Videopremiere: Tristan Brusch beweist im neuen Song – das Leben ist kein Schweighöfer-Film
Tristan Brusch ist ein Genie, wenn es darum geht, zarten Punk und beklemmenden Pop zu machen. Das hat er bereits mit seinen geschriebenen wie auch gesungenen Beiträgen zu Maeckes “Tilt”-Album von 2016 bewiesen und ein mal mehr mit dem eigenen Debüt 2018, “Das Paradies”. 300.000 Menschen haben sich sein Durchbruch-Video zu “Zuckerwatte” angeschaut und kennen ihn als Pop-Macher mit großen Hooks. Allerdings sind es auch genau diese großen Produktionen, die Tristan Brusch langfristig ermüden, die dutzenden Instrumente und Effekte. Für die EP “Operationen am faulen Zahn der Zeit” fallen diese weg und lassen ihn allein mit einem Klavier und einer Gitarre zurück. Im neuen Musikvideo zu “Die Moritat vom Schweighöfer” ist es sogar nur das Klavier, an das sich Tristan mit einem Text von Maeckes und einem Publikum aus nackten, ungeschönten Körpern setzt. Ungeschöntheit, darum geht es auch in den Lyrics: “Schweighöfer, hör auf mir was vorzuspielen, es gibt kein perfektes Leben”, singt er mit sanfter Klavier-Begleitung.
Tristan Brusch – Die Moritat vom Schweighöfer
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Für den großen Chorus hämmert Tristan auf die Tasten, die er kurz zuvor noch so liebevoll angespielt hat. Mit rauer Stimme und flackerndem Blau-Licht ergibt er sich einer Kultur, die mit Psychatrie und Chirurgie jedes Individuum zur maximalen Schönheit (oder doch Gleichheit?) zwingt. Nach einer weiteren Strophe, voll mit bitter-komischer Wort-Jonglage, kommt “Die Moritat vom Schweighöfer” aufbrausend zum Ende, während Tristans Finger über die klirrende Klaviatur rauschen. Was bleibt, ist ein Kloß im Hals, ein Gefühl des Ertappt-Werdens und eine aufgeregte Erwartung, was die “Operationen am faulen Zahn der Zeit” im Oktober wohl noch bringen.
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