Symba überrascht mit seiner Debüt-EP „Teamboys undso“
„Die woll’n ein Album, doch bekomm’n kein Album / Das‘ ’n 3-Gang-Menü und nicht all-you-can-eat“ ließ der Berliner Rapper Symba letztes Jahr auf „Battlefield Freestyle“ verlauten. Doch nicht nur mit seiner unkonventionellen Release-Strategie bringt er immer wieder frischen Wind in die Segel des Deutschrap-Untergrunds, wie seine (überraschenderweise) heute erschienene Debüt-EP „Teamboys undso“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.
„wm2006“ (Musikvideo)
Dass Symba eine schier ungreifbare Figur ist, die scheinbar über den Dingen schwebt und einen verqueren (und dadurch umso spannenderen) Sinn für Ästhetik hat, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Sein neues Video zu „wm2006“ lebt vor allem von seiner ungezwungenen Performance und der latenten Ignoranz, die sich auch durch seine Lyrics zieht. So kann man ihn und seine Gang dabei zusehen, wie sie (passend zum Songtitel) das Berliner Olympiastadion unsicher machen und Fifa über den Fernseher in einer Loge spielen oder in einem Tesla die Berliner Straßen mit ihrer jugendlichen Energie segnen. Ebenfalls schön zu sehen: Die junge Frau, die man in „wm2006“ zu Gesicht bekommt, wirkt eher wie ein ganz normaler Bestandteil der Gang und weniger wie ein Accessoire, was für das durch und durch inklusive Mindset der Berliner Jugend spricht. Von diesem Mindset könnte sich noch der ein oder andere „gestandene“ Künstler eine Scheibe abschneiden.
„Teamboys undso“-EP
Die oben-erwähnte jugendliche Energie steckt in so ziemlich jeder Zeile, die Symba für die „Teamboys undso“-EP ins Mikrofon gespuckt hat. Gleichzeitig lernt man hier und da viel Neues über den Westberliner Untergrund-Star. Beispielsweise trägt er weiße Nikes „wegen Popkultur“ und leugnet vor potentiellen Schwiegervätern seinen Status als Rapper, schließlich wird man als Junge mit seiner Hautfarbe schon oft genug mit Vorurteilen und Rassismen konfrontiert. Im „Silver Surfer Skit“ deklariert der gelernte SchauspielerWer aber denkt, dass Symba plötzlich der Parolen-schwingende Woke-Rapper geworden ist, irrt gewaltig. Symba besticht nach wie vor mit seinen neuartigen, ignoranten und häufig melodischen Flows, die jeden Realkeeper das Weite suchen lässt und das ist auch gut so, denn Symba steht für eine neue Herangehensweise an Hiphop und Rap. Letztendlich ist er nicht umsonst der Mitbegründer einer neuen Rap-Strömung, die Wert auf Qualität, Ästhetik und Individualität setzt und mutig neue Sound-Wege erschließt.
Gewollt „artsy“ kommt allerdings überhaupt nichts bei Symba rüber, dafür ist der offensichtliche Bezug zur Straße zu authentisch und echt. Man nehme den „Silver Surfer Skit“, in dem er von den riesigen Augen erzählt, mit denen er angesehen wird, weil er Gucci trägt. Bewusst provokant grinst er der blauen Exekutive ins Gesicht, weil er – entgegen ihrer Erwartung, keine Rauschmittel in der Tasche hat.
Fazit: Auch nach „Teamboys undso“ bleibt Symba ein Mysterium, doch man kommt als Hörer:in nicht drum herum zu bestaunen, wie geschickt und unaufgeregt er Aussagen in seine Lyrics einfließen lässt und dabei lebhafte Bilder vor dem inneren Auge erzeugt. Falls die EP tatsächlich den metaphorischen zweiten Gang des Symba-Menüs darstellt, können wir zwar kaum erwarten bis die Hauptspeise (also das Album) angerichtet ist, wissen allerdings gleichzeitig, dass Gut-Ding Weile haben will. Bis dahin laben wir uns an den köstlich erfrischenden Sounds, die uns Symba auf „Teamboys undso“ serviert.
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