Zwischen Pop-Punk und Patriarchat zerlegen: PAULINKO lassen ihrer Wut freien Lauf
Paulinko sind bekannt für ihren direkten, wie sie es selbst bezeichnen, „Auf-die-Fresse-Pop“. Das NNDW-Manifest „Skandal im Patriarchat“ und „Männer am Meer“, der mit Post-Punk-Gitarre jede fragile Männlichkeit zerlegt, sind nur zwei Beispiele für die feministischen Wahrheiten, die die Band aus dem Ruhrpott auf die Bühne bringt.
Ihre neuste Single „ficken wen du willst“ ist aufgeladen von all der Wut, die auf den Vorgängersingles noch keinen Platz gefunden hat. „Liebe Grüße an unsere Exen die uns inspiriert haben diesen Song zu schreiben“, schreibt die Band um Sängerin Anna anlässlich des Releases auf Instagram. Und irgendwo zwischen Elektro- und Punk-Pop bieten sie sich selbst und ihren Fans das Ventil, einfach drauf loszuschreien und allem angestauten Ärger Luft zu machen.
Paulinko fordern das Patriarchat heraus
Wütend singt Anna: „Gib mir dein Wort und zünd es an / hab‘ mich eh schon viel zu oft verbrannt / es tut dir leid, halt doch dein Maul / du kannst doch ficken, wen du willst / doch dann will ich dich halt nicht“. „Ficken wen du willst“ ist eine Abrechnung mit dem Ex-Partner, feministischer Rage, das vernichtende „ich bin ohne dich eh besser dran“. Und als würde die Melodie den Text doppelt unterstreichen wollen, zeigen Amy und Lisa an E-Gitarre und Schlagzeug: Punk is not dead!
Und gerade weil weibliche Wut in der Geschichte und Popkultur sehr häufig diffamiert wurde und unverblümt direkte Sprache wie „du kannst doch ficken, wen du willst“ lange Zeit männlichen Artists vorbehalten war, ist dieser Track so befreiend. Das „halt doch dein Maul“ am Ende des Songs ist also wie ein universeller Stinkefinger an das Patriarchat. Damit reiht sich „ficken wen du willst“ perfekt in die restliche Diskografie von Paulinko ein.
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