Videopremiere: Tiemo Hauer nimmt uns mit auf eine Reise ins Verderben in „Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens“
Das Klavier wurde in den vergangenen Jahren schon immer öfter gegen Gitarren eingesetzt. Seine hohe, zarte Stimme, wie man sie von „Nacht am Strand“ kannte, ist um einiges reifer geworden und wird von Effekten und übersteuerten Sequenzen getragen, betont und verzerrt. Die Balladen wurden düsterer und die angedeutete Entwicklung auf dem Album “Camille”(2014) hat Tiemo Hauer auf „Vernunft, Vernunft“( 2016) noch eine Spur verschärft. Schon früh hat der deutsche Popmusiker mit der großen Musikindustrie gebrochen, als er vom Major Deal zurücktrat. Auch auf den letzten Alben gab es immer wieder bissige Kommentare zu den deutschen Charts und mit aller Kraft schwamm er sich schließlich frei von dem Image des „Mädchenschwarms“. Spätestens mit der Single „Herz/Kopf“ zeigte er seine Entwicklung in einem dunkel gefärbten Liebesdrama deutlich. Über die Liebe und gebrochene Herzen singt er also noch immer, doch das Verträumte ist Melancholie gewichen und rosa-rote Romantik wurde von Zweifeln und Resignation ersetzt. Auch der Sound ist über die Jahre, durch Einflüsse aus dem Berlin der 80er, kantiger geworden. Anfang des Jahres erschien dann die EP „Ein kurzes für immer.“ Zwiegespalten zwischen großen Popmelodien, die von Synthesizern und Gitarren à la The Cure begleitet werden, und dunklen Chansons, hadert Tiemo Hauer mit der Zeit. Im Musikvideo zur Single „Maximum an Glück“ singt der Musiker in einem Prinzessinnenkleid blutverschmiert in die Kamera.
Tiemo Hauer – Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens
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Mit „Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens“ erscheint nun ein Musikvideo, das uns gleichzeitig auf ein neues Album vorbereitet. Im März 2020 soll es erscheinen und den gleichen Titel wie die Single tragen, was eine facettenreiche Abrechnung mit dem Leben verspricht. So dumpf wie nie reflektiert Tiemo Hauer über seine eigene Reise als Musiker und als Heranwachsender. Im Video begleiten wir Tiemo und sein Alter Ego, das als maskiertes Schwein in den Bildern auftaucht, durch einen düsteren Tag. Er lässt sich durch die Großstadt treiben, schaut mit trübem und gelangweiltem Blick auf die Welt, während die rosa Figur sie mit einer kindlichen Leichtigkeit erlebt. Es entsteht ein Zukunftsszenario eines in Vergessenheit geratenen Musikers. Das Video ist gespickt mit kleinen Referenzen an die eigene Karriere, wie einer Tiemo-Hauer-Merchendise-Tasse aus vergangenen Tagen. Das Team aus Hannes Höhn und Julian Steiner, haben dazu noch zahlreiche Symbole und Metaphern für das Scheitern in ihre visuelle Arbeit einfließen lassen. Ob das der eigene Blick, die Reise ins Verderben oder nur eine Spielerei mit dem Möglichen ist, bleibt dabei offen.
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