Tua lässt mit „Vater“ einen seiner größten Verluste ungefiltert Revue passieren
Wer ernsthaft geglaubt hat, dass Tua sich an den inhaltlichen Einheitsbrei, der aus unterschiedlichsten flachen Eskapismen besteht und gleichzeitig Modus Mio Eintrittskarte ist, anbietert, der hat sich gründlich geschnitten. Der Klangvirtuose aus Stuttgart hat es sich noch nie leicht gemacht. Schon seine erste Single „Vorstadt“ hat gezeigt, wie sich Tua ungeschönt mit seinem eigenen Leben auseinandersetzt, doch in „Vater“ geht er nochmal einige intime Gefühlsebenen tiefer und teilt eine seiner bisher persönlichsten Geschichten.
Tua – Vater
Bei Songs wie „Vater“, die sich mit dem Verlust einer geliebten Person beschäftigen, fällt es immer schwer die – hoffentlich – angemessenen Worte zu finden. Inhaltlich möchte man in diesem Fall nichts vorweg nehmen oder zusammenfassen, denn jede Zeile hat unglaubliches Gewicht und trägt die ohnmächtigen Gefühle, denen man nicht entkommen kann wenn man sich mit dem Tod konfrontiert sieht. „Ich kann da sein, doch ich kann ihm nicht mehr helfen“. Die einzigartige Produktion trägt ebenfalls zur Beklommenheit bei, denn regelmäßig findet man zwischen den Parts mehrere Sekunden Stille, in denen das Erzählte nochmal tiefer trifft. Gleichzeitig erklingen hier und da Geräusche eines Beatmungsgeräts oder anderer klinischer Instrumente, die dem reduzierten Beat an manchen Stellen eine weitere rhythmische Komponente gibt.
Das Musikvideo greift die beklemmende Atmosphäre perfekt auf und zeigt Tua, wie er fast regungslos im Krankenzimmer seines Vaters sitzt. Um ihn herum bauen Leute im Zeitraffer zunächst sämtliche Gerätschaften ab und räumen mit der Zeit das gesamte Zimmer leer. Fast zuletzt wird das Klavier, vermutlich in Anlehnung an die Zeile „Ich hab Kopf für garnichts, nicht mal mehr Musik“, weggebracht und ein regelrecht transparenter Tua befindet sich ihn diesem leeren Raum selbst kurz vor dem Verschwinden. „Fromme Worte füllen keinen Platz der leer ist“. Die darauffolgende bedeutungsvolle Stille im vakanten Raum, die nur von Tuas gefilterter Stimme durchdrungen wird, greift den Tiefpunkt im Song auf. Es folgt der Moment der Reflexion und vielleicht auch der Heilung, denn Tua ist wieder vollständig da und im Hintergrund erkennt man die rettende Zuflucht in der Musik, die sich in Form des verloren geglaubten Klaviers bildlich manifestiert.
„Tua“ erscheint am 22. März 2019 und scheint jetzt schon das vollkommenste Stück Musik von Tua zu sein. Im darauffolgenden April geht Tua außerdem auf „FFWD“ Tour:
Tua auf „FFWD Tour“ 2019 – präsentiert von DIFFUS
04.04.2019 Berlin, Musik & Frieden 05.04.2019 München, Kranhalle 06.04.2019 Stuttgart, ClubCann 07.04.2019 Köln, Helios37 08.04.2019 Hamburg, Prinzenbar
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