Videopremiere: Die „Angst“ ist Betterov immer einen Schritt voraus
Noch, ja, noch ist Singer-Songwriter Betterov ein unbeschriebenes, weißes Blatt – viel mehr als sein Hintergrund in der Theaterwelt und seine Affinität zu Auftritten in den Kneipen Berlins ist nicht über ihn bekannt. Die Diskografie des Newcomers bestand bisher aus einem einzigen Song – der hat es dafür aber umso mehr in sich. Im vergangenen November haut uns Betterov ohne Vorwarnung seine Debüt-Single „Dynamit“ um die Ohren und vereint damit vieles, was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Eine kehlige, müde Stimme, die trotz aller Leere dringlich an uns heran tritt. Einen rumorenden Bass, ruppige Gitarren, die dann aber doch wieder beschwingt Betterovs Ohrwurm-Melodien doppeln. Und natürlich die Inhalte: Das Leben in der Provinz, die man wie die eigene Westentasche kennt, auf der einen Seite. Die große Sehnsucht nach mehr auf der anderen Seite, dem großen Kosmonauten Juri Gargarin nacheifern, ins Weltall. Die Alternative-Rock-Hymne schlägt ein und macht erste Hörer neugierig, mehr von diesem Mysterium Betterov zu hören. Diesem Wunsch kommt der Newcomer jetzt nach: Mit „Angst“ schließt er musikalisch an sein Debüt an und zeigt im zugehörigen Video, was er in seiner Zeit am Theater gelernt hat.
Betterov – Angst
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„Angst“ macht da weiter, wo „Dynamit“ aufgehört hat, fährt dabei aber den schrabbeligen Alternative Rock zu Gunsten von Einflüssen aus dem melodischen Indie-Rock und Post-Punk von Bands wie The Smiths zurück. Das Schlagzeug gibt ein zügiges Tempo vor, die Gitarren-Melodie tänzelt immer wieder durch den Song und auch Betterovs Stimme hat einiges von der Lethargie verloren, die „Dynamit“ ausgezeichnet hat. Aber Sound und Inhalt gehen eben nicht immer Hand in Hand, denn der Text kommt wie ein Negativabbild vom musikalischen Part daher: In Betterovs Kopf tobt und brennt es, die Angst hält ihn wach und in den eigenen vier Wänden gefangen: „Was da draußen so ist, weiß ich nur aus Filmen/ Ein Blick durch die Scheibe, nichts kriegt mich da raus“. Die passende Metapher für diesen ständigen Kampf findet sich im simplen Video, das uns an Betterovs Theater-Erfahrung erinnert: Im Bühnen-Setting nimmt der Musiker an einem Tisch Platz, gefilmt in einer frontalen Einstellung, die sich im Lauf des Videos auch nicht weiter ändert. Man könnte meinen, da fehle es an Abwechslung, aber für die sorgt Betterov mit seinem schauspielerischen Talent. Direkt vor seiner Nase steht nämlich eine Torte, vor deren Genuß er aber seinen Pullover ausziehen will – Symbol für die titelgebende Angst. Dieses Unterfangen scheint schwerer als gedacht, die Kleidung klebt an ihm wie eine zweite Haut und Betterov spielt das absolut glaubwürdig. Da kann der Kuchen vor ihm, Sinnbild für das Leben, das vor der Haustür wartet, noch so nah sein – Betterov zieht und zehrt, quält und müht sich. Damit ist „Angst“ nicht nur ein herausragender Indie-Song mit Ohrwurm-Faktor, sondern zeigt gleichzeitig, dass es für ein stimmiges Video manchmal kein riesiges Budget sondern einfach nur überzeugendes Schauspiel und einen grauen Pulli braucht.
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