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Album der Woche: Noah Kahan – The Great Divide: The Last Of The Bugs

Posted in: Album der Woche
Tagged: Noah Kahan

Dass ein Singer-Songwriter zum riesigen Social-Media-Phänomen wird, hätte vor Noah Kahan vermutlich kaum jemand gedacht. An „Stick Season“ kam 2022 auf TikTok schon bald niemand mehr vorbei. Alles, was man mit seiner Musik hinterlegte, ging nicht nur viral. Die Musik schien dem Content direkt eine herzzerreißende Tiefe und Dimension zu verleihen. Der ein oder andere hat sich damals vielleicht sogar dabei ertappt, bei einem simplen Fashion-Check feuchte Augen zu bekommen oder von einem Thailand-Reisevlog plötzlich zutiefst berührt zu sein – weil Noah Kahans Sound eben einfach so einen Effekt hat.

Spannend ist diese Entwicklung auch deshalb, weil sich seine Musik und Identität eigentlich vielmehr in den ländlichen USA und einem scheinbar simplen, bescheidenen Leben verorten lassen: weite Wiesen und bewaldete Hügel, Holzschuppen, einsame Tankstellen und Nebelschwaden – das ist die Kulisse von Noah Kahans Schaffen. Und doch funktioniert seine Musik universell.

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Rückzug, Reflexion und neue Perspektiven

Nach dem viralen Erfolg von „Stick Season“, mittlerweile fast zwei Milliarden Streams auf Spotify und einer ausgedehnten Tour hat sich Noah Kahan für sein neues Projekt bewusst zurückgezogen. Dabei verarbeitet er Themen wie mentale Gesundheit, familiäre Konflikte und seinen Umgang mit dem plötzlichen großen Ruhm. Atmosphärische Arrangements zwischen Akustikgitarre, Piano und Ambient-Elementen schaffen auch klanglich ein Spannungsfeld aus Nostalgie und Gegenwart.

Die intensive Auseinandersetzung mit komplexen Gefühlswelten zieht sich durch Kahans Diskografie und prägt auch „The Great Divide“ und die Albumerweiterung „The Great Divide: The Last Of The Bugs“. Gerade in der diffusen und gleichzeitig erstaunlich simplen Erzählweise liegt vermutlich ein Teil seines Erfolgs. Mit den angesprochenen Themen kann sich fast jede:r auf eine Art identifizieren. In Songs wie „American Cars“, „Porch Light“ und „Downfall“ stehen familiäre Konflikte und Beziehungen im Vordergrund: „You act like we just sit up here and wait for you to reappear, but baby there are bills to pay and your dads road needs salt”.

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„The Great Divide“ als emotionaler Mittelpunkt

Der zentrale und namensgebende Track „The Great Divide“ wird von einem Musikvideo begleitet. Im Fokus stehen zwei Kinder, Freunde oder Brüder, deren Beziehung man über mehrere Lebensabschnitte hinweg verfolgt: „You know I think about you all the time, And my deep misunderstanding of your life, And how bad it must have been for you back then, And how hard it was to keep it all inside / I hope you settle down, I hope you marry rich, I hope you’re scared of only ordinary shit, Like murderers and ghosts and cancer on your skin, And not your soul, and what he might do with it”.

Noah Kahan singt wie zuvor ehrlich über mentale Gesundheit und Depressionen. „The Great Divide“ beschreibt darüber hinaus den Umgang mit einem neuen, von riesigem Erfolg geprägten Leben. Ebenfalls thematisiert das Album die damit verbundene Zerrissenheit zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Familie, Freund:innen und einem anderen Leben als Musiker, zwischen Touralltag, Heimat und Ferne.

Auf eine Art spiegelt sich darin auch eine „geteilte“ amerikanische Gesellschaft wider. Zwischen Stadt- und Landleben, Arm und Reich, tiefer Verwurzelung in Religion und Traditionen und deren bewusster Ablehnung. Lyrisch wechselt Kahan immer wieder die Perspektive. Mal nimmt er seine eigene ein, mal die anderer oder lässt zwei innere Konflikte aufeinanderprallen.

Musikalische Weiterentwicklung mit prominenter Unterstützung

Dass sich sein neues Album wie eine extrem gut durchdachte Weiterentwicklung seines bisherigen Indie- und Folk-Sounds anfühlt, ist kein Zufall. Mitproduziert wurde das Projekt von Aaron Dessner. Dieser ist nicht nur Gründungsmitglied von The National, sondern auch Mitbegründer von Big Red Machine gemeinsam mit Bon Ivers Justin Vernon. Vernon hat auf Kahans neuem Album sogar ebenfalls einen kleinen Cameo. Er ist im Track „Downfall“ mit Banjo und Backgroundgesang zu hören.

Soundtechnisch klingt das Album durch seine teils traurigen, teils hoffnungsvollen Melodien nach goldenem Spätsommer und Sonnenschein. In „End of August“ hört man die Natur förmlich das Zirpen von Grillen, weit entfernte Stimmen, die Ruhe des Landlebens, die dennoch voller Leben ist. Ambient und Piano ziehen sich durch das Album und sorgen für zusätzliche Dimension und Atmosphäre.

Insgesamt entsteht so ein vielschichtiges Projekt, das Kahans Status als eine der prägendsten Stimmen im modernen Folk-Pop weiter festigen dürfte und das weit über Social-Media hinaus funktioniert. Sogar Gedanken an einen diesjährigen Grammy-Gewinn scheinen gar nicht so fern. Mehr zu dem Singer-Songwriter und den Hintergründen zu „The Great Divide“ erfahrt ihr übrigens auch in unserem Print-Magazin. Es erscheint am 15. Mai und kann ab sofort vorbestellt werden.

Wer gerade nicht genug von dem Album bekommen kann, sollte außerdem die neue Tiny Desk Session mit Noah Kahan abchecken:

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