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Videopremiere: WEIL auf der Suche nach seiner Bestimmung

Posted in: PremierenFeatures
Tagged: WEIL

Bisher war Anton Weil vor allem als Schauspieler bekannt. Nach seinem Studium an der Universität der Künste in Berlin war der gebürtige Kreuzberger in zahlreiche Produktionen von Theaterbühne bis Netflix zu sehen. Im März dieses Jahres stellte er dann aber alles auf Anfang und tauchte in ein neues Medium ein: Aus Anton Weil, dem Schauspieler wurde WEIL, der Musiker. Schon im September veröffentlichte er unter diesem Namen sein Debüt-Album „Groll“, ein musikalisches Ausloten von deutschem Rap im Jahr 2021. Nun folgt ein Musikvideo zum letzten Song der Platte: „On my way“ – irgendwo zwischen Skit und Song, Selbstverwirklichung und Untätigkeit.

WEIL – On My Way

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Die Geschichte von WEIL ist eine, die man sich nicht ausmalen könnte, voller Unwahrscheinlichkeiten und Fügungen. Schließlich hatte der Schauspieler aus Kreuzberg bereits ein Standbein, das er sehr erfolgreich bespielt – warum also noch eines aufbauen? Aber WEIL tut genau das, gerät über Kontakte am Theater an Kontakte in der Musik-Welt und landet schließlich, mitten im Corona-Loch, beim Produzententeam Dienst&Schulter in Köln. Das Duo hat bereits mit Lugatti & 9ine, Yassin und vor allem Goldroger gearbeitet und hilft nun auch WEIL auf der Suche nach seinem eigenen Sound. Wie der sich anhören könnte, war bisher nur Gegenstand von ein paar vagen Skizzen mit Milliarden-Keyboarder Johannes Aue. Mit Dienst&Schulter werden diese Ideen dann ausformuliert und zu alternativem Pop und zeitgenössischem Trap geformt. Es geht um den politischen Kater von „2. Mai (Alles Bleibt Gleich)“, um 808s und Adlibs auf „Fühlé“ und den stillen Kampf mit Verlust bei „Das Wetter“. 

WEIL will ein Vermächtnis

Und dann wäre da noch „On My Way“, der letzte Song auf „Groll“. Dessen Start klingt direkt nach: Album vorbei, Credits laufen schon. Wir belauschen eine skit-artige Studio-Unterhaltung von WEIL, der versucht den vorliegenden Song zusammenzubasteln. Gerade wenn man glaubt, da kommt nichts mehr, wird völlig nahtlos aus Gesprächsfetzen auf ein Mal Musik. Ein dichter Synthie-Bass setzt ein und WEIL beginnt zu singen. Die Zeilen sind dabei simpel gehalten, aber inhaltlich trotzdem potent: „Hab immer wieder Hoffnung, dass was geht / Ich noch irgendetwas schaff’, wofür ich stehe / Etwas hinterlasse, was mich überlebt“. WEIL steckt in einer Sinnkrise, ist so überfordert mit der gigantischen Herausforderung, einen eigenen Fußabdruck auf dieser Welt zu hinterlassen, dass er in der Resignation versinkt und stagniert.

Auf dem Boden geblieben

Diese Problematik fängt das zugehörige Musikvideo auf charmante Art und Weise ein. Wir sehen, wie WEIL in einem Hangar ein Flugzeug startklar mach. Es wird geputzt, mühsam ins Freie geschoben – und hebt dann ab, während WEIL als Fluglotse auf dem Boden zurückbleibt. Zuschauen, während andere die eigenen Träume ausleben – treffendere Bilder hätte man für dieses Gefühl nicht finden können. Die Idee für das Video kam dabei von WEIL selbst: „Ich mochte das Bild der fleißigen Arbeiter:innen, ohne die nix geht am Flughafen, die jeder reisenden Person im Grunde unauffällig helfen, dass sie abheben können, ihre Träume leben, Urlaub machen, whatever und selber aber ungesehen am Boden bleiben. Und dieses Gefühl hatte ich halt oft in meinem Leben. Als ob alles an einem vorbei zieht und man selbst kommt nicht klar.“ Trotz allem gibt es einen Lichtblick für WEIL, denn mit „Groll“ hat er bereits ein beachtliches Werk hinterlassen, dass tatsächlich das Zeug hat, ihn zu überdauern.

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