Zielgruppe aufzumachen. Alles ist hier fein säuberlich aufeinander abgestimmt und greift in einander wie das feine Getriebe, der Luxus-Uhren, die Apollo Sissi wahrscheinlich nur auf lyrischer Ebene am Handgelenk trägt. Inbegriff davon sind auch die Musikvideos, die mit Ausnahme von „Dollars & Candyrain“, eine zusammenhängende Geschichte mit wiederkehrenden Motiven erzählen.

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Obwohl „Shady & Schön“ von einem klar erkennbaren, roten Faden zusammen gehalten wird, bietet das Album einiges an Abwechslung. Auf die markerschütternden 808s von „Kylie’s Skit“ folgt die Großstadt-Fantasie von „What A Pity“, die wiederum von den federleichten balearischen House-Beats auf „Ariel“ abgelöst wird.

Auf Albumlänge schaut Apollo Sissi von seinem Olymp mit einem gönnerhaften Schmunzeln auf Ego-Experten wie Shindy und Kollegah herab, nur um uns im letzten Song dann doch mit überraschender Realness zu überfallen: „Ich weiß, wer Sissi ist / Ich weiß, wer Christoph ist / Ich weiß, dass die Musik meine große Liebe ist“.

Apollo Sissi im Interview

Wenn ihr im Anschluss noch mehr über diesen Christoph wissen möchtet, der hinter dem schillernden Charakter Apollo Sissi steckt, könnt ihr euch hier unser Interview mit dem Newcomer ansehen. Dafür hat Micha ihn in der Classic Remise in Berlin getroffen. Inmitten von Old Timern sprechen die beiden über seinen Werdegang, seine Liebe für Ästhetik und den schmalen Grat zwischen Arroganz und Selbstliebe.

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