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Beatsteaks im Videointerview: „Wir wollten uns auf verschiedene Typen und neue Erfahrungen einlassen“

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Am Rande des Treptower Parks in Berlin liegt die Insel der Jugend mit ihrer ikonisch geschwungenen Brücke und dem dazugehörigen historischen Brückenhaus. Schon zu DDR-Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel, wissen auch die Beatsteaksum die Schönheit und Ruhe des Eilands in der Spree: Ihr aktuelles Musikvideo „I Do“ wurde in einer nahegelegenen Kleingartensiedlung gedreht und Sänger Arnim nutzt die grüne Oase zur sportlichen Vorbereitung auf anstehende Konzerte. Und wie das eben so ist, wenn man seit mehr als einem Jahrzehnt zu Deutschlands populärsten Rockbands zählt, steht zur kommenden Platte ein Interviewmarathon an. Wieso diesen also nicht an einem solch schönen Ort stattfinden lassen? Die ersten Gespräche zum neuen Beatsteaks-Album „Yours“ werden im Kulturhaus Insel geführt und obwohl an diesem Vormittag der Himmel weint, als ob es kein Morgen gäbe, treffen wir die gut gelaunten Beatsteaks-Mitglieder Arnim Teutoburg-Weiß und Torsten Scholz. Nach einem kurzen Plausch über die aktuelle Raplandschaft in Deutschland und involvierte Protagonisten wie Rin oder Ufo361 steht fest: „Eigentlich sollten wir das ganze Interview mit Autotune-Effekt auf der Stimme machen.“ Soweit kommt es dann doch nicht, allerdings stellt Arnim nach dem „richtigen“ Interview noch seine Autotune-Fertigkeiten unter Beweis (das Ergebnis gibt es hier zu sehen).

Dass die Beatsteaks schon lange große HipHop-Fans sind, ist keine Neuigkeit. Auf „Yours“ haben sie mit einer Masse von 21 Songs aber einen kleinen Neustart gewagt, mehrere Produzenten und Gäste eingeladen und sich – zumindest bedingt – auch ihrem liebsten Genre geöffnet. Neben ihrem angestammten Produzenten Moses Schneider holten sich die Berliner zum Beispiel das HipHop-Produzententeam The Krauts ins Boot, das man von seiner Arbeit mit Marteria oder Peter Fox kennt. Dazu arbeitete die Band mit „führenden Wissenschaftlern“wie Stereo Total, Farin Urlaub und Deichkind zusammen, um die achte Platte zu eigener Zufriedenheit fertigzustellen. Arnim resümiert: „Nach der letzten Platte haben wir beschlossen damit aufzuhören, unsere Alben immer gleich zu produzieren. Wir haben uns gefragt: ‚Vielleicht kann man Beatsteaks-Musik auch mal anders aufnehmen und vielleicht auch mal mit mehr als nur einem Produzenten. Und wie wäre es denn mit Gästen? Und wie wäre es mit ganz vielen Songs?‘ Nach anderthalb Jahren waren dann diese 21 Songs fertig.“ Der wichtigste Punkt sei wie bei jedem Album gewesen, dass man sich nicht wiederhole. Deshalb hätten die unterschiedlichen Produzenten, Kollaborationen und verschiedensten Genres auch eine wichtige Rolle im Entstehungsprozess der Platte eingenommen.
Das wichtigste bei Aufnahmen ist immer, was vor dem Mikro passiert
„Es war für uns auch sehr gut, unter dem Namen ‚Mixtape‘ zu arbeiten, weil damit alle Lieder oder Beats gut genug waren. Wir haben ganz oft auch Sachen vom Demo benutzt, das finde ich gut. Eigentlich ist das mit dem Aufnehmen eh überbewertet. Wenn es aus den Boxen kommt und dir gefällt, ist es völlig egal ob es ‚Demo‘ heißt oder 500 Spuren hat. Was aus den Boxen kommt ist wichtig. Es machen alle mittlerweile so gut in ihren Ecken Musik, da braucht man nicht mal gute Mikros. Man braucht nur ein Gefühl, was man über ein Mikro auf ein Band oder einen Computer spielt. Das wichtigste bei Aufnahmen ist immer, was vor dem Mikro passiert“erklärt Arnim. Der Mixtape-Gedanke sei allerdings nicht aus einer HipHop-Assoziation heraus entstanden, sondern vielmehr im Sinne einer Zusammenstellung von Lieblingssong auf einer Kassette gedacht. „Das Album ist eigentlich eine Liebeserklärung in Plattenform an unsere Familien, Vorbilder, an unsere Gang, an unsere Crew und an Leute, die uns gut finden. Auf der Platte findet man außerdem mal eindeutig die Musikstile, die wir gut finden und die uns geprägt haben.“ Torsten ergänzt: „Es ist auch wichtig, dass man diesen zweiten Weg vom Mixtape nimmt, weil der HipHop-Gedanke das ein bisschen abwerten würde. Da nimmst du dir Ami-Beats, rappst drüber und lieferst einen Snapchat davon, wo du gerade bist. Das andere sind halt Lieblingslieder von deinen Lieblingsbands auf CD oder Kassette.“ Das Album sei dementsprechend eine Schnittmenge der bandeigenen Vorlieben. Eine logische Schlussfolgerung der „wir müssen uns bei diesem Album Sachen trauen“-Mentalität seien besonders die deutschsprachigen Song „L auf der Stirn“ mit Deichkind und „Abbadu“ mit Farin Urlaub. „Wir haben alle Songs immer so weit fertig gemacht, wie wir konnten. Und dann haben wir nach Hilfe gefragt. Das war total cool. Es waren riesen Moment mit Jan (Farin Urlaub) etwas einzusingen oder Porky von Deichkind am Mikrofon zu sehen, wie er ‚ich bin viel lieber am cornern‘ singt. Das sind genau die Momente, wofür man die anderen Bands abfeiert“schwärmt Arnim. Dass es mal ein rein deutschsprachiges Beatsteaks-Album geben wird, hält Torsten für unwahrscheinlich. „Mit Farin Urlaub und Deichkind haben wir ja Musiker um Hilfe gefragt, die der ganzen deutschsprachigen Musik etwas gegeben haben, bei dem man nicht unbedingt an deutsche Musik denkt, sondern einfach an tolle Musik. Ich glaube damit ist das erstmal abgetan und jetzt spielen wir die Sachen live.“ Beatsteaks live: 28.08.17 Augsburg, Kantine 29.08.17 Heidelberg, Halle 02 01.09.17 Berlin, Lollapalooza Festival 05.11.17 Prag, Roxy 10.11.17 London, Koko 12.11.17 Amsterdam, Melkweg

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