Tom Misch hat seinen „Full Circle“-Moment auf neuem Album
Sowohl in der Londoner Jazz- und Beatmaker-Szene als auch im international erfolgreichen Progressive-Jazz ist Tom Misch schon längst kein unbekannter Name mehr. Sein Sound zeichnet sich insbesondere durch einen gekonnt arrangierten Mix aus Soul, R&B-, Jazz und elektronischen Elementen aus. Das Misch ein echtes musikalisches Talent ist, hört man seinen Projekten schon an. Bereits als Kind spielt er die Geige und beherrscht neben seinem Signature-Instrument, der Gitarre, mittlerweile auch den Bass, das Banjo sowie unterschiedliche Tasteninstrumente.
Die Single „Memory” markierte 2014 seinen ersten auf Spotify verzeichneten Release. 2018 erschien mit „Geography” anschließend sein Debüt-Album und katapultierte ihn direkt in die Top Ten der britischen Charts. Darauf waren unter anderem auch Features von De La Soul, Poppy Ajudha und dem mittlerweile ebenfalls erfolgreichen Rapper Loyle Carner zu hören. 2019 wirkte Tom Misch zudem an der Singel „money” von Michael Kiwanuka mit. Sein zweites Album releaste der Musiker dann 2020 in Kollaboration mit dem Jazz-Schlagzeiger Yussef Dayes.
„Echo from the Flames“: Progressive Jazz trifft auf sanfte Gitarren
Mit „Full Circle” – dem Album Nummer drei – erlebt Misch nun scheinbar seinen persönlichen „Full Circle Moment”. Dabei wirkt alles an diesem Release irgendwie persönlich, behutsam und delikat mit einem Sound, der einen in eine warme, kuschelige Decke zu hüllen scheint. Gleichzeitig wird es inhaltlich jedoch auch unbequem: „Echo From The Flames” beispielsweise klingt zwar wie ein Lagerfeuerlied im Progressive-Jazz-Gewandt, geht jedoch auch in die Tiefe. Mit der Single verarbeitet Tom Misch einen Burnout. Behutsam gezupfte Gitarren-Melodien mit gelegentlichen funky Ausbrüchen treffen hier auf atmosphärische, unaufgeregte Synths im Hintergrund und steigert sich mit unterschwelligen hypnotischen Vocals, Geigensolo und den immer dichter gewobenen Akkorden zu einem mitreißenden Höhepunkt: „Sat by the fire / Did someone call my name? / Or was it just another echo? / Echo from the flames.”
Tom Misch zwischen Melancholie, Nostalgie und Familie
Auf „Days of Us” hat sich Tom Misch mit dem Saxophonist Kaidi Akinnibi dieses Mal nur ein einziges Feature auf das Album geladen. Gemeinsam entsteht ein melancholisches Lied, in dem natürlich das sehnsüchtige Saxophon die Hauptrolle spielt: „Things have changed / You know it’s so hard for me to hear”. Die zunächst traurigen Lyrics, lassen jedoch immer wieder ein wenig Hoffnung zu und auch die Melodie des Songs klingt gegen Ende mehr nach Erkenntnis als nach Schwere: „I say Despite the rain / Can’t we try / To let the sun arise in us”.
Besonders Emotional und persönlich wird es auf „Sisters With Me” und „Old Man”. Ersteren Track widmet Tom Misch seinen Schwestern und liefert dazu ein zärtliches Musikvideo über Geschwisterbande, das einem unweigerlich ein Lächeln auf die Lippen zaubert: „When the storm passes by / The sky turns to blue / I look to both sides / It’s you me and you”. Auch „Old Man” steht dann ganz im Sinne der Familie und glänzt mit einem emotionalen Musikvideo. Für dieses wurden übrigens echte Väter und Söhne gecastet. Am Ende des Videos sieht man dann auch Tom Misch und seinen eigenen Vater wie er im Zentrum einer Art Colloseum sitzt und ihm beim Gitarre spielen zuschaut. Auf Instagram teilte Tom zudem einen Beitrag, wie seinem „Old Man” den Song zum ersten Mal gezeigt hat:
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