Videopremiere: Fontaines D.C. veröffentlichen ihr Post-Punk-Mantra „A hero’s death“ als Live-Session
Wenn dein Debüt-Album die gesamte Post-Punk-Szene durchschüttelt und du danach eine ausgedehnte Tour spielen kannst, ist auf dem Papier eigentlich alles absolut perfekt gelaufen. Oder aber man fühlt sich stattdessen erdrückt und eingeengt, zwischen überwältigend positiver Resonanz und unzähligen Kilometern auf Autobahnen weltweit. So ging es der Band Fontaines D.C. aus Dublin nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Dogrel“ im vergangenen Jahr. Obwohl sich die Mitglieder im Tourbus physisch kaum näher sein konnten, entstand irgendwie eine Distanz – nicht nur untereinander, sondern auch zu sich selbst. Shows wurden gecancelt und Schreib-Sessions einberufen, die Band fand Stück für Stück wieder zu ihrer Identität. Trotzdem war klar: Das nächste Album konnte kein „Dogrel Part 2“ werden, mit dem treibenden, ja, teilweise euphorischen Sound, der den Erstling ausgezeichnet hatte. Stattdessen entwickelten die neuen Songs eine beklemmende, nervöse Atmosphäre, geboren aus dem Druck, dem Fontaines D.C. ausgesetzt waren. Man sagt sich von allem los und besinnt sich auf sich selbst: „I don’t belong to anyone/ I don’t want to belong to anyone“, singt Frontmann Grian Chatten unverblümt auf der Vorab-Single „I don’t belong“, die schon jetzt verspricht, ein Kernstück des kommenden Albums zu werden. So auch dessen Titeltrack: „A hero’s death“, ein morbides Mantra. Ursprünglich schon im Mai erschienen, wird der Song nun als Live-Session erneut veröffentlicht – und von uns als exklusive Videopremiere präsentiert.
Fontaines D.C. – A Hero’s Death (Live Performance)
https://youtu.be/_O2l3MQLWHE„A hero’s death“ – Ein Titel, der gleich mehrere Bedeutungsebenen umspannt. Die wohl offensichtlichste ist mit dem Cover des gleichnamigen Albums verknüpft, das von Cuchulainn, einem Krieger aus der irischen Mythologie geziert wird – vielleicht also eine Art Umsturz von Tradition und Erbe? Der sterbende Held, das ist allerdings auch die Band selbst. Fontaines D.C. sind schließlich drauf und dran, ein Album abzuliefern, das mit seinem Vorgänger in vielen Belangen bricht und das die Gruppe vielleicht einige Fans kosten wird. Dafür hat die Band ihren Funken zurück und eine neue künstlerische Palette eröffnet. Im ursprünglichen Musikvideo zu „A hero’s death“ kämpft ein Fernsehmoderator mit dem Abstieg Richtung Paranoia und Manie – ein Bild, das den Ton des Songs perfekt trifft. Dabei klingen die ersten Sekunden noch recht beschwingt, mit einem zügigen Drum-Beat und treibender Gitarre. Aber nur ein kleines Element kann die Stimmung gänzlich umstoßen: Die Band stimmt einen Chor an, der sich beklemmend und mahnend durch den weiteren Verlauf des Stücks zieht. Ihre Performances für die Live-Session haben die Bandmitglieder in ihren heimischen vier Wänden gefilmt, während Sänger Grian Chatten im wogenden Gold eines Rapsfeldes sitzt. Dieses idyllische Bild wirkt wie ein harter Gegensatz zu Chattens Gesangs: „Life ain’t always empty“, wiederholt er immer wieder mit seinem charakteristischen irischen Akzent. Das könnte eine aufmunternde Botschaft sein, aber so wie Chatten sie vorträgt, wirkt sie spöttisch, nihilistisch, eben doch etwas „empty“. Passend dazu gibt der Sänger in den Strophen eine leere Phrase nach der anderen von sich, bis zur absoluten Bedeutungslosigkeit: „Tell your mother that you love her/ And go out of your way for others/Sit beneath a light that suits ya/ And look forward to a brighter future „. Und auch wenn diese Zeilen vor bitterem Sarkasmus nur so triefen: Eine helle Zukunft ist Fontaines D.C. mit Sicherheit beschert.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.