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Warum das „Power-Trio“ Pabst Rock-Musik wieder groß machen könnte

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Tagged: Pabst

Unzählige Male wurde Gitarrenmusik nun schon für tot erklärt, wieder ausgebuddelt und im nächsten Moment dann doch erneut über den Haufen geworfen. In zahlreichen Strömungen und Neuerfindungen ploppte Rock immer wieder auf, verschwand in der Versenkung der Zeit und gilt aktuell mehr denn je als abgehängt. Trotz dieser langjährigen Entwicklung hat sich die Band Pabst entschlossen, klassische Rockmusik zu machen. Nachdem Tore (Schlagzeug) und Erik (Gesang und Gitarre) mit ihrer früheren Band immer mehr in elektronische Gefilde, die um 2015 dominierten, abtauchten, entschlossen sie sich kurzerhand, wieder zurück zu kantigen Gitarrenriffs und harten Drums zukehren. Wenig später stieg dann Bassist Tilmann ein und das Berliner Trio Pabst war geboren. Doch wer jetzt schon mit den Augen rollt und denkt, dass der Hype um Rockbands nun wirklich ein für alle Mal hinter uns liegt, der sollte sich anschnallen, denn Pabst kommen nicht nur laut und kantig daher, sondern eben auch mit innovativem, modernem Sound.

Pabst – Forever OK

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Anstatt, wie die meisten Bands, die aktuell mit handgemachter Musik auftreten, den Punkrock-Bewegungen der 80er Jahre nachzueifern (Rio Reiser, Ton Steine Scherben, Einstürzende Neubauten, Die Ärzte), die lange Zeit den Maßstab für jegliche Gitarrenmusik aus Deutschland vorgaben, haben Pabst ihre Inspiration viel eher aus dem Grunge der Neunziger, schöpfen gleichzeitig aber auch aus jüngeren Rockentwicklungen wie dem Indie und Alternative. Die melodischen Parts dieser Genres, kombinieren Pabst geschickt mit Powerchords und zahlreichen Effektpedals, die abwechselnd Stimme und Gitarre verzerren. Und obwohl damit das Rad nicht neu erfunden wird, klingen Pabst eben dennoch innovativ und überholen klanglich auch jüngste Gitarrenproduktionen ganz mühelos. Vielleicht ist es auch der Mut ganz und gar auf den damals hochpolierten Elektro zu verzichten oder ohne kleinere Avancen zur aktuell alles dominierenden Rapbewegung in Deutschland auszukommen und sich tatsächlich so pur und vermeitlich neben der Zeit zu präsentieren. Denn nicht nur auf ihren EPs und Singles hat die Berliner Band bewiesen, dass sie nicht auf ein Crossover mit Trapbeats oder Autotunemomenten angewiesen ist. Auch auf Albumlänge schaffen es Pabst ihren klaren Sound auszubauen und haben ein Gitarren-Brett an das nächste gereiht, was ihr Debüt „Chlorine“ 2018 zum Sound des Sommers machte. Hinzu kommt die sprachliche Welt, die sich Pabst erschließt. Auf Englisch jongliert Erik mit Ernst, Relevanz und Ironie. Die bislang erfolgreichste Single “Shake the Disease“ demonstriert all diese Punkte und Argumente perfekt: Der Song hat eine mitreißende Begleitung, die zwar kantig ist, aber gleichzeitig sehr melodisch erscheint. Hinzu kommt der Text, der ein überzeichnetes Fight-Club-Szenario der kompletten Verweigerung portraitiert.

Pabst – Shake the Disease

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Obwohl Pabsts klangliche Vorbilder und Inspirationsquellen also vielleicht bei vielen bereits abgeschrieben sind, klingen die eigene Musik in keinem Fall verstaubt und rückwärtsgewandt. Die Kombinationen der Melodien mit den kräftigen Riffs lässt kurzweilige, eingängige Songs entstehen, die gleichzeitig auch nachhallen und den Zuhörer anfixen. Kommende Woche wird die Band auf dem Eurosonic Noorderslag Festival performen, was als eines der prestigeträchtigsten Newcomer-Festivals Europas gilt. In diesem Jahr darf man wohl außerdem auf neue Songs des Power-Trios hoffen, die den Rock-Karren dann ein für alle Mal wieder aus dem Dreck ziehen.

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