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Album der Woche: Beabadoobee – Pylon

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Beabadoobee bewegt sich schon seit Beginn ihrer Karriere ziemlich selbstverständlich durch die verschiedenen Nostalgiewellen, die die Gen Z schon durchlaufen hat. Auf ihrem Debüt konnte man sie noch irgendwo zwischen modernem Lo-Fi-Bedroom-Pop und 90er-Jahre-Teenage-Dirtbag verorten, mit einem Sound, der an Avril-Lavigne-Punk-Pop erinnerte, und einem Style, der bis heute die Urban-Outfitters-Filialen zu prägen scheint. Von Kritiker gefeiert, kletterten sowohl „Fake It Flowers“ als auch „Beatopia“ in den britischen Charts nach oben und schlugen auch international Wellen.

Während „Beatopia“ soften Bedroom-Pop noch mit verspielten Bossa-Nova-Rhythmdaise, Pelzmänteln und einem deutlich ernsteren, wenn auch immer noch soften Lo-Fi-Rock ersetzt.

„Pylon“: Vom Bedroom-Pop zum Emo-Revival

Die melancholische Schwere der Tracks wirkte schon in dieser Ära weniger schwarz-weiß, schien Verantwortlichkeiten in Grautönen abzubilden und ein deutlich komplexeres Innenleben zu spiegeln. Dass die Reise auch in Zukunft in eine rockigere Richtung gehen würde, hat vermutlich schon damalige die Zusammenarbeit mit Produzentenlegende Rick Rubin angedeutet, der neben „This Is How Tomorrow Moves“ auch den Sound von Stars wie Johnny Cash, Metallica oder The Strokes mitgeprägt hat.

Auf ihrem neuen Album setzt Beabadoobee diesen Sound auf eine Art zwar fort, lässt jedoch so viele neue Kniffe und Einflüsse hinzukommen, dass man „Pylon“ kaum mit ihren vorherigen Projekten vergleichen kann. Auch dieses Mal entführt uns die nostalgische Londoner Künstlerin wieder in die 90er- und 2000er-Jahre, scheint den Bedroom-Pop dieses Mal aber noch deutlicher von Midwest-Emo, Grunge und Dadrock ablösen zu lassen.

Was direkt auffällt: Die Verbindung zur Alternative-Musik-Geschichte wird in diesem Projekt auch durch die Kollaborationen mit Paramore-Ikone Hayley Williams, Turnstile-Sänger Brendan Yates und Chino Moreno von Deftones noch einmal hervorgehoben. Und Beabadoobee zitiert eine Ära nicht mehr nur, sie holt sich dieses Mal sogar einen Teil ihres musikalischen Stammbaums direkt mit aufs Album. Dabei beschränken sich die Verweise auf vergangene Äras in „Pylon“ allerdings nicht nur auf den Sound. Auch visuell baut Beabadoobee eine Welt, in der sich Motive von Unterwegssein, Isolation und Verbindung immer wiederholen und so einige Referenzen zu ziehen scheinen.

Im von ihrem Partner und langjährigen visuellen Kollaborateur Jake Erland gedrehten „Sun Has Set“-Video jagt sie die POV-Kamera durch Motels, Autos und Felder. Und in „All I Did Was Dream of You“, dem vor einem halben Jahr veröffentlichten The-Marías-Feature, das es leider nicht auf das Album geschafft hat, aber als Vorbote schon dieselbe Ästhetik fuhr, wandert sie durch eine dystopische Winterlandschaft und liegt nonchalant und emotional unterkühlt in der Kühlvitrine einer riesigen Markthalle.

Beabadoobee: Unterwegs, überfordert, verbunden

Wer rund um „Pylon“ anfängt, nach Hinweisen, Motiven und Metaphern zu suchen, kann man eigentlich fast gar nicht mehr damit aufhören. Da wären zum einen das Tourleben, Isolation und das Gefühl, ständig unterwegs zu sein, Ängste und Überforderung, Doomscrolling, ihre dunkleren und unsympathischeren Seiten sowie eine neue Offenheit in den Lyrics, die ihr, wie sie in diversen Interviews erwähnt, teilweise selbst unangenehm ist.

„Sun Has Set“ macht aus Enttäuschung und Verrat ungefilterte Wut, „Nothing to Prove“ richtet sich gegen Freundschaften, hinter denen Beabadoobee rückblickend andere Absichten vermutet, während „Powerlines“ Distanz und das Bedürfnis nach Verbindung zusammendenkt. Und auf dem abschließenden „Satellite“ landet schließlich auch das Doomscrolling ganz konkret in ihren Lyrics. 

Nostalgie mit eigener Handschrift

Lautstärke und Distortion der Gitarren spiegeln dieses Gefühlschaos auch im Sound wider. Erzeugen ein Gefühl von Anspannung, Strom und Elektrizität. Ein Motiv das sich auch in Titeln wie „Pylon“, „Spark“ und „Powerlines“ niederschlägt. Ihr Albumcover ziert versteckt hinter zusammengewürfelten Gegenständen die Skizze eines Strommastes. Laut Beabadoobee ihre ganz persönliche Metapher für eine Art Heimatgefühl. Denn es ist ein Bild, das ihr aus dem Tourbus sowohl in London, ihren Wurzeln auf den Philippinen als auch in anderen Teilen der Welt immer wieder begegnet.

Genau darin steckt vielleicht auch das Prinzip hinter „Pylon“ und Beabadoobee. Sie nimmt Bilder, Sounds und Ästhetiken, die ihr vertraut sind, und setzt sie in einen neuen herrlich überladen wirkenden Zusammenhang. Ihre Vision funktioniert deshalb nicht einfach nur über einzelne Trends und Nostalgie. Man merkt ihr an, dass sie die Subkulturen kennt, aus denen sie Inspiration zieht, ihre Geschichte weiterträgt, sich jedes Mal tief in sie eingräbt und daraus dann aber eine ganz eigene Figur und Welt macht. Das ist ihr auch mit „Pylon“ gelungen.

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