Provinz schließen mit ihrem Debütalbum „Wir bauten uns Amerika“ das erste Kapitel ihrer Karriere ab
Provinz stehen in der ersten Reihe, wenn es um aufstrebende Newcomer in der deutschen Indie-Szene geht. Dabei klingt „Indie“ und „aufstrebend“ fast noch zu klein, denn die vier Jungs aus dem Umland von Ravensburg sind regelrechte Senkrechtstarter. Denn obwohl die Band erst im vergangenen Jahr mit Singles auf der Bildfläche erschienen ist, hat sie ihr herzlicher Folk-Pop schnell ins Rampenlicht katapultiert. Die eigentliche Reise beginnt allerdings schon viel früher und zwar in der eintönigen dörflichen Provinz, der die Gruppe ihren Namen verdankt. Hier wachsen Vincent, Robin und Moritz als Cousins auf und rekrutieren schließlich noch Vincents Klassenkameraden Leon für die gemeinsame Band. Vorerst beschallt man vor allem Seniorenheime und Fußgängerzonen, bevor das Quartett Stück für Stück zur eigenen Identität findet. Währenddessen wird die eigentliche Provinz langsam von der Idylle und geliebten Heimat zu einem Gefängnis, die ferne Großstadt lockt mit ihren unzähligen Versprechungen. Trotzdem hat die Jugend auf dem Land die Band geprägt und die Weichen für die Gegenwart gestellt: „Es ist ziemlich sicher so, dass wir anders klingen würden, wenn wir zum Beispiel in Berlin groß geworden wären – oder ob es uns da als Band überhaupt geben würde“.
Provinz – Zwischen Folk-Pop, Fußball und Aufwachsen auf dem Land
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Kaum ein Lebensabschnitt hält so intensive Gefühle bereit wie die Jugend: Von purer Ekstase bis zu erschütternder Traurigkeit ist alles dabei. Dementsprechend bestimmt diese Bipolarität auch die Musik von Provinz und zwar auf musikalischer und inhaltlicher Seite. „Reicht dir das“, der Titeltrack der EP aus dem vergangenen Jahr, schwillt von zart-leise zu kratzig-laut an, immer entlang der Stimme von Sänger Vincent, die von einer Sekunde auf die andere voller Inbrunst umschlagen kann. „Reicht dir das“ thematisiert eine festgefahrene Beziehung und geht dabei unter die Haut, während sich die Band nur zwei Songs davor mit „Was uns high macht“ auf einem euphorischen Höhenflug befindet. Die Instrumentierung der meisten Songs liest sich dabei wie das Ur-Rezept für Folk-Pop: Warme, rollende Kneipen-Akkorde auf dem Klavier, gedämpftes Schlagzeug, treibende Gitarren und natürlich atmosphärische Chöre im Hintergrund. Gemeinsam mit der Themen-Welt, die die Band abhandelt, könnte die Musik theoretisch schnulzig oder kommerziell klingen, aber dieser Eindruck entsteht nie, denn dafür ist jede herausgeschriene Zeile schlicht zu ehrlich, jeder kleine Ton zu gekonnt gesetzt.
Provinz – Reicht dir das
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Mit ihrer EP und nachfolgenden Singles wie „Augen sind rot“ oder „Wenn die Party vorbei ist“ haben Provinz nicht nur dutzende Sessions und Konzerte gespielt, sondern auch Erwartungen an das erste Album „Wir bauten uns Amerika“ geschürt. Umso größer war der Schock für Fans, als dann der Erstling inmitten des Corona-Chaos‘ von April um ganze vier Monate in den August verschoben wurde. Kurz vor Ende dieser Durststrecke tun uns Provinz allerdings den Gefallen und verschieben ihr Album ein allerletztes Mal und so kommen wir schon diesen Freitag in den Hör-Genuss. „Wir bauten uns Amerika“ fängt nahtlos da an, wo „Reicht dir das“ aufgehört hat, denn alle Singles, die die Band seit der EP veröffentlicht hat, finden sich auf dem Album wieder. Das erscheint aber irgendwie angemessen, denn so lassen Provinz ihre ersten großen Hits, verteilt in der Tracklist, noch einmal Revue passieren und schließen mit dieser turbulenten Phase ihrer Karriere und natürlich mit dem behüteten Leben in der Provinz ab.
Provinz – Wenn die Party vorbei ist
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Auch die Handvoll an bisher unbekannten Songs fügt sich perfekt in den größeren Album-Kontext ein, sei es nun das Disco-inspirierte Four-To-The-Floor von „Tanz für mich“ oder die leichtfüßige Liebeserklärung „Nur bei dir“. Die plötzliche Berühmtheit und der Weg dorthin finden nur am Rande statt, inhaltlicher Mittelpunkt bleiben weiterhin zwischenmenschliche Beziehungen, seien sie nun platonischer oder romantischer Natur. Aber auch die sind natürlich betroffen vom großen Trubel: „Du wirst schon sehen“ handelt von einer Beziehung, die ins Wanken kommt. Vincent fleht sein Gegenüber an, Vertrauen zu haben: „Du wirst schon sehen, Schatz/ Irgendwann wirst du sehen, was ich immer schon gesehen hab’/ Gib mir nur ’n bisschen Zeit, gib mir dieses Lied, ja“. Ruhige und aufbrausende Stücke geben sich die Hand, vielleicht auch gerade deshalb, weil beide Attribute oft auf ein und denselben Song zutreffen. Selbst „Nur Freunde“, ein Song, der gänzlich mit Akustik-Gitarre auskommt, lässt einen nicht abschalten, zu sehr ist man gefesselt vom gequälten Leid in Vincents Stimme. Ihr überlassen die übrigen Bandmitglieder an den richtigen Stellen das Spotlight, ohne, dass der Sound dabei in den Hintergrund rückt, ganz im Gegenteil: Provinz kombinieren den Groove eines Lukas Graham mit der Größe und Dramatik von Mumford & Sons. Vor allem diese Größe ist es, mit der Provinz im deutschen Raum hervorstechen und die schon jetzt klar macht: Dieses Album kann Festival-Bühnen und Hallen füllen. „Wir bauten uns Amerika“ ist kein neues Kapitel für die Band, sondern schließt das erste ab. Ein großer Schritt weg vom Newcomer-Dasein, dem man so schnell entwachsen ist, weg von der geborgenen Provinz, in der ein Tag dem anderen gleicht. Auch abseits von dieser Komfort-Zone muss sich die Band nun beweisen und gewissermaßen neu erfinden. Fürs Erste aber haben Provinz mit „Wir bauten uns Amerika“ einen Meilenstein in die Welt gesetzt, der nicht nur zeigt, wie harmonisch ihre Musik auf Album-Länge funktioniert, sondern auch wie gut deutscher Folk-Pop im Allgemeinen sein kann.
Provinz – Diego Maradona
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Provinz – „Wir bauen Euch Amerika“ Tour 2021
23.03.2021 Saarbrücken Garage 24.03.2021 Freiburg Jazzhaus 25.03.2021 München Backstage 26.03.2021 München Technikum 27.03.2021 CH-Zürich Papiersaal 29.03.2021 Stuttgart Im Wizemann (Club) 30.03.2021 Stuttgart Im Wizemann (Halle) 31.03.2021 Heidelberg halle02 02.04.2021 Hamburg Uebel & Gefährlich 03.04.2021 Hamburg Grosse Freiheit 36 04.04.2021 Bremen Schlachthof 06.04.2021 Köln Live Music Hall 07.04.2021 Köln Live Music Hall 09.04.2021 Chemnitz AJZ 10.04.2021 AT-Wien WUK 11.04.2021 Dresden Tante Ju 12.04.2021 Nürnberg Z-Bau 14.04.2021 Wiesbaden Schlachthof 15.04.2021 Berlin Huxley’s 16.04.2021 Hannover Capitol 17.04.2021 Ravensburg Konzerthaus„Wir bauen Euch Amerika“ Tour 2022
03.04.2022 Erlangen E-Werk 04.04.2022 Leipzig Naumanns 06.04.2022 Berlin Badehaus 07.04.2022 Hamburg Nochtspeicher 08.04.2022 Hannover Lux 11.04.2022 Münster Gleis22 12.04.2022 FFM Ponyhof 13.04.2022 Stuttgart Rosenau 14.04.2022 München zehner
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