Album der Woche: Malcolm Todd – Do That Again
Malcolm Todds musikalische Laufbahn fängt wie so viele zur Zeit der Pandemie 2020 an. Er stammt aus einer kreativen Familie und DIY an Musik zu arbeiten, fühlt sich für ihn zu einer von Langeweile und Stillstand geprägten Zeit ganz natürlich an. Auch seine große Schwester Audrey Hobert ist Musikerin und ein bisschen Nepo Baby steckt dabei natürlich auch drin. Sein Vater Tim Hobert hat unter anderem als Autor an Erfolgsserien wie „The Middle“, „Scrubs“ und „Community“ mitgearbeitet.
Malcolm selbst überzeugt aber auch alleine schnell mit seiner humorvollen, authentischen Art, klugem Marketing – eine frühe Single bewirbt er auf Social Media ironisch als angeblichen Steve-Lacy-Leak –, großem Talent für soften R&B und Bedroom-Pop sowie Texten, die zwischen Naivität, Selbstreflexion, konfessioneller Romantik und Witz pendeln.
Obwohl er sich unter anderem über TikTok schon früh eine solide kleine Fanbase aufbaut, feiert er seinen großen Durchbruch schließlich erst Ende 2025 mit dem Mega-Hit „Chest Pain (I Love)“, der zeitweise wahrscheinlich in fast jede Timeline gespült wurde. Kleine virale Momente erzeugten schon 2023 die Singles „Art House“ und „Roommates“. In diesem Jahr unterschreibt er dann schließlich auch einen Plattendeal bei Columbia Records und geht mit Omar Apollo auf Tour. Die aus einer Zusammenarbeit der beiden Artists entstandene Single „Bleed“ ist übrigens auch eine besonders große Empfehlung.
Vor wenigen Tagen ist jetzt Malcolms neues Album „Do That Again“ erschienen. Ein Projekt, das deutlich macht, dass er langsam in der A-Liga ankommt. Unter den Produzenten finden sich mittlerweile größere Namen wie Jasper Harris, der unter anderem schon mit Tate McRae, Baby Keem, Post Malone und Jack Harlow gearbeitet hat und (Überraschung!) Matthew Castellanos, langjähriger Kreativpartner von niemand Geringerem als Steve Lacy. Steve Lacy selbst ist übrigens auch als Background-Vocal und Komponist auf dem namensgebenden Track des Albums „Do That Again“ zu hören. Der Kreis schließt sich also.
Thematisch dreht sich auch „Do That Again“ wieder viel um komplizierte Beziehungen, sehnsüchtige Gefühle und emotionales Chaos. Hinterlegt werden sowohl das Albumcover als auch die Videos von einem intensiven Rot. Neben Heartbreak handeln die Texte von gegenseitiger Anziehung, Neuanfängen und aufgeladener Chemie. „Jean Skirt“ und „Obsessica“ klingen dabei wie frisch verliebt, während „Free.99“ mit Reue in die Vergangenheit blickt: „I couldn’t move with your body attached onto mine / Now I’ve got too much space / I just wait for the day when I know you again“.
In „Breath“ werden die sehnsüchtigen Gitarrenriffs schließlich wieder durch mehr Funk ersetzt, mit einer Hook, die Frank-Ocean-Gefühle aufkommen lässt. Dass er Bedroom-Pop und Indie-Sounds nicht ganz durch den Alternative-R&B-Vibe ersetzen will, kommt schließlich wieder in dem Singer-Songwriter-Song „I Saw Your Face“ heraus. Und einen Songtitel, der aufgrund der Sitcom-Vergangenheit seines Vaters eigentlich schon längst überfällig ist, liefert Todd in der Mitte des Albums mit „Malcolm in the Middle“. In „Ain’t It the Truth“ wird es dann wieder etwas vorwurfsvoller, während in „Lonely Song“ die Einsamkeit siegt.
Für jeden, der sich schon einmal in einem komplizierten Herzschmerz und verworrenen Gefühlswelten verloren hat, birgt „Do That Again“ definitiv das Potenzial, mit einen ehrlichen Texten einen Nerv zu treffen. Und im besten Fall fühlt man sich dann vielleicht auch so verstanden, dass es den Schmerz etwas lindert oder man die eigene Misere in den schönen Visualizern ertränken kann.
Auch ein Deepdive in die visuelle Welt hinter der Musik lohnt sich, denn wer Malcolm Todds Erfolgsrezept verstehen will und die ganze sympathische Persona dahinter, kommt an seiner nerdy Indie-Boy-Ästhetik eigentlich nicht wirklich vorbei. Die Videos, Coverartworks und selbst seine Posts haben diesen warmen 90er-Jahre-Look und wirken oft wie Erinnerungen an einen Sommer, den man nie wieder ganz greifen kann, und an eine Zeit, in der irgendwie alles gut war. Die Welt, in die er einen damit zieht, wirkt nahbar, ungefiltert und erstaunlich echt, auch wenn man natürlich merkt, wie viel Arbeit, Color-Grading und Konzept hinter diesen vermeintlich schnappschussartigen Aufnahmen steckt.
„Do That Again“ zeigt damit ziemlich gut, warum Malcolm Todd gerade über den Status als viraler TikTok-Artist hinauswächst. Der Sound ist größer geworden, die Ästhetik bleibt wiedererkennbar und zwischen Bedroom-Pop, Alternative R&B und Indie-Rock-Elementen scheint er immer klarer seine eigene Rolle zu finden.
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