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Wie Chappell Roan mit einer queeren Hymne den Mainstream erobert

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Tagged: Chappell Roan

„You can kiss a hundred boys in bars“, so lauten die Zeilen eines gewissen Tracks, an dem es gerade kein vorbeikommen gibt. Ob auf TikTok, in Jimmy Fallons Late Night Show oder in der Instastory von Elton John – Chappell Roan ist die Senkrechtstarterin der Stunde. Ihr Track „Good Luck, Babe!“ erzählt von einer turbulenten Situationship, in der die Sängerin der queeren Bubble direkt aus dem Herzen singt.

Mühelos scheint Chappells Stimme in die Höhe zu fliegen, wenn sie mit treffenden Zeilen über eine Liebe singt, die nicht so richtig meant to be scheint: „I’m cliché, who cares? / It’s a sexually explicit kind of love affair / And I cry, it’s not fair / I just need a little lovin‘, I just need a little air”.

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Das Ganze kommt mit wohlig vertrauten 80er-Vibes, unterschwelliger Melancholie und zunächst friedlichen Synth-Melodien, die sich im Laufe des Tracks immer dramatischer aufbauen – analog zum Gesang von Chappell Roan, deren Verzweiflung über die unglückliche Situationship mit jedem Wort zu wachsen scheint.

Hymne für die queer Community

„Good Luck, Babe!“ wird schnell zur Hymne für die queere Community und wächst nicht zuletzt dank seiner Viralität auf TikTok weiter und weiter. Ob es an dem hohen Identifikationspotenzial der expliziten Zeilen aus dem queeren Datinglife, dem schrillen, kreativen Auftreten der selbsternannten female Dragqueen oder der schieren Ohrwurmtauglichkeit liegt, ist unklar – wahrscheinlich liegt die Formel für den bahnbrechenden Erfolg irgendwo dazwischen.

Die Musikerin ist aber keine Newcomerin. Über die Jahre hat sie mit diversen Singles auf ihr Debüt hingearbeitet und sich von Beginn an organisch eine Karriere aufgebaut. Dabei waren Support-Shows für Olivia Rodrigo und das diesjährige Coachella definitiv wichtige Meilensteine. Nicht grundlos hat sich Chappell so bereits den Titel der „queeren Lady Gaga“ erarbeitet und darf bereits jetzt Stars wie Elton John zu ihren Fans zählen.

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Ihr Debütalbum „The Rise and Fall of a Midwest Princess“ aus dem vergangenen Jahr war genauso wie die bisherigen Single-Auskopplung an ein schrilles, buntes Konzept gebunden. Dabei scheint sich Chappell immer wieder neu zu erfinden, während sie die Geschichte ihrer Jugend als queere Person im konservativen Missouri aufrollt und offen mit ihren Hörer:innen teilt.

Einer der Songs des Jahres – jetzt schon

Für „Good Luck, Babe!“ hat die Sängerin eine Verwandlung in eine Mischung aus Schwein und mittelalterlichen Adligen hingelegt und thront mit Ferkelnase (die sie übrigens auch bereits auf dem roten Teppich getragen hat) und historischer Escoffion-Kopfbedeckung auf dem Cover zum Hit. 

Der Song hat die Grenzen der queeren Community längst gesprengt und kann bereits jetzt getrost als einer DER Songs des Jahres gehandelt werden. Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen um zu vermuten, dass wir mit Chappell Roan einen brandneuen Popstar haben, der nahbar ist und gleichzeitig in eine Welt voller Fantasie einlädt.

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