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„The Big Three“: Sind Drake, J. Cole und Kendrick Lamar wirklich die besten Rapper zur Zeit?

Posted in: Features

Wer sich auch nur ansatzweise mit Hip-Hop aus Amerika beschäftigt, kam in der letzten Woche um ein Thema kaum herum: Der Release von „We Don’t Trust You“, dem gemeinsamen Album von Trap-Veteran Future und Producer Metro Boomin. Das Projekt thront gerade an der Spitze der Billboard-Album- und Single-Charts und sorgt für erhitzte Diskussionen – allerdings nicht wegen der Auto-Tune-Flows von Future oder dem bewährten Produktionsstil von Metro Boomin. Stattdessen dominiert ein gewisser Gast die Gespräche rund um „We Don’t Trust You“: Kendrick Lamar. Der gefeierte Grammy- und Pulitzer-Preis-Gewinner steuert einen ausgedehnten Part zum Song „Like That“ bei und nutzt diese Plattform um mutmaßlich gegen Drake und J. Cole zu schießen.

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Gemeinsam werden sie häufig als die „Big Three“, die großen Drei, betitelt – die drei wichtigsten Rapper der Gegenwart. Während Kendrick Lamar weitestgehend sein eigenes Ding macht und zuletzt sein Album „Mr. Morale & The Big Steppers“ veröffentlicht hat, haben sich Drake und J. Cole seit einiger Zeit immer weiter angenähert. Im vergangenen Oktober veröffentlichten sie gemeinsam den Song „First Person Shooter“, aktuell sind die beiden zusammen auf Tour.

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„It’s just big me“

An solchen Bündnissen scheint Kendrick Lamar nicht interessiert zu sein, stattdessen rappt er auf „Like That“: „Fuck Sneak Dissin, first Person shooter, I Hope they came with three switches“ und weiter „Motherfuck the big three, n***a, it’s just big me“. Darauf folgen weitere Zeilen, die sich mehr oder weniger direkt an Drake zu richten scheinen. Zeilen, die als explosiver Zündstoff für die sowieso immer gossip-hungrige Rap-Welt fungieren.

Während nun also Drake unter Zugzwang steht und die Fans sich erbittert für ihre jeweilige Partei stark machen, kocht eine weitere Diskussion hoch: Wie viel ist eigentlich dran am Konzept der „Big Three“? So forderte der Rapper IDK auf X (ehemals Twitter): „Die Big Three müssen abtreten und den Weg frei machen“. Als Reaktion darauf wurde er mit gehässigem Spott überzogen und stellte schnell klar, dass sein Post natürlich ironisch gemeint sei. Ob IDK selbst der geeignete Nachfolger ist, sei mal so dahin gestellt, aber tatsächlich sollte man sich fragen, ob das Konzept der „Big Three“ in der stetig wachsenden amerikanischen Rap-Szene nicht etwas überholt ist.

Ein stagnierendes Siegertreppchen

Das fängt schon damit an, dass es keinen Konsens darüber gibt, nach welchen Kriterien man diesen Status überhaupt bemisst. Geht es um den kommerziellen Erfolg? Dann fehlen Namen wie Travis Scott, Bad Bunny oder Nicki Minaj in dieser Auflistung. Um Standing bei Presse und Kritiker:innen? Die Reaktionen zu den letzten Alben von Drake und J. Cole fielen eher gemischt aus. Auch in Sachen lyrischer Skills oder künstlerischem Einfluss gibt es zahlreiche Artists, die mindestens in der selben Liga wie die „Big Three“ spielen. Am Ende scheint es sich also ähnlich wie mit der Hamburger Schule, der Neuen Neuen Deutschen Welle oder ähnlichen Begriffen zu verhalten: Die „Big Three“ sind eine popkulturelle Schublade, eine plakativer Begriff für Headlines und Reddit-Threads, der die tatsächliche Diversität und Größe der Szene verfehlt und auf ein stagnierendes Siegertreppchen reduziert.

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