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Zum internationalen Tag der lesbischen Sichtbarkeit: Fünf Künstlerinnen, die es zu hören lohnt

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Clairo – Bags

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Wer hinter den Zeilen „All these little games, you can call me by the name I gave you yesterday“ bislang ausschließlich den gegenseitigen Austausch von Spitznamen verstanden hat, liegt damit zwar nicht falsch, weiß aber auch noch nicht um die vollständige Bedeutung des Songs. Denn bei den Worten „call me by your name“ handelt es sich vor allem um eine offensichtliche Referenz an den 2017 erschienenen, gleichnamigen Film, der mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle die Geschichte zweier junger Männer erzählt, die sich ineinander verlieben. Oder um besagte Zeile nochmal in Clairos Worten zu erklären: „you can call me by the name I gave you yesterday‘ is not only talking about the nicknames, but alludes to ‚call me by your name‘ – because it’s about a girl. Well gay insert there“. Der 2019 auf ihrem Debüt-Album enthaltene Song „Bags“ skizziert ziemlich autobiografisch einen romantischen Fernsehabend zweier Jugendlicher im Coming-Of-Age-Wirrwarr. Nur, dass die Person, die neben Clairo auf dem Sofa sitzt, eben nicht männlich, sondern weiblich ist. Und weil zwei miteinander Zeit verbringende Frauen von einer in der Mehrheit noch heteronormativen Gesellschaft oft „nur“ als Freundinnen erkannt werden, bäumt sich in Clairo die Unsicherheit auf. „Wie funktioniert das überhaupt?“ – sich seiner sexuellen Orientierung bewusst werden, die zu aller eh schon vorhandenen, jugendlichen Überforderung, auch noch abseits einer gesellschaftlichen Norm stattfindet? Unter anderem darauf hat Clairo mit ihrem im letzten Jahr erschienenen Album „Immunity“ sehr persönliche Antworten gefunden.

Girl in red – Girls

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Wesentlich weniger zwischen den Zeilen verhandelt die aus Norwegen stammende Marie Ulven, auf der Bühne besser als Girl in red bekannt, ihre Homosexualität. Songtitel wie „Girls“ oder „I wanna be your girlfriend“ machen schon bei einem ersten, flüchtigen Blick auf ihre Diskografie offensichtlich, worum es auch in ihren Songs geht. Mit Zeilen wie „I should be into this guy, but it’s just a waste of time. He’s really not my type“ prangert auch Girl in red eine mehrheitlich heteronormativ denkende Gesellschaft an, die noch viel zu häufig davon ausgeht, dass sich Mädchen und Frauen in das gegenteilige Geschlecht verlieben. „No this is not a phase, or coming of age, this will never change“ wirft Ulven all denjenigen vor die Füße, die Homosexualität mit „einer Phase des Ausprobierens“ einzuordnen versuchen und sogar als temporäre Sexuatlität abtun. Als nicht minder problematisch bezeichnet Girl in red auch diejenigen, die sich zwar als Fans ihrer Musik offenbaren, das aber oft mit den Worten „obwohl ich nicht homosexuell bin“ tun. Auf Twitter erklärt Ulven dazu: „das ist so nervig, weil es ausdrückt, dass du dich genötigt fühlst, dich von der Musik zu distanzieren in der Angst, mit etwas queerem in Verbindung gebracht zu werden, könnte etwas schlechtes sein“.

Shura – Religion

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Es gibt wohl kaum zwei Ansichten, die weniger Hand in Hand gehen als geschlechtliche, sowie sexuelle Freiheit und Religion. Während Letzere alle Paarungen abseits von Mann und Frau unterschiedlich konsequent ausschließt, versucht sich die britische Künstlerin Shura in ihrer ganz eigenen Definition des Begriffs Religion. „It’s human, it’s our religion. No preacher to teach us to love“ heißt es eingangs und damit sollen veraltete, institutionelle Ansichten nicht nur angeprangert, sondern im selben Wortlaut auch auf den Kopf gestellt sein. Im dazugehörigen Video, inszeniert in einem Kloster, zeigen sich Nonnen als angezogen von ihren Schwestern und schon die anfänglichen, zarten Berührungen lesen sich als Affront gegen die Kirche als Institution. Inmitten der romantisch und sexuell zueinander hingezogenen Ordensschwestern platziert sich Shura in engelsgleichem Weiß und vollzieht als eine der wohl modernsten Pastorinnen eine Hochzeit zweier Nonnen.

King Princess – 1950

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„I fucking hate it when dudes try to fuck me, but I also absolutely adore when ladys try to chase me“ gibt King Princess zu den Hintergründen der ersten Zeilen auf „1950“ bekannt. Princess selbst identifiziert sich als genderqueere Lesbe, wie also die beiden Begriffe „King“ und „Princess“ zum Künstlernamen zusammenkamen, dürfte damit erklärt sein. Denn als genderqueer gelten Personen, die sich weder ausschließlich als männlich noch weiblich identifizieren und um dieses ineinander übergehen beider Geschlechter schon mit dem Artistnamen auszudrücken, hat Mikaela Mullaney Straus sich sowohl König als auch Prinzessin getauft. Den 2018 veröffentlichten Titel „1950“ beschreibt King Princess als Analogie auf die Zeit in der Mitglieder der Queer-Community ihre sexuelle Identität, auch die Liebe zum gleichen Geschlecht geheim halten mussten. „(…) ich wollte eine Parallele zu unerwiederter Liebe ziehen. Das Gefühl, wenn dich jemand in der Öffentlichkeit abweist der Tatsache gegenüberstellen, dass Menschen früher einfach nicht offen homosexuell leben konnten. Ich wollte dem Tribut zollen“.

Wilhelmine – Meine Liebe

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„So wie ich bin darf ich hier nicht sein“ gibt die gleichermaßen in Berlin Kreuzberg und im niedersächischen Wendland aufgewachsene Wilhelmine schon innerhalb ihrer ersten halben Minute musikalischem Debüt bekannt und adressiert damit all diejenigen, die sich 2020 gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe immer noch nicht tolerant zeigen. Genauso aber hält die junge Künstlerin auch all denjenigen den Alltag einer Homosexuellen vor Augen, die gefangen in ihrer Großstadt-Blase, selbst aber nicht zur LGBTQ+-Gemeinde gehörend, einfach davon ausgehen, mittlerweile hätte sich gegenüber sämtlichen Mitgliedern besagter Community überall vollständige Akzeptanz eingestellt. „Meine Liebe“ liefert mit Zeilen wie „Immer nur küssen, wenn keiner guckt“ und „hab‘ mich gefragt, ist in mir irgendwas verkehrt“ leider den Gegenbeweis.

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