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Album der Woche: Charli xcx – Music, Fashion, Film

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Tagged: Charli XCX

Vor ein paar Monaten gab es einen großen Aufschrei. Der Mythos „Charli xcx macht jetzt ein Rock-Album“ ist durch die Presse gegangen und hat für Furore gesorgt. Schuld war wohl ein aus dem Kontext gerissener Artikel der British Vogue, letztlich ist die britische Sängerin aber natürlich nicht full Foo Fighters gegangen – auch wenn ihre erste Single-Auskopplung tatsächlich den inspirierten Namen „Rock Music“ trägt.

„Music, Fashion, Film“: Nicht „Rock“, aber zurück zum Vertrauten

Auf ihrem neuen Album hat Charli xcx den sehr partyfokussierten Electro-Hyperpop, zumindest in Teilen, abgelegt und konzentriert sich auf deutlich reduziertere Arrangements und eine simple Ästhetik. Mehr Gitarren und 2000er-Indie-Sleaze gibt es dieses Mal tatsächlich, produziert von ihren guten Freunden und langjährigen musikalischen Partnern A.G. Cook sowie Easyfun. Das Cover dazu ist mit den drei Megastars – Regisseur Martin Scorsese, Musiker John Cale und Modeschöpfer Marc Jacobs – wortwörtlich ikonisch: das personifizierte „Music, Fashion, Film“. Obendrauf gibt es außerdem noch eine knapp 40-minütige Kurzdoku zum Album auf YouTube, alles in Schwarz-Weiß gehalten und maximal Tumblr-coded.

Das Fashion und Musik für Charli Hand in Hand gehen ist schon ziemlich bekannt und ihre großen Passion zu Filmen lässt sich auch aus den über 1,400 gelisteten Filmen auf ihrem Letterboxd Account herauslesen. Das Album vereint ihre drei größten Passionen, denn ihre Expertise geht auch über Musik hinaus. Etwas das sich ebenso in den visuell sehr sorgfältig kursierten Musikvideos widerspiegelt.

Konzentriert man sich auf ihre musikalische Handschrift, merkt außerdem man schnell: Charli knüpft auf diesem neuen Projekt an einen Sound an, den es schon vor „BRAT“ gab. Einige Momente auf „Music, Fashion, Film“ erinnern an melancholischere Tracks wie „Party4U“ (2020) oder „Gold Coins“ (2015). Eine „rockigere Attitüde“ ist also keinesfalls etwas, das bei Charli aus heiterem Himmel kommt. Das Album wirkt sich so auch ein bisschen wie ein Geschenk an das Publikum, das sie schon vor ihrem großen Hype für ihre ehrlichen, direkten und verletzlichen Texte und ihren ganz eigenen, Genregrenzen-testenden Pop-Sound gefeiert hat.

Charli xcx: Girlhood mit Dimension

So ganz hat Charli die Idee von der Persona hinter „BRAT“ aber auch nicht fallen gelassen. Auf dem neuen Album scheint durch, dass dieser Begriff für sie jedoch vor allem bedeutet, man selbst zu sein: kompromisslos, messy und frei. Alles mit einer gewissen Schlagfertigkeit, einem Augenzwinkern und auf eine Art und Weise, die Unsicherheiten zulässt und normalisiert, wie beispielsweise in „Camera“: „It makes me wanna throw my life away cause I feel different on the mark. Something new and undiscovered and something kind of violent. Daring to fail and being ugly. I’m inspired and alive.“

Gleichzeitig lässt sie sich auch nicht auf diese eine Persona reduzieren. Mit dem Track „Wink Wink“ wendet sie sich unterschwellig an die Öffentlichkeit aber auch Menschen in ihrem persönlichen Leben der es oft erstrebenswert scheint, diese eine Rolle zu finden, die andere in einem sehen, und dann in dieser Box zu bleiben und sie Identität zu nennen. Wobei Charakter doch eigentlich viel weniger greifbar und fluider ist: „No, you don’t get me / Yeah, people can change.“

Außerdem befasst sich Charli auch auf „Music, Fashion, Film“ wieder mit Weiblichkeit und der Suche nach ihrem Platz als Frau in der Industrie. Sie spricht von ihren persönlichen Träumen in diesem Konstrukt, ihren Ängsten und kleinen Macken. Dabei bleibt sie oft diffus und spiegelt in den Lyrics trotz ihres selbstbewussten Auftretens auch eine Tendenz, ihren Status quo immer wieder zu hinterfragen. Ihr trockener Humor ist dabei dann noch die metaphorische Kirsche auf der Sahnetorte: „I used to say, Scream if you wanna go faster / But then I sold my Porsche / My friend Rostam told me I dressed like a slut / So now I shop at A.P.C.“

Kein zweites „BRAT“

Obwohl ihre Lebensrealität als Superstar definitiv Welten vom Alltag der meisten entfernt sein dürfte, schafft sie es so schließlich trotzdem, authentisch und fast schon relatable zu bleiben. Vielleicht ist es auch das, was letztlich dafür gesorgt hat, dass sie nicht wie eine Karikatur ihrer selbst versucht, dem Hype hinterherzurennen, den sie mit „BRAT“ erreicht hat.

Und so wirklich erwartet hat das vermutlich ohnehin niemand, der sich ihre Anfang des Jahres im Kino erschienene Mockumentary angeschaut hat: eine von ihr produzierte, offensichtliche Warnung an sich selbst über den künstlerischen Worst Case, dem sie zum Glück nicht zum Opfer gefallen ist. Stattdessen haben wir ein zwar vergleichbar unaufgeregtes und skizzenhaftes, aber wirklich schönes Album bekommen, das ihren ganz individuellen Style zelebriert.

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