Videopremiere: Emma Elisabeth über „Lovers“ auf dem Autorücksitz
Trauer – so schmerzhaft und betäubend sie auch ist – sorgt oft dafür, dass man das Leben noch mehr wertschätzen und schöne Momente zelebrieren lernt. Denn erst wer eine düstere Zeit hatte, weiß wieviel Freude und Leichtigkeit wert ist. Zu dieser Erkenntnis kommt zumindest Emma Elisabeth auf ihrem neuen Album.
Ihr Sound ist dabei gedankenverloren und bittersüß und kommt immer in Begleitung ihres „Skandinavian Pain“, wie sie ihn nennt – hochkonzentrierte Melancholie, die sich wie ein Mantel um die Songs der Schwedin legt.
Emma Elisabeth ist eine sehr leidenschaftliche Person, die mit ihrer Musik die Tore zu ihrem tiefsten Inneren für die Hörerschaft öffnet. Es gelingt ihr dabei, ganz bestimmte Gefühle anzusteuern, die oft so versteckt im eigenen Unterbewusstsein schlummern, dass man sie erst beim Hören auch bei sich selbst erkennt.
Emma Elisabeth – Lovers
So ein Song ist auch „Lovers“. Der Track beschäftigt sich in der Retrospektive mit der wilden Anfangszeit einer Beziehung, wenn alles einfach nur schön ist und man sich nicht vorstellen kann, dass es irgendwann anders wird. Doch die Ernüchterung kommt schneller als gedacht, das Feuer erlischt, und manchmal reicht Leidenschaft eben einfach nicht aus, um eine funktionierende Liebe zu erhalten.
„Keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt“
Was als „Lovers on the Backseat” startet, wird irgendwann zu einer Diskussion auf dem Beifahrersitz – so war es zumindest bei Emma. Dennoch blickt sie gerne zurück auf solche Zeiten und hat gelernt, lieber die schönen Erinnerungen zu behalten, als sich diese von der düsteren Zeit der Trennung überschatten zu lassen. Denn wie Herman Hesse schon richtig erkannt hat: „Keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt.“
Im Video zum Song befindet sich die Sängerin auf eben diesem Rücksitz – doch nun nicht mehr mit ihrer heißen Liebe, sondern allein. Das Video zeigt die vergangene Beziehung von Emma Elisabeth in allen Stadien – und immer im Kontext des besagten Autos.
„Lovers“ ist nach „Tray Full of Ash” die zweite Singleauskopplung des bevorstehenden dritten Albums „Some Kind Of Paradise“ der Wahlberlinerin, das am 04. Februar 2022 erscheinen wird. Der Longplayer ist in gewisser Weise eine Therapie für die Künstlerin, denn sie musste sich sehr verletzbar machen, um den Phoenix aus der Asche ihrer Vergangenheit aufstehen zu lassen. Doch so konnte sie lernen, dass aus etwas Kaputtem wieder Schönes entstehen kann und ihre Trauer als Krone tragen.
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