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Album der Woche: RAYE – „THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE.”

Posted in: Album der Woche
Tagged: Raye

Eigentlich reicht bereits ein ausgiebiger Blick auf das Cover von Rayes neuem Album, um zu erahnen, dass gleich große Inszenierungen folgen. Die Szenerie aus düsterem Gewitterhimmel und weichem, moosgrünem Gras stellt sich bei genauem Hinsehen als eine Art Filmset heraus. Raye tritt dabei in einem festlichen roten Abendkleid auf wie eine Old-Hollywood-Showmasterin und präsentiert ihren Hörer:innen eine Welt, die von Herzschmerz, Selbstzweifeln, Doomscrolling, und emotionaler Überforderung geprägt ist. Aber natürlich nicht, ohne ihrem Albumtitel gerecht zu werden und dabei auch ein kleines Fenster Hoffnung zu öffnen.

Schon 2023 hat Raye mit Tracks wie „Escapism.” bewiesen, dass sie den Zeitgeist versteht und ein TikTok-Hit auch aus fast fünf Minuten gut durchdachtem Alternative-R&B entstehen kann. Als ein Vorbote ihres aktuellen Albums lässt sich rückblickend vielleicht auch die 2024 veröffentlichte Single „Genesis“ verstehen. Schon dort trafen gesellschaftskritischer elektronischer R&B auf ein altmodisches Jazz-Finale mit Big-Band. Ihren letzten Mega-Erfolg mit weltweiten Chartplatzierungen markierte dann der Song „Where Is My Husband“, als verfrühte Auskopplung des aktuellen Albums.

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„THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE.” hört sich in seiner Gänze wie der Soundtrack zu gleich mehreren Filmen an. Dabei bewegt sich das Album irgendwo zwischen Gospel, Hip-Hop, Pop, Jazz und opulenten Big-Band-Klängen. Klassische Elemente treffen bei Raye mühelos auf moderne Elektronik, House-Anleihen auf orchestrale Arrangements. Produzenten wie Mike Sabath und die Zusammenarbeit mit einem Symphonieorchester unterstreichen diesen Anspruch. Über 160 Musiker:innen sollen an dem Projekt beteiligt gewesen sein, eine Dimension, die sich auch in ihren beeindruckenden Live-Performances widerspiegelt. 

RAYE: R&B trifft auf orchestralen Soundtrack

Aufgeteilt sind die 17 Songs des Albums in vier Jahreszeiten, beginnen im Herbst und enden im Sommer. Dabei sind es vor allem die großen Arrangements, die dieses Album tragen: Click Clack Symphony“ beispielsweise fällt mit einem Feature des legendären Komponisten Hans Zimmer direkt ins Auge. Zusammen haben Raye und Zimmer mit dem Song ein Werk geschaffen, das sich in orchestraler Wucht entfaltet. Zeilen wie „the cold never lasts my darling, it just teaches the heart how to burn“ verleihen dem Song fast schon eine Art märchenhaften Disney-Charakter. Das Geräusch von Absätzen wird hier zum Symbol für Girlhood: „We don’t settle for depression on a Friday night.“  

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Songs wie „The Whatsapp Shakesbear.” zeigen schon in ihrem Titel wie Raye sowohl in den musikalischen Elementen als auch im Inhalt, Moderne mit Vergangenheit fusioniert. „Winter Woman“ klingt dann wieder ein bisschen nach Rayes „Escapism”-Ära, verbindet Alternative R&B mit poppigen Elementen, während „Skin & Bones“ fast schon funky daherkommt. Dazwischen finden sich immer wieder große Balladen wie „I Know You’re Hurting“, die sich Zeit nehmen, zu wachsen.

„THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE.”: DIY-Wurzeln und Familienprojekt

Überhaupt ist Zeit bei Raye entscheidender Faktor: Viele Tracks des „Albums” überschreiten mühelos die Vier-Minuten-Marke, manche gehen weit darüber hinaus. Das funktioniert dann vielleicht auch nur, weil Raye eine Meisterin des Spannungsbogens ist. Auch bei astronomischen 73 Minuten sorgt sie schließlich dafür, dass einem nicht langweilig wird. Lange und ausgefeilte Intros, Outros und Bridges erzählen Emotionen und Geschichten in einer sorgfältigen Ausgiebigkeit.

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Das Wertvolle an „THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE.” ist bei all der aufwendigen Inszenierung jedoch vor allem, dass alles trotzdem erstaunlich persönlich wirkt. Raye ist heute trotz ihrem großen Erfolg eine DIY-Künstlerin und arbeitet viel mit ihrer Familie zusammen. Das zeigt sich auch in drei besonderen Features: Auf „Fields.” hört man Rayes „Grandad Michael” und dass ihre zwei Schwester sie auf „Joy.” begleiten, ging schon vor einigen Wochen durch die Presse. Möglicherweise entsteht in ihren Songs gerade so auch diese Nähe, die man selbst in den großen, cineastischen Momenten spürt und bestimmt hört man Raye zudem auch einfach ihre hart erkämpfte Freiheit an. Die Sängerin arbeitet schließlich erst seit vier Jahren independent. Von 2014 bis 2021 war sie in einem Plattenvertrag gefangen, der es ihr Verbot neue Projekte zu veröffentlichen. Zwischen Old-Hollywood-Ästhetik, Gegenwart, zeitlosen Themen und digitalem Alltag, schafft Raye mit ihrem neuen Album so einen beeindruckenden Spagat, der in der modernen R&B-Welt schon jetzt neue Standards zu setzen scheint.

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