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Album der Woche: fluppe – BEEST

Posted in: Album der Woche
Tagged: Fluppe

Das Weltschmerz und düster anmutende Zeiten den perfekten Nährboden für allerlei schillernde Post-Punk-Bands bieten, haben die letzten Jahre der deutschen Musikszene nur allzu gut bewiesen. In Qualität und Poesie spielt sich die Band Fluppe mit ihrem neuen Album definitiv mit an die Spitze. Vergleiche mit Projekten von Shame, Protomartyr oder auch Idles wurden seit ihrer 2020 veröffentlichten Debüt-EP „Billstedt“ natürlich schon gezogen. In eine Schublade kann man die Hamburger dann aber doch schwer stecken.

Auf dem neuen Release „BEEST” fühlt sich Fluppes scheinbar mühelose Mischung aus NNDW, Rock, Post-Punk, Pop und Shoegaze mehr als stimmig an. Die Band glänzt dabei mit verschmitzten, klugen und vertrackten Texten sowie jeder Menge Namedropping. Das Albumcover wurde von dem ukrainischen Künstler gordiart kreiert. Es zeigt die ikonische Cartoonfigur Goofy auf einem Foto, das aussieht als wäre es von einer Ghostbuster-Geisterkamera aufgenommen worden. An der Hand hält Horror-Goofy zwei gruselige, schattenartige Kinder. 

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Die zuvor releasten Singles „KREUZBERG“, „DODGERS“ und „COLA & CHANTRÉ“ machten schon vorab klar: Fluppes neues Album wird nachdenklich, vielseitig und düster. Dabei bringt „BEEST“ den empfundenen Weltschmerz pointiert mit persönlichen Gemütszuständen in Einklang. Die emotionale Achterbahn zwischen Apathie, Sehnsucht und Zuversicht wirkt dadurch kaum ermüdend und macht neben der Melancholie eben auch ganz viel Spaß.

Fluppe: Von Sam Rockwell bis Alien Mystery

In „Sam Rockwell“ etwa wächst eine zunächst zurückhaltende, von Pedal Tones getragene Melodie langsam zu einem drängenden und mitreißenden Höhepunkt an. Zeilen wie „friert man sein Herz nur lang genug ein, wird es so kalt und so nass und so hart wie Stein“ und „bin ich neu geboren / oder bin ich nur ein Klon / oder bin ich Sam Rockwell?“ scheinen eine innere Zerrissenheit zu beschreiben. Gleichzeitig wird jedoch auch subtile Kritik an Apathie und moralischem Rückzug formuliert. Wie der Titel des Songs schon andeutet, zieht der Inhalt nämlich eine Parallele zu US-Star Sam Rockwell: „der Officer den ich nicht los werd”. Dieser spielte in seiner Oscar-Prämierten Rolle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, einen moralisch fraglichen und schließlich nach Wiedergutmachung und Erlösung suchenden Polizisten. 

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Der vierte von insgesamt zehn Songs,„PONG“, täuscht mit seinem gut gelaunten Bass zunächst Leichtigkeit an. Dichte Gitarren und abrupte Drumpattern sorgen dann für die gewohnte Schwere und untermalen den Text über eine von tiefem Misstrauen geprägte Gesellschaft. „HOUELLEBECQ GIRL“ wirkt melancholisch, intim und natürlich so gar nicht wie sein amerikanisches Pendant von Gwen Stefani. In einer monologartigen Ansprache zeichnet Frontsänger Oscar Pursch hier eine verzweifelte Figur. „GRIANS“ schlägt wieder härtere, rockige Töne an und „SHANTY“ birgt eine NDW-eske Leichtigkeit. „ALIEN MYSTERY“ überzeugt im Anschluss mit sphärischen Synths und geheimnisvollen Beobachtungen, die viel Interpretationsspielraum lassen:„Glückspilze sind ganz eigene Wesen“. Den Abschluss macht das melancholisches Schlusslied „KIENTOPP“: „Der Film ist alt, der Saal bereit, die Leinwand weiß, es tut mir leid“.

Fluppe haben mit „BEEST“ ein Album geschaffen, das viel Raum für Interpretation und Analyse bietet. Gleichzeitig überzeugt der treibende, verträumte Sound auch auf Gefühlsebene, sodass die Musik live bestimmt noch intensiver wirkt. Die Band ist von Anfang April bis Ende Mai auf großer Deutschland-Tour. Konzerte gibt es unter anderem in Hamburg, München, Frankfurt und Berlin.

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