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Skinny Finsta – Der deutsche King of Memphis

Posted in: Features

In Skinny Finstas Leben gibt es wohl zwei einschneidende Punkte, die ihn zu dem deutschen Memphis-Propheten, der er heute ist, gemacht haben. Erstmal ist da das Kassettenradio seiner Oma, mit dem er während seiner jungen Jahre in Heidelberg erste musikalische Erfahrungen macht und Sendungen aufzeichnet. Jahre später entdeckt er dann den Memphis-Sound rund um Größen wie Three Six Mafia für sich und saugt seitdem alles auf, was dieses obskure Subgenre des US-Hip Hop zu bieten hat. Horror-Rap über bassige Südstaaten-Instrumentals – der Grundstein, für das, was wir heute als Trap bezeichnen und für Skinny Finsta die Erleuchtung. Er schwört diesem Klang nicht nur als Hörer die Treue, sondern verbreitet vor allem als Rapper Liebe für das Underground-Mekka Memphis, das häufig vom großen Bruder Atlanta überschattet wird. Dabei kopiert Skinny Finsta nicht den klassischen Phonk der Stadt, sondern interepretiert den Sound neu und das schon auf den ersten Releases 2015. Mit dem Song „Alois Link Platz Flavour“ verortet der Rapper sich klar in „Heidel-boogie-berg“, folgende Singles zeigen, dass er eng mit anderen Memphis-Vertretern wie dem Hutmacher-Kollektiv oder Caramelo vernetzt ist. Mit letzterem entsteht das Video „Blunt“, das mit psychedelischem Saxofon-Sample und Hi-Hat-diktierten Flows aufwartet.

Skinny Finsta & Caramelo – Blunt

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Das erste eigene Projekt erscheint standesgemäß nur als Kassette und nennt sich dementsprechend auch „Solo Tape“. In Ästhetik und Klang lehnt man sich an die amerikanischen Vorbilder an und obwohl das Untergrund-Tape nur in einer kleinen Auflage erscheint, weckt es das Interesse vom Szene-OG und Atze aller Atzen Frauenarzt. Es kommt zu gegenseitigen Features, so auch auf Skinnys nächstem großen Projekt: „Spieler der Liebe“. Gemeinsam mit weiteren Helden der alten Schule, namentlich MC Bogy, DJ Reckless und Satanic Steve, gibt es mit „Stapel Tapes“ eine Ode an den geliebten Musikträger, ganz nach dem Motto: „Es geht um Tapes, Mane“.

Skinny Finsta feat. Frauenarzt, DJ Reckless, MC Bogy & Satanic Steve – Stapel Tapes

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Der Sound von „Spieler der Liebe“ ist dabei nicht so trappig wie man es aus dem Jahr 2018 vielleicht erwarten mag und wird dem Genre-Label „Phonk“ mehr als gerecht. Die Songs sind verspult und trippy, tragen einen düsteren Groove in sich, der von Skinnys ständig wechselndem Vortrag zwischen atmosphärischem Sing-Sang, Proll-Attitüde und gehetzten Triplets verstärkt wird. In Richtung 808 geht es dann verstärkt auf dem folgenden Projekt, das mit „Trap Tape“ auch gebührend betitelt ist. Für die Produktion ist konsequent DJ Reckless verantwortlich, die Beats rotieren um wummernde Bässe, Hi-Hat-Rolls und nicht zuletzt den unverkennbaren Klang von Cowbells, die immer wieder herausstechen. Daraus ergibt sich ein roter Faden, der das Projekt aber auch eindimensionaler als den Vorgänger „Spieler der Liebe“ macht. Abwechslung kommt allerdings durch den beeindruckenden Feature-Katalog zustande: Von Nura über MC Bomber bishin zu Untergrund-Künstlern wie Fruchtmax und Hugo Nameless schart Skinny Finsta auf beinahe jedem Track Gäste um sich. Zusätzlich sorgt DJ Reckless für eine liebevolle B-Seite mit Chopped & Screwed-Versionen der Songs – Wenn schon Dirty South, dann auch komplett.

DJ Reckless & Skinny Finsta feat. MC Bomber – Level

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Damit kommen wir zu Skinny Finstas aktuellster Veröffentlichung, ein Mixtape, das von der angestrahlten Silhouette des Heidelberger Schlosses und dem Schriftzug „Spielerdämmerung“ geziert wird. Über den Inhalt sagt der Künstler selbst geheimnisvoll: „Ein junger Spieler geht vom Licht in die Dunkelheit, um sich zu finden und um zu scheinen“. Klartext: Es geht mal wieder um Tapes, Mane. Das weiß auch Casper, der überraschend das Projekt mit einem harten Part eröffnet und Skinny Finsta damit das größtmögliche Co-Sign in der deutschen Szene gibt. Vielleicht aber viel wichtiger: Nachdem Skinny vor dessen Tod sogar noch ein Feature mit Three-Six-Mafia-Mitgründer Koopsta Knicca ergattern konnte, finden sich auf „Spielerdämmerung“ mit DJ Spanish Fly, DJ Zirk und DJ Squeeky drei weitere Figuren, ohne die Memphis Rap in seiner heutigen Form wohl nicht existieren könnte. Damit ist endgültig untermauert, dass Skinny Finstas Hook auf „KOM“ einfach nur gesunde Selbsteinschätzung ist: „Ich bin Spieler, ja, du kennst mich/ Der deutsche King of Memphis“.

Skinny Finsta – KOM

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