She-Male Trouble halten den Berliner Punk-Rock hoch
Über die letzten drei Jahrzehnte hat sich nicht nur das Berliner Stadtbild verändert, auch die Musikszene durchlief etliche Trends und formte die kulturelle Landschaft der Stadt. Wo sich früher in der Wiener Straße eine dreckige, geschichtsträchtige Kneipe an die nächste reihte, sind jetzt schicke neue Läden, Szene-Cafés und teure Bio-Supermärkte. Doch einige kleine Inseln der ehemaligen Hochburg für Punk und alternatives Musikleben, wie man es noch aus Sven Regners Romanen kennt, halten noch immer die Fahne hoch. Da ist zum Beispiel das „Wiener Blut“ oder der „Wild at Heart Club“, der noch immer regelmäßig zu krachenden Clubkonzerten einlädt und Bands eine Bühne bietet, die sich nicht nach den aktuellen Trends richten. Mit der Geschichte dieser Bühne ist auch die Band She-Male Trouble eng verwoben und hat schon unzählige Nächte auf der kleinen Bühne des Ladens verbracht. Ursprünglich gründete sich die Band schon in den 90ern unter dem Namen Female Trouble. Der Name war dabei weniger an die weibliche Bandaufstellung und feministische Parolenen geknüpft, sondern zielte auf den gleichnamigen Kultfilm von John Waters ab. Als die Besetzung aber so oft wechselte, dass mittlerweile nur noch die Sängerin Carola weiblich ist und auch der Anschein der feministische Agenda zum Dauerthema der Band wurde, haben sie den Namen kurzerhand umgemodelt zu She-Male Trouble. Seit dem ist die Besetzung wesentlich fester und die Konstellation konnte intensiver an einem Sound feilen und nach nur kurzer Zeit stellten sich die ersten positiven Kritiken ein. 2003 haben sie mit dem Album „Back from the Nitty Gritty“ dann gänzlich eine neue Ära eingeläutet und aus dem anfangs ruppigen Punk, der aus viel Improvisationen und dem ungeplanten Live-Momentum bestand, wurde ein festes Sound-Bild. Neben dem Punk mischte sich mehr und mehr ein grooviger Rock’n’Roll-Sound unter die Musik und arbeitete damit auch den starken, melodischen Gesang von Carola immer mehr heraus.
She-Male Trouble – I Never Forget
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Die She-male Troubles haben ihr Leben um die Band herumgebastelt und teilweise auch Jobs im Musikbusiness ergriffen. Andere kamen aber erst durch diese Positionen zur Band, wie der Bassist Torsten, der ursprünglich Manager der Gruppe war. Nach einem Zerwürfnis auf einer Tour musste er allerdings schnell für die ehemalige Bassistin einspringen und ist seitdem festes Mitglied der Aufstellung. Neben der Band managed Torsten auch die Beatstakes und arbeitet eigentlich mit allen bestehenden Elementen der alten Punk-Szene professionell zusammen. Auch in Berlin ist die ursprünglich große, vernetzte Punkszene auf einige wenige Bands zusammen geschrumpft und so stehen She-Male Trouble für eine Musik-Riege, die früher den Kreuzberger Kiez dominierten. Nach dem letzten großen Album „Off the Hook“ in 2009, begann die Band ein neues Konzept zu etablieren, denn wie so viele Bands gelüstet es auch She-Male Trouble nach Live-Auftritten. Gerade Punk-Rock lebt von der Stimmung des Raumes, der aufgeladenen Intensität der Songs und der kräftigen Hooks, zu denen man auf und ab und gegeneinander springt, bis es kein Halten mehr gibt. Also hat sich die Band entschlossen, die kommenden Alben nur noch paarweise und Stück für Stück zu veröffentlichen. Die Songs werden dann auf Single-Vinyls gepresst und mit einer Record-Release-Party in der Diskografie willkommen geheißen.
She-Male Trouble – Speak Up!
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Zuletzt erschienen die Songs „Speak Up!“ und „Everything Will Last“. Mit dem Rock’n’Roll-lastigen Punk-Geschepper knüpfte die Band vergangenen Herbst genau da an, wo sie zuletzt aufgehört hatten. Denn da jedes Mitglied auch ein zweites Standbein hat, braucht es mal mehr, mal weniger lang, bis etwas Neues zustande kommt. Zu „Speak Up!“ wurde außerdem ein Video gedreht, was für die Band eine Rarität ist, denn das Geld für ein qualitatives Video, steht nicht mit den Kosten für einen Studioaufenthalt im Verhältnis, weshalb sich Carola und ihre Jungs letztlich immer für die Aufnahmen neuer Stücke entschlossen und gegen Visualisierungen. Der Song skizziert klassische Kommunikationsprobleme, die oft viel eher zwischen Menschen stehen, als der die Streit-Auslöser an sich. Doch auch mit Contra will es Carola lieber aufnehmen, als mit einem schweigenden Gegenüber, das Kritik lieber für sich behält oder des lieben Frieden Willens eine andere Meinung vorschiebt. Dabei geht es viel weniger um die stereotypischen Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau, die oft genug als „He said She said“, beschrieben wurden, sondern viel eher um grundlegende Differenzen. Auch „Everything Will Last“ besticht mit einer wunderbaren Gitarren-Hook und zeigt wie sehr die Band über die Jahre eins geworden ist. Denn zwischen den Passagen gibt es immer wieder abrupte Pausen, geschmeidige Taktwechsel und den krächzenden Gesang von Carola, der sich mit voller Wucht daraus erhebt. Mit dieser Produktion, für die sie mittlerweile ganz eigenständig verantwortlich sind, manifestieren She-Male Trouble ihre Position in der Szene und erheben gleichzeitig trotzdem nie den Zeigefinger über die guten alten Zeiten, sondern bleiben thematisch am Puls der Zeit.
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