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„17. Juli 1989“ und „18. Juli 1989“: Betterov arbeitet seine Familiengeschichte auf

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Tagged: Betterov

Wenn man heute von Thüringen nach Hessen fährt, erinnert nur noch ein braunes Schild an der Autobahn an den Grenzübergang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Ein nüchternes, braunes Schild, keine Emotionen, hunderte Autos fahren täglich daran vorbei. Dass diese Stelle bis vor 36 Jahren eine Naht zwischen zwei Staaten bildete, die so viele Träume, Ängste und Hoffnung eng aneinanderband, greift Betterov in seinem Doppelrelease „17. Juli 1989“ und „18. Juli 1989“ auf.

In der Ankündigung zu diesem sehr persönlichen Release sagt der Sänger: „Es gibt eine Geschichte in meinem Leben, die mich seit Jahren nicht mehr loslässt. Und das Merkwürdige daran ist: Ich habe sie gar nicht selbst erlebt. […] Und doch ist sie ein riesiger Bestandteil meines Lebens, weil sie sowohl mein Leben als auch, das der Menschen in meinem Umfeld für immer verändert hat.“

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Auf Instagram hat Betterov den Release mit kurzen Videos und Fotos angekündigt, die den ehemaligen Grenzstreifen zeigen: Felder und Wiesen, die sich im Wind wiegen, in einer Ruhe und Unschuld, als hätten hier nicht hunderte Menschen ihr Leben verloren oder neu begonnen. Einer dieser Menschen war Betterovs Vater. Während noch alles schlief, machte er sich in der Nacht vom 17. Juli 1989 auf, um über die Zäune zu steigen. Unter den Scheinwerferkegeln der Grenzpolizei der DDR sprintete Betterovs Vater zum zweiten Grenzzaun „und ließ sich in das Gras eines anderen Landes fallen“.

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Und dann beginnt der 18. Juli 1989. Die Flucht des Vaters ist geglückt, das Leben in der DDR ging weiter. Die Stasi war bereits auf dem Weg zu Betterovs Mutter, die in die Fluchtpläne des Vaters eingeweiht war: „Und aus Begegnungen in der Nachbarschaft wurden Vermutungen, schriftlich zusammengefasst“.

Betterov: Zwei Tage, zwei Staaten, zwei Lieder.

Der Unterschied der beiden Lieder fasst die unterschiedlichen Gefühle zusammen, die sich an diesen beiden schicksalhaften Tagen zusammengetragen haben. Während „17. Juli 1989“ klavierlastig ist, schneller und so die Hoffnung auf ein neues Leben in einem anderen Land überträgt und ein bisschen an die Produktionen von „Dussmann“ oder „Platz am Fenster“ erinnert, ist „18. Juli 1989“ schwermütig, anklagend und geht eher in Richtung „Das Tor geht auf“.

Der zweite Song, den Betterov schrieb, weil er merkte, dass diese Geschichte viel zu groß ist, um sie bloß mit einem Song komplett zu erzählen, beginnt mit Streichern, die sich düster durchziehen. Dann switcht Betterov jedoch, der Song hellt sich auf und er erzählt von den Begegnungen in seiner Heimat. Von den Menschen, die damals seine Mutter beobachteten und heute ihn erkennen. „Sie kommen zu mir auf der Straße, neulich warst du doch im Fernsehen, da haben wir dich gesehen und jetzt vergiss nicht, wo du herkommst und ich frag’ mich, wie soll das gehen?“.  

Auch wenn Betterov 1989 noch nicht geboren war, so sind der Verlauf dieser beiden Tage direkt verbunden mit seinem eigenen Leben. Dieser sehr persönliche Einblick in Betterovs Geschichte und Gedankenwelt sind eine Erinnerung daran, dass der Teil unserer Geschichte, in der Menschen ihr Leben riskierten, um in Freiheit zu leben, noch gar nicht so lange her ist. Wenn die beiden Songs „17. Juli 1989“ und „18. Juli 1989“ auch keine Gute-Laune-Sommersongs sind, so geben sie auf jeden Fall Gelegenheit, an manchen Autobahnschildern nicht einfach gedankenlos vorbeizufahren.  

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