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Album der Woche: James Blake – Trying Times

Posted in: Album der Woche
Tagged: James Blake

James Blake hat sich über die letzten anderthalb Jahrzehnte als einer der prägendsten Architekten der modernen Melancholie etabliert. Vom Post-Dubstep seines selbstbetitelten Debüts über die Grammy-prämierten Kollaborationen mit Kendrick Lamar oder Beyoncé bis hin zum elektronischen Exzess vom Album „Playing Robots Into Heaven“ (2023) und der Collab mit Lil Yachty ein Jahr darauf. Jetzt spannt Blake einen weiten Bogen zwischen intimer Singer-Songwriter-Kunst und avantgardistischer Club-Ästhetik. Sein neues Werk „Trying Times“, erschienen auf seinem eigenen Independent-Label „Good Boy Records“, markiert nun eine Zäsur. Es ist das erste Album seit seinem Umzug von Los Angeles zurück in seine Geburtsstadt London und damit eine bewusste Bestandsaufnahme. Blake agiert hier nicht mehr nur als Musiker, sondern erstmals auch als sein eigener Manager, was dem Album eine hörbare Autonomie verleiht.

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Die Säulen von „Trying Times“: James Blake, Dom Maker & Jameela Jamil

Das Gesamtkonzept von „Trying Times“ lässt sich als eine Art emotionale Inventur in einer zunehmend fragmentierten Welt beschreiben. Während der Solo-Vorgänger „Playing Robots Into Heaven“ noch zum Tanzen anregte, verarbeitet Blake jetzt das Gefühl seiner persönlichen, aber auch einer kollektiven Erschöpfung. Der Titel ist Programm: Weltpolitische Anspannung und die Überforderung, die drehenden Teller des Lebens im Gleichgewicht zu halten. Genau das hat Blake auch auf dem Cover abgebildet. Musikalisch führt er die verschiedenen Fäden seiner Karriere zusammen. So verzichtet er auf die ganz großen Gesten und setzt stattdessen auf eine hybride Textur aus organischen Klavierläufen, Gospel-Anleihen und lediglich punktuellen elektronischen Ausbrüchen.

Großen Anteil am verfrickelten Sound hatte auch wieder Produzent Dom Maker. Die eine Hälfte des Electro-Duos Mount Kimbie hat schon seit „Assume Form“ (2019) seine Finger in James Blakes Producing-Game. Großen Einfluss hatte auch wieder Blakes Partnerin Jameela Jamil. Während die als Moderatorin bekannt gewordene Britin ihre Production-Credits auf dem Vorgänger-Album „Friends That Break Your Heart“ aufgrund misogyner Äußerungen rund um ihre Profession noch verteidigen musste, geht das Paar nun auch ihre künstlerische Beziehung deutlich offener an. Auch die Partnerschaften mit den beiden Album-Features Monica Martin („Didn’t Come To Argue“) und Dave („Doesn’t Just Happen“) baut James Blake weiter aus. Mit beiden Acts teilte er bereits Singles, Album-Credits oder sogar Live-Auftritte.

James Blake: „I’m breaking. I hide it well.“

Die Zeile „I’m breaking. I hide it well ‚Cause I can’t afford to replace the shell.“ aus dem Titeltrack fungiert dabei als emotionaler Ankerpunkt des gesamten Albums. Sie beschreibt jene mühsam aufrechterhaltene Fassade, die Blake musikalisch immer wieder bröckeln lässt. In „Death of Love“ hingegen weicht die gewohnte Melancholie einer nüchternen Betrachtung des Endlichen. Hier zeigt sich Blakes Talent, Verzweiflung in wunderschönen Arrangements zu hüllen. Ein weiteres Highlight ist „Through The High Wire“, das mit seinen hochgepitchten Vokalsamples und klanglicher Schärfe fast wie ein Echo seiner frühen Experimente wirkt, jedoch durch die gereifte Produktion eine neue Tiefe gewinnt.

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Visuell wird sich auch in der Ästhetik der Reduktion geübt. Die Musikvideos wie zu „I Had a Dream She Took My Hand“ und „Death of Love“ brechen mit gängigen Sehgewohnheiten. Man sieht James Blake in einer einzigen, unbewegten Kameraeinstellung. Ein blasser, kalter Filter liegt über den Bildern und entzieht ihnen damit jede visuelle Wärme. Die statische Inszenierung erzwingt eine Konzentration auf kleinste Regungen. Auch das visuelle Statement lässt so keine Ablenkung zu und zwingt dazu, sich vollends auf dieses vielschichtige Album einzulassen.

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