In „Hair Down“ zelebrieren SiR und Kendrick Lamar ihre Errungenschaften
SiR hat in der Vergangenheit mit seinem besonderen Gespür für verträumte Melodien beeindruckt, seine Songs entführen einen in seine schwebende und wabernde Soundwelt, die ganz offensichtlich von der kalifornischen Sonne geprägt ist. Diesen Stil behält sich der Sänger und Songwriter aus Inglewood auf seiner neuen Single bei und doch scheint etwas anders zu sein. Besonders der Text von „Hair Down“ wirkt locker und extrem ungezwungen, denn SiR geht es mittlerweile blendend. Sein Traum von der ganz großen Liga ist in Erfüllung gegangen und er hat bewiesen, was er drauf hat. Warum also Slam-dunken und mit den eigenen Fähigkeiten flexen, wenn es ein einfacher Korbleger genauso tut? Dabei geht es natürlich nicht um den Anspruch an die eigene Musik, sondern um die Erwartungshaltung, die von Außen kommt. Zudem ist die bloße Präsenz von Kendrick Lamar auf „Hair Down“ der Beweis, dass SiR mit dem Erfolg keine von seinen Qualitäten eingebüßt hat.
SiR feat. Kendrick Lamar – Hair Down
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„I can’t fake humble just ‚cause your ass is insecure“- das Motto aus Kendrick Lamars „PRIDE“ scheint auch in seinem ersten Verse dieses Jahres zu greifen. In typischer „Kung-Fu Kenny“-Manier stellt er seine Ausnahme-Fähigkeiten als Lyriker zur Schau. Inhaltlich hat sich Kendrick den Titel jedenfalls zu Herzen genommen, denn „Hair Down“ ist eine englische Redewendung. Menschen, die ihr „Haar runterlassen“, fühlen sich wohl in ihrer Haut und gehen ungezwungener durch das Leben. Tatsächlich: Derart ungezwungen und verspielt, wie Kendrick über seinen Lebensstandart rappt, ist man selten von der stets reflektierenden und hinterfragenden Rap-Ikone gewohnt gewesen. Besonders die Lines, in denen das berühmte, kalifornische Calabasas Erwähnung findet, dürften Beef-Liebhaber stutzig machen, ob in Kendricks Part nicht doch ein weiterer „Subliminal Diss“ steckt.
Das Video inszeniert SiR zunächst als einen erfolgreichen Basketball-Profi, der in den Medien für seine stagnierende Leistung, welche auf seinen übermäßigen Konsum von Marihuana zurückzuführen ist, zerfetzt wird. Ihm ist das allerdings vollkommen egal, denn er cruist lieber mit seinen Homies und einigen weiblichen Fans in einem Van durch die Nacht. Zumindest bis SiR aus seinem Traum vom Basketball-Erfolg erwacht. Jetzt befindet er sich mit zwei Freunden in einem schwebenden, babyblauen Cadillac und fährt durch seine Heimatstadt. Die ganze Situation ist eine sehr dezente, und doch starke Referenz an „Cadillac Dreams“, welcher ausgerechnet der Intro-Song seiner Debüt-EP „Her“ ist. Durch verschiedenste visuelle Effekte entsteht die schemenhafte Anwesenheit von Kendrick Lamar, von dem man (fast) ausschließlich die Silhouette und den Mund zu Gesicht bekommt. Wie in seiner Musik, liegt das Augenmerk bei Kendrick stets auf dem Gesprochenen. Gleichzeitig scheint er sich seiner Rolle als Rap-Ikone bewusst zu sein, denn er stellt sich in den Hintergrund und überlässt SiR das Spotlight. Ein ästhetisch anspruchsvolles Video, das dieser starken TDE-Kollaboration gerecht geworden ist.
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