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Von Wegen Lisbeth: Statement zu Machtmissbrauch führt zu neuem Vorwurf

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Im August 2024 wandte sich eine Gruppe Betroffener an das Label der Band Jeremias, um anonymisiert den Machtmissbrauch eines ehemaligen bandnahen Fotografen zu veröffentlichen. Die Betroffenen seien von besagtem Fotografen privat oder online kontaktiert worden. Jobchancen sollen in Aussicht gestellt, Gästelistenplätze versprochen und in den Backstage eingeladen worden sein. Es soll auch zu „einvernehmlichen Intimitäten“ gekommen sein. Im Zuge dessen veröffentlichte die Band Jeremias zwei Statements . Eines davon am 13. November in Zusammenarbeit mit der Gruppe „Hört Betroffene“.

Knapp drei Monate nach den letzten Ereignissen in diesem Fall heißt es nun in einem Galerie-Post von Von Wegen Lisbeth am vergangenen Wochenende auf Instagram: „Das Statement ist vom letzten November, das Thema aber nicht weniger aktuell“. Parallel verlinkt die Band in ihrer Story auf das Statement der Betroffenengruppe im Fall Jeremias.

Solidarität mit den Betroffenen

„Auch wir als Von Wegen Lisbeth haben mit der Person zusammengearbeitet, der die Vorwürfe gemacht werden“, heißt es weiter im Statement der Berliner Band. Die Zusammenarbeit sei mittlerweile beendet, jede weitere ausgeschlossen und die Betroffenen kontaktiert.

Auch intern habe man sich wie schon die Band Jeremias „professionelle Unterstützung gesucht“ und sei mit einer Awareness-Expertin in Kontakt getreten, um „problematische Strukturen und Verhalten zu hinterfragen“. Von Wegen Lisbeth solidarisieren sich mit den Betroffenen und stellen klar: „Wir tolerieren ein solches Verhalten nicht“. Doch dieser „Prozess der intensiven Aufarbeitung“ habe Zeit beansprucht. Deshalb auch der Versatz von fast vier Monaten.

Neue Vorwürfe

Das Statement wurde von vielen Fans überwiegend positiv aufgenommen. Nun gibt es allerdings weitere, neue Vorwürfe von der Gruppe „Hört Betroffene“ in einem Kommentar unter dem Post – und zwar gegen ein Mitglied der Band Von Wegen Lisbeth. Die Gruppe ergänzt hier, dass sie „in den letzten tagen die nachricht einer weiteren betroffenen erreichte [sic]“. Sie hegt Vorwürfe von „sexualisiertem übergriffigem verhalten eines bandmitglieds [sic]. Von Wegen Lisbeth seien über diesen Vorfall „bereits in kenntnis gesetzt und wir hätten uns stellvertretend für weitere betroffene gewünscht, dass die band auch diesen fall reflektiert und in ihr statement aufnimmt um weiteren betroffenen mut zu machen sich zu melden [sic].“

Diese Kontaktaufnahme bestätigten Von Wegen Lisbeth umgehend in der Kommentarspalte: „Uns hat am Donnerstag eine Nachricht einer Betroffenen in Bezug auf ein Bandenmitglied erreicht.“ Als Grund für das Auslassen dieser Nachricht im Statement wird wiederum der intensive Aufarbeitungsprozess genannt. Dieser „brauche erfahrungsgemäß Zeit und professionelle Unterstützung“. Die Band stellt jedoch in Aussicht: „Wir werden uns zu diesem Fall äußern.“ Wann genau, bleibt noch offen.

Update 12. März 2025: Von Wegen Lisbeth reagieren mit neuem Statement auf Vorwürfe

Nach der Veröffentlichung ihres Statements zur Zusammenarbeit mit dem beschuldigten Fotografen meldeten sich Von Wegen Lisbeth erneut zu Wort. In einem ausführlichen Post auf Instagram am 12. März gehen sie auf die Kritik ein, die nach ihrer ersten Stellungnahme umlaut wurde.

„Es gab daraufhin viele Fragen, Kritik und Verunsicherung über unseren Umgang mit der Situation, was wir total verstehen“, heißt es zu Beginn des neuen Statements. Die Band erläutert darin, weshalb sie den aktuellen Vorwurf gegen ein Bandmitglied nicht bereits in das ursprüngliche Statement zum Fotografen integriert haben.

Laut Von Wegen Lisbeth erreichte sie die Nachricht einer Betroffenen erst am Abend vor der geplanten Veröffentlichung des Statements zum Fotografen. Die Person wirft dem Bandmitglied Robert vor, auf einer Festivalparty im Jahr 2023 in stark alkoholisiertem Zustand übergriffig gewesen zu sein. Die betroffene Person habe sich anonym an die vermittelnde Agentur gewandt, welche schon im Zuge des Vorfalls mit dem Fotografen beauftragt wurde. Sie leitete auch den aktuellen Vorfall an die Band weiter. Robert könne sich „an den geschilderten Vorfall nicht erinnern, er kann aber – und das ist genauso schlimm – auch nicht ausschließen, dass der Vorwurf der Wahrheit entspricht“. Im Statement bittet Robert auch öffentlich um Entschuldigung.

Die Band betont, dass sie der betroffenen Person glaubt und ihr für ihren Mut dankt, sich zu äußern: „Jede sexuell konnotierte Handlung, verbale Äußerung oder Berührung, die nicht erwünscht ist, ist eine Form sexualisierter Gewalt oder Übergriffigkeit.“ Man wolle den Vorfall ernst nehmen und mit professioneller Unterstützung aufarbeiten. Zudem räumen Von Wegen Lisbeth ein, Fehler im Umgang mit den Geschehnissen gemacht zu haben: „Im Nachhinein war diese Entscheidung falsch, weil dadurch der Eindruck entstehen konnte, wir wollten von unserer eigenen Verantwortung ablenken.“

Als Konsequenz haben die Musiker nach eigenen Angaben bereits Workshops zu den Themen Diskriminierung und sexualisierte Gewalt besucht und nehmen an therapeutisch begleiteten Gruppengesprächen teil. Robert habe zudem eine Einzeltherapie begonnen. Ziel sei es, das eigene Verhalten – auch unter Alkoholeinfluss –nachhaltig zu reflektieren und Strukturen zu schaffen, „damit es bei uns und unserem Umfeld nie wieder zu derartigen Situationen kommt.“ Daraus will Von Wegen Lisbeth künftig einen Kodex ableiten, der für zukünftige Auftritte gelten soll.

Kurz nach der Veröffentlichung meldete sich die betroffene Person selbst in der Kommentarspalte des Statement-Posts zu Wort. Sie nutzte dafür den Account der Gruppe „Hört Betroffene“, um anonym zu bleiben. Sie zeigte sich schockiert darüber, dass sie vorab nicht darüber informiert worden sei, dass ihr Fall öffentlich gemacht wird: „Ich lese es im Internet. In aller Öffentlichkeit. Ich wusste von nichts. Komplett unvorbereitet.“ Zwar erkenne sie an, dass die Band ihre Verantwortung reflektiere, doch sie kritisiert, dass sie als Betroffene erneut übergangen worden sei: „Das fühlt sich richtig scheiße an.“

Zudem gibt sie bekannt, dass ihre Erfahrung wohl kein Einzelfall war: „Ich bin nicht allein und stehe in Kontakt mit einer weiteren Betroffenen.“ Ihr Kommentar schließt mit einem solidarischen Aufruf an andere Betroffene: „Ihr seid nicht allein.“ Schlussendlich fordert die Person Von Wegen Lisbeth auf, ihre Stellungnahme anzupinnen, damit ihre Stimme nicht untergeht.

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