Videopremiere: Postpunk und Marmor – Friends Of Gas veröffentlichen die EP „Carrara“
Eingebettet zwischen den kargen Felshängen Norditaliens, an die sich außer knorrige Tannen nicht viel klammern kann, liegt Carrara. Ein Stadtkern mit kleinen bunten Häuschen, wie es viele in dieser Gegend gibt, die wirkliche Sensation liegt allerdings noch weiter in den Bergen. Dort wird in den Steinbrüchen der Stadt ein begehrtes Gut abgebaut: Marmor. Einer unsichtbaren Geometrie folgend reihen sich die glatten Quader aneinander, massiv, durchzogen von feinen Adern, die sich jeden Augenblick als flüssiger Magmastrom entpuppen könnten. Ein beeindruckendes Bild. So beeindruckend, dass es die Münchener Band Friends Of Gas dazu veranlasst hat, der Stadt Carrara eine gleichnamige EP zu widmen. Darauf finden sich drei Songs, die wie eine Schwelle zwischen dem Debüt-Album „Fatal Schwach“ und dem für das kommende Frühjahr angekündigten Nachfolger fungieren. Dabei ist ein eigenständiges Werk entstanden, das zu keinem Zeitpunkt nach B-Seiten-Material klingt. Dafür sorgt auch die beeindruckende Videoumsetzung, die statt einem einzelnen Song gleich die ganze EP auf einer Länge von 20 Minuten visualisiert. Begrüßt wird der Zuschauer von kalten Schneewehen, die nur einzelne dunkle Silhouetten erahnen lassen. Bildliche Verwandte der hallenden Gitarren-Fragmente, die immer wieder unheimlich aufblitzen, in einem Drumbeat, der die übliche Postpunk-Monotonie gegen einen belebteren Groove eintauscht. Musik und Video passen wie die Faust aufs Auge, wenn sich die glatten Marmorfronten in schaumige Wasserströme auflösen. Es ist kaum festzustellen, wann sich die repetitiven, starren Muster der einzelnen Instrumente mit dynamischen Ausbrüchen abwechseln, aber sie tun es ständig und erzeugen dabei eine hypnotische Wirkung.
FRIENDS OF GAS – CARRARA
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Klirrende Kälte, in der Musik und im Video, genauso in der kehligen Stimme von Sängerin Nina Walser. Ihre Textzeilen wiederholen sich, werden zum Mantra und gewinnen damit an Gewichtigkeit. Apropos Mantra: Aus dem ersten Song „Kalter Apparat“ bleibt zum Ende hin nur ein einziger Gitarren-Schlag übrig – und der bildet auch schon den gesamten nächsten Track. Das Titelstück „Carrara“ nimmt einen Großteil der EP ein und besteht dabei nur aus dem einen Gitarren-Klang, der immer wieder neu die Stille zwischen den Bäumen im Video durchbricht. „Carrara“ ist damit mehr Bindeglied als eigener Song, denn raffinierter Weise geht die Gitarre auch nahtlos in das abschließende „Vom Müssen“ über. „Carrara“ ist eine EP, die unbedingt mit ihrer visuellen Umsetzung genossen werden sollte. Denn dann erzeugen Friends Of Gas eine ganz spezielle Trance – eine Symbiose von Ton und Bild, Postpunk und Marmor.
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