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Album der Woche: Erykah Badu & The Alchemist – Before The World Blows

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Erykah Badu mit „Before the World Blows“ als Album der Woche, das ist irgendwie der offensichtliche Pick und gleichzeitig vielleicht auch nicht. Denn obwohl sie mit Songs wie „On & On“, „Tyrone“ oder „Window Seat“ längst Klassiker geschaffen hat und seit Jahrzehnten als eine der prägendsten Figuren des Neo-Soul gilt, war sie nie eine Künstlerin, die im Jahrestakt neue Musik veröffentlicht, und auch keine, die aktuellen Trends hinterher rennt. Im Gegenteil: Badu arbeitet in ihrem eigenen Tempo. Vielleicht haben gerade diese langen Pausen auch dazu beigetragen, dass jede ihrer Veröffentlichungen bis heute wie ein Ereignis wirkt.

Die Platte ist 16 Jahre nach ihrem letzten regulären Studioalbum „New Amerykah Part Two (Return of the Ankh)“ und elf Jahre nach dem Mixtape „But You Caint Use My Phone“ erschienen. Ein ziemlich großes Comeback also, bei dem Badu allerdings nicht alleine im Mittelpunkt steht.

Zwei Ikonen in ihrem eigenen Tempo

„Before the World Blows“ ist nicht nur ein neues Erykah-Badu-Album, sondern gleichzeitig auch ein The-Alchemist-Album. Ein Name, der in der breiten Öffentlichkeit zwar weniger bekannt, in der Musikszene aber definitiv ebenfalls ikonisch ist. Schließlich hat er schon die großen Namen des 90er-Jahre HipHop, darunter Snoop Dogg, Ghostface Killa oder Cypress Hill produziert. 

Sein Name ist Programm: Die Lieder scheinen verschiedenste Genres und Einflüsse kunstvoll und gezielt zusammenzuwürfeln. Mal spacey, manchmal glitchy, dann wieder sanfte Synths, perlende organische Geräusche im Hintergrund, die an Regentropfen erinnern. Ebenfalls finden sich digitale Sounds, Kalimba-Klänge, ein rhythmischer Bass oder ein klatschendes und raunendes Publikum, als wäre die Band gerade in einer Jazzbar an die Instrumente getreten. Der Sound wirkt dadurch vielschichtig und mehrdimensional, während Erykah Badu und The Alchemist Underground, Hip-Hop, Jazz, Soul und Funk zu einem engmaschigen Teppich weben.

Das Ganze hat beim Hören dann auch etwas Spirituelles, fast schon Meditatives. Die Vibes sind entspannt und Groovy. Es ist wie auf einer Welle mitschwingen, kein großes Auf und Ab, kaum klassische Spannungsbögen, Drops und kurze Dopamin-Momente, sondern so eine konstant atmosphärische Welt, in der man sich verlieren kann. Die kleinen, aber feinen Veränderungen in den Soundmustern stechen dann vielleicht sogar noch mehr heraus, und wer sich darauf einlässt, kann sich richtig gut in diesen kleinen Details verlieren.

Selbstfindung statt Weltuntergang

Auch die Lyrics sind nicht immer direkt zu greifen und hinterlassen oft mehr ein Gefühl als eine ausformulierte Geschichte. Etwas, das man von Badu schon kennt. Es geht um Familie, Weiblichkeit, Liebe und Reflexion. Ganz losgelöst von der Gegenwart versteht die Musikerin ihre Kunst trotzdem nicht. „An artist does not exist separate from their time. We are mirrors. We are translators“, sagt sie selbst. Und schon der Albumtitel „Before the World Blows“ trägt ein Gefühl von Unsicherheit und drohendem Kontrollverlust in sich. 

Die Antwort darauf ist allerdings kein Album voller politischer Statements. Statt ständig in die Zukunft zu schauen, richtet Badu den Blick häufig zurück: auf Familiengeschichte, die eigene Verwurzelung und die Frage, woher man kommt, wenn man herausfinden möchte, wer man gerade ist. Der erste Song des Albums ist dabei mit Abstand der längste und stimmt einen schon einmal darauf ein, dass man sich ab jetzt in eine Art tiefe Meditation begeben kann. Die Chemistry zwischen den beiden und ein paar Backstage Infos findet ihr übrigens auch in diesem Snippet auf Erykah Badus YouTube-Kanal.

Viele Gäste, eine gemeinsame Welt

Komplett wirkt das Projekt dann schließlich auch durch die Mischung an besonders talentierten, aufstrebenden, aber auch etablierten Artists als Feature-Gäste. Thundercat spielt seinen Bass auf „They Ain’t You“ und Steve Lacy komplettiert „To The Moon (Plan C)“. Dazu kommen DJ Creole Princess aus Brooklyn, die sonst einen experimentellen Sound zwischen Trap und R&B fährt, der Grammy-nominierte Rapper DRAM, der auch schon mit Gorillaz, SZA und Lil Yachty zusammengearbeitet hat, sowie Westside Gunn, Earl Sweatshirt und Kamasi Washington. Dazu gibt es auch immer wieder längere Instrumentals und fast Mantra-artige repetitive Gesangspassagen.

Insgesamt wirkt es, als wären auf „Before the World Blows“ verschiedene Ausnahmekünstler:innen zusammengekommen, die einfach genau das tun, worauf sie Bock haben. Und das passt dann auch wieder perfekt zu Erykah Badu und The Alchemist, zwei Artists die ein Album nach ihren eigenen Regeln und in ihrem eigenen Tempo machen: geerdet, groovy und eine kleine Schatzkammer für Fans von sehr sorgfältig und liebevoll konzipiertem, zeitlosem Soul.

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