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„Waren auch Oasis eine Industry Plant?“ und andere, wichtigere Fragen

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Hallo zusammen!

In den letzten Tagen hatten wir vermehrt ein Kampfbegriff im TikTok-Feed, bei dem wir verlässlich Ausschlag kriegen. Eine Wortkombi, die wahlweise von ungekämmten Indie-Boys mit besorgtem Blick ins Smartphone genuschelt, oder von Halb-Mann-Halb-Troll-Profilen wild im Internet verteilt wird. Dieses Kombi lautet – ta dah! – INDUSTRY PLANT. Ganz ehrlich, wir können nicht mehr zählen, wie viele von den Artists, die wir in den Jahren unseres Bestehens interviewt haben, schon so genannt wurden an einem frühen Punkt in ihrer Karriere. Ach, wurden wir nicht sogar auch schon mal als Magazin Industry Plant genannt? Vermutlich schon. Wobei es ja oft vor allem junge Künstlerinnen erwischt. Und das ist eines von vielen Dingen, die uns daran stören: Meistens hat dieser Vorwurf eine misogyne Note und erwischt junge Frauen, denen man damit unterstellt, sie hätten im Hintergrund ein Riesen-Netzwerk und wären nur ein hübsches Gefäß für die Ideen anderer (Männer). Oder aber Künstler:innen, die plötzlich riesig erfolgreich sind, werden im Rückblick zu Industry Plants gemacht. Nina Chuba, die schon Jahre vor „Wildberry Lillet“ saulustig bei TikTok unterwegs war und tragisch ungesehen, tolle englischsprachige Popmusik veröffentlichte – Industry Plant. Zartmann, der uns im Interview anvertraute, dass ihm Zachi von 01099 rettete, weil dieser ihm einen Anwalt spendierte, der ihn aus einem Scheiß(„Indie“)deal rausholen konnte – Industry Plant. And so on. Natürlich ist es so, dass große Labels versuchen, Erfolge anderer nachzubauen und ja, ab einem gewissen Punkt in der Karriere kommt bei einigen vielleicht im Idealfall ein professionelles Netzwerk hinzu, das mehr Sichtbarkeit gewährleisten kann oder professionellere Produzent:innen und Co-Songwriter:innen ermöglicht. Außerdem gibt es seit jeher Marketingbudgets für Artists, die natürlich nach einer gewissen Strategie verteilt werden.

Aber trotzdem: Glaubt uns doch einfach mal, dass es zumindest in unseren musikalischen Gefilden noch nie so richtig auf Langstrecke geklappt hat, einen seelenlosen Artist zu „pflanzen“ und zu „züchten“. Dafür braucht es nämlich schon gute oder catchy Musik und ein gewisses Charisma, das sich irgendwann auch auf Festival- und Clubbühnen behaupten muss. Die wahre Gefahr kommt übrigens weiterhin aus einer anderen Ecke: Erst heute hatten wir wieder ein sehr gut ausschauendes KI-Video im Feed, das zeigte, wie KI-Ausgeburt Nimi in einem Radio-Studio-Setting seinen neuen Song „performt“. Alle schauen ganz ergriffen, der Moderator, der eine Nico-Backspin-inspirierte Mütze trägt, ist hin und weg. Der Song ist leider wieder sehr gut gemacht – und dennoch ist der Zynismus, der hinter so einer Produktion steckt, schwer zu toppen. Jede Sekunde dieses Clips spuckt Musikhörenden, -machenden und -fühlenden ins Gesicht. DAS sind Auswüchse, die man Industry Plant nennen darf – bei allen anderen ist es inzwischen wirklich nur noch ein lamer oder eben misogyner Diss, den man schon drölf Mal zu oft gehört hat.

Diese Musik hat Jorina von Soft Loft geprägt

Bei Jorina von Soft Loft läuft gerade einiges auf Dauerschleife: Phoebe Bridgers, Sam Fender und Oklou. Im „What I Love“ erzählt sie uns aber auch von ihrer ersten CD, die sie gemeinsam mit ihrem Papa gekauft hat, und von einem Konzert in London, das ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist. Vor allem Joni Mitchell hat Jorina musikalisch geprägt – „A Case of You“ hat dabei einen ganz besonderen Stellenwert für sie. Welche Songs und Artists sie sonst noch begleiten und warum Musikvideos bei ihr eher keine große Rolle spielen, erzählt sie im Video!

Unsere Lieblingssongs in dieser Woche

Die Steaming Satellites aus Österreich sind seit zwanzig Jahren eine Bank, wenn es um melodischen, gitarrenverliebten Indie geht. Das ändert sich auch mit der neuen Single „Something Real“ nicht. Als der Autor dieses Newsletters Jake Bugg zum ersten Mal interviewte, brauchte dieser (also Bugg) noch die Erlaubnis seiner Eltern, um für Promodinge nach Berlin zu reisen. Lange her. Das Witzige dabei: Bugg klang schon damals so weise und musikalisch versiert, wie hier auf dieser ersten Single „Never Can Tell“ von seinem kommenden siebten Album („Alamo“). Eine gute Mischung für einen Montag kommt von Julie: Ihre neue Single „French Toast“ feiert die Katerstimmung, tut das aber mit dem richtigen Groove und leichten, frankophilen Jazz Vibes, die den Kopf dann wieder ganz leicht machen. Eine der ehrlichsten und musikalisch spannendsten Erfolgsgeschichten im deutschen Pop ist sicherlich jolle, deren Debütalbum nun endlich draußen ist. Wie intensiv, modern und zutiefst persönlich ihre Musik wirken kann, beweist kein Lied so gut wie „frei“. Mit „Before Game Changer“ verbinden Plainhead Münchner Indietronica-Tradition mit warmer DIY-Ästhetik. Dabei verschmelzen Hörner, Holzbläser, Gitarren und elektronische Elemente zu einem atmosphärischen Lovesong, wie man ihn lange nicht mehr gehört hat. Last but not least: „Beam Me Down“ von electricleona, das genaus so klingt, wie es der Titel verspricht: leicht entrückt, verspielt und irgendwie out of space. 

Album der Woche: This Is Lorelei – The Singer in My Band

The Singer in My Band“ von This Is Lorelei alias Nate Amos klingt nach Unterwegssein: Viele Ideen entstanden zwischen Konzerten, Vans und ständig wechselnden Orten. Entsprechend treffen auf dem Album Folk, Country, Americana und Indie auf kleine Geschichten, in denen reale Erlebnisse und erfundene Figuren ineinanderfließen. Songs wie „Billy Came Back“ oder der Titelsong zeigen dabei, wie fokussiert Nate Amos inzwischen schreibt und wie er gleichzeitig ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

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